Es gibt keine einzelne, zentrale Liste, da der Calvinismus keine geschlossene Organisation ist, sondern eine theologische Tradition, die von vielen verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften getragen wird. Man fasst diese heute meist unter dem Begriff „Reformierte Kirchen“ zusammen.
Hier ist eine Übersicht der Gruppen und Regionen, in denen der Calvinismus (oder die reformierte Lehre) heute maßgeblich gelehrt wird:
1. Klassische Reformierte Landeskirchen (Europa)
Diese Kirchen gehen direkt auf die Reformation von Johannes Calvin (Genf) und Ulrich Zwingli (Zürich) zurück.
- Schweiz: Die Evangelisch-reformierten Landeskirchen (in fast allen Kantonen).
- Deutschland: * Die Evangelisch-reformierte Kirche (mit Schwerpunkt in Nordwestdeutschland/Ostfriesland und Bayern).
- Die Lippische Landeskirche (überwiegend reformiert).
- Reformierte Gemeinden innerhalb der unierten Kirchen (z. B. in der EKD).
- Niederlande: Die „Protestantse Kerk in Nederland“ (PKN) sowie konservativere Abspaltungen (Hersteld Hervormde Kerk).
- Schottland: Die Church of Scotland (Presbyterianer).
- Ungarn: Die Reformierte Kirche in Ungarn (sehr prägend in der Region Debrecen, dem „calvinistischen Rom“).
- Frankreich: Die Vereinigte Protestantische Kirche von Frankreich (EPUdF), in der Tradition der Hugenotten.
2. Presbyterianische Kirchen (Weltweit)
In den englischsprachigen Ländern (USA, Kanada, Australien, Südkorea) nennt sich der Calvinismus meist Presbyterianismus.
- Sie lehren die klassische calvinistische Theologie (oft basierend auf dem Bekenntnis von Westminster).
- Besonders in Südkorea ist der Presbyterianismus heute eine der stärksten religiösen Kräfte.
3. „New Calvinism“ & Reformierte Baptisten
In den letzten 20 Jahren gab es eine Renaissance calvinistischer Lehren in Kreisen, die traditionell nicht reformiert waren:
- Reformierte Baptisten: Sie verbinden die calvinistische Gnadenlehre (Prädestination) mit der Erwachsentaufe.
- Evangelikale Bewegungen: Bekannte Prediger wie Timothy Keller oder John Piper haben den „New Calvinism“ weltweit populär gemacht, oft über konfessionelle Grenzen hinweg.
4. Erkennungsmerkmale der Lehre
Wenn du prüfen möchtest, ob eine Gemeinde calvinistisch lehrt, achte auf diese Schlagworte (oft als TULIP-Schema bekannt):
- Völlige Verderbtheit: Der Mensch kann sich nicht aus eigener Kraft für Gott entscheiden.
- Bedingungslose Erwählung: Gott hat schon vor der Welt festgesetzt, wer gerettet wird.
- Begrenzte Versöhnung: Christus starb speziell für die Erwählten.
- Unwiderstehliche Gnade: Wenn Gott einen Menschen ruft, kann dieser nicht widerstehen.
- Beharrlichkeit der Heiligen: Einmal gerettet, kann man das Heil nicht mehr verlieren.
Ein wichtiger Hinweis: Viele moderne reformierte Landeskirchen (z. B. in der Schweiz oder Deutschland) lehren heute eine liberalere Form des Glaubens und betonen die strenge Vorherbestimmung (Prädestination) weit weniger als früher.
Es gibt keine zentrale Behörde, die eine Liste führt, aber man kann die Bildungslandschaft sehr gut in drei Kategorien unterteilen: Staatliche Universitäten, Freie Theologische Hochschulen und internationale Seminare.
Hier ist eine Auflistung der wichtigsten Institutionen, die dem Calvinismus bzw. der reformierten Theologie verpflichtet sind:
1. Klassisch-Reformierte Fakultäten (DACH-Region)
In Deutschland und der Schweiz ist die reformierte Theologie traditionell an staatlichen Universitäten verankert. Diese bilden vor allem das Pfarrpersonal für die Landeskirchen aus.
- Schweiz: Die Universitäten Zürich, Bern, Basel und Genf. Sie stehen in der direkten Nachfolge von Zwingli und Calvin.
- Deutschland:
- Universität Heidelberg: Historisch eines der wichtigsten Zentren des Calvinismus (Heidelberger Katechismus).
- Universität Münster & Erlangen: Besitzen dezidiert reformierte Lehrstühle oder Institute für reformierte Theologie.
- Universität Göttingen: Ebenfalls traditionell stark reformiert geprägt.
2. Kirchliche & Freie Hochschulen (Konservativ/Evangelikal)
Diese Schulen lehren oft eine konservativere oder „bekenntnistreue“ Form des Calvinismus, die sich enger an die historischen Bekenntnisse hält.
- STH Basel (Staatsunabhängige Theologische Hochschule): Eine renommierte Adresse für konservativ-reformierte Theologie im deutschsprachigen Raum.
- FTH Gießen (Freie Theologische Hochschule): Zwar interkonfessionell evangelikal, aber mit einer sehr starken Strömung des „New Calvinism“ im Lehrkörper.
- sbt Beatenberg (Schweiz): Eine klassische Bibelschule, die eine solide bibeltreue Ausbildung bietet, in der reformierte Dogmatik eine wichtige Rolle spielt.
3. Internationale „Leuchttürme“ des Calvinismus
Wenn es um eine sehr strikte calvinistische Lehre geht, sind vor allem Schulen im englischsprachigen Raum und in den Niederlanden führend:
- Westminster Theological Seminary (USA): Gilt weltweit als das Zentrum für orthodoxen Calvinismus (bekannt durch Professoren wie Timothy Keller).
- Calvin University & Seminary (USA): Die offizielle Ausbildungsstätte der Christian Reformed Church.
- Theological University Kampen (Niederlande): Ein bedeutendes europäisches Zentrum für neo-calvinistische Forschung.
- Union Theological College (Belfast): Das führende Seminar der Presbyterianer in Irland.
Zusammenfassung der Schultypen
| Typ | Fokus | Zielgruppe |
| Staatliche Uni | Akademisch, historisch-kritisch | Landeskirchliches Pfarramt |
| Freie Hochschule | Bekenntnistreu, bibeltreu | Freikirchliche Pastoren, Mission |
| Bibelschule | Praktisch, Jüngerschaft | Gemeindemitarbeiter, Ehrenamt |
Dr. Roger Liebi hat am Whitefield Theological Seminary in Florida (USA) promoviert.
Dort erlangte er seinen Doktorgrad (Th.D.) in den Fachbereichen Judaistik und Archäologie. Seine Dissertation befasste sich mit dem Thema des Zweiten Tempels in Jerusalem (veröffentlicht unter dem Titel „Der Messias im Tempel“).
Das Whitefield Theological Seminary ist eine reformierte Bildungseinrichtung, die der Association of Reformed Theological Seminaries (ARTS) nahesteht, was den Bogen zu dem Calvinismus schließt.