Glaubensforum

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

1.Mose 32, 25-29

Liebe Geschwister, in 1. Mose 32,25-29 wird der der Kampf Jakobs mit Gott beschrieben. Gott scheint etwas an Jakobs Ringen auch irgendwie gut zu heißen oder täusche ich mich? Um was geht es hier in seinem Ringen im genau? Geht es um das Festhalten im Glauben, selbst bei tiefgreifender Verletztheit; nicht als Erpressungsversuch, sondern als Bekenntnis, ohne den Zuspruch Gottes gar nicht mehr weitergehen (weiterleben) zu wollen? 
Der Vers sagt mir viel, ohne dass ich es richtig begreife... 
Liegt der Segen vielleicht darin, dass der Segen, den Gott schenkt nicht im eigenen Begreifen liegt und Erkämpfen, sondern im tief verwundet werden liegt und sich darin dann Gott überlassen, genau so hilflos und schwach?
Aber das wäre ja dann ein Gewaltsames Eingreifen Gottes, das zum großen Segen wird...

Ich danke Euch; Carmen

25 Und Jakob blieb allein übrig; und es rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte aufging.

26 Und als er sah, daß er ihn nicht übermochte, da rührte er sein Hüftgelenk an; und das Hüftgelenk Jakobs ward verrenkt, indem er mit ihm rang.

27 Da sprach er: Laß mich los, denn die Morgenröte ist aufgegangen; und er sprach: Ich lasse dich nicht los, du habest mich denn gesegnet.

28 Da sprach er zu ihm: Was ist dein Name? Und er sprach: Jakob.

29 Da sprach er: Nicht Jakob soll hinfort dein Name heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gerungen und hast obsiegt.

Olivier W. hat auf diesen Beitrag reagiert.
Olivier W.


1. Mose auf Teams - Bibelstunde

Handreichungen Handreichungen html Johannes Bibelstunde Teams Johannes auf YouTube
Schritte durch die Bibel Literatur J.N.Darby Literatur William Kelly AT Literatur William Kelly NT

http://www.bibelkreis.ch --- http://www.m316.ch ---- Elberfelder 2023

Liebe Carmen, liebe Geschwister,

du täuschst dich nicht ganz – und doch muss man den Text sehr genau lesen.
Gott «heisst» Jakobs Ringen nicht einfach gut, als wäre der alte Jakob (der Fersenhalter und Überlister) plötzlich zum Vorbild geworden. Der Herr kommt selbst als Gegner, bricht Jakobs eigene Kraft und bringt ihn dahin, dass er nicht mehr aus eigener Stärke ringt, sondern festgehalten am Segen Gottes.

Der Zusammenhang

Jakob hat alles vorausgeschickt:
Familie, Herden, Geschenke an Esau (1. Mose 32,14–22).
Er bleibt allein am Jabbok zurück.
In dieser Nacht beginnt nicht Jakob den Kampf, sondern:

„Und Jakob blieb allein übrig; und es rang ein Mann mit ihm,
bis die Morgenröte aufging.“ (1. Mose 32,25 Elberfelder 2023)

Der hebräische Wortlaut ist wichtig: wajje’abeq isch immo – ein Mann ringt mit ihm.
Gott sucht Jakob auf, nicht umgekehrt.
Derselbe Mann wird im Text selbst als Elohim bezeichnet (V. 29)
und von Jakob als Gott erkannt, den er von Angesicht zu Angesicht gesehen hat
(V. 31, Pniel / Peniel = „Angesicht Gottes“). Hosea bestätigt:

„Im Mutterleibe hat er seinen Bruder hintergangen, und in seiner Manneskraft hat er mit Gott gekämpft. Und er kämpfte mit dem Engel und überwand; er weinte und flehte zu ihm.“ (Hosea 12,4–5)


Es ist der Engel Jahwe – eine Theophanie, Gott selbst, der sich Jakob stellt.

Was im einzelnen geschieht

  1. Gott lässt Jakob seine natürliche Kraft ausspielen. Jakob war kein Jüngling mehr (nach der Chronologie der Patriarchen um die 90 Jahre). Dennoch kann der Mann ihn stundenlang nicht „übermögen“. Das ist Absicht. Gott hätte ihn sofort zu Boden werfen können. Er tut es nicht, damit Jakob merkt, dass seine bisherige Lebensweise – List, Berechnung, eigene Stärke – hier nicht mehr trägt.
  2. Die Berührung der Hüfte. Als der Mann sieht, dass er ihn so nicht bezwingt, rührt er das Hüftgelenk an (kaf jerech). Das Gelenk wird verrenkt.
    Die Hüfte ist der Sitz der Kraft und der Fortbewegung.
    Von da an kann Jakob nicht mehr aus eigener Kraft „gewinnen“. Er hinkt den Rest seines Lebens (V. 32).
    Das ist keine Belohnung, sondern Zucht:
    Gott nimmt ihm die Grundlage seines Selbstvertrauens.

  3. Erst jetzt kommt das „Ich lasse dich nicht los“.
    Genau in dem Moment, in dem seine Kraft gebrochen ist, klammert sich Jakob fest: „Ich lasse dich nicht los, du habest mich denn gesegnet.“ Das ist nicht mehr das Ringen des alten Jakob, der sich den Segen erschlichen hatte (1. Mose 27). Es ist das Festhalten des Gebrochenen, der erkannt hat:
    Ohne den Segen dieses Mannes gehe ich nicht weiter. Hosea sagt ausdrücklich: er weinte und flehte.
  4. Der Namenswechsel.
    Der Mann fragt nach dem Namen.
    Jakob muss „Jakob“ sagen – Ja‘aqov, Fersenhalter, Überlister. Dann spricht der Herr:

„Nicht Jakob soll hinfort dein Name heißen, sondern Israel;
denn du hast mit Gott und mit Menschen gerungen und hast obsiegt.“
(sarita im Elohim we-im anashim watuchal)

Jisra’el kommt von sarah (ringen, kämpfen, sich durchsetzen) + El.
Der Text selbst erklärt den Namen:
Du hast mit Gott und mit Menschen gerungen und hast obsiegt. Der „Sieg“ besteht nicht darin, dass Jakob Gott überwunden hätte (das ist unmöglich), sondern darin, dass er nach der Verwundung nicht loslässt und den Segen empfängt. Fortan trägt er zwei Namen: Jakob bleibt (das Fleisch, die alte Natur), Israel bezeichnet die neue Stellung vor Gott.

  1. Der Segen und Pniel.
    Der Mann nennt seinen eigenen Namen nicht (vgl. Richter 13,17–18). Er segnet Jakob dort. Jakob nennt den Ort Pniel, weil er Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen hat und seine Seele gerettet wurde. Die Sonne geht auf – ein neues Kapitel beginnt. Er geht Esau hinkend entgegen, nicht mehr als der, der alles selbst arrangiert, sondern als der, den Gott gebrochen und gesegnet hat.

Billigt Gott das Ringen?

Gott billigt nicht Jakobs frühere Methoden (Betrug an Esau und Isaak, das Lavieren bei Laban).
Er kommt als Gegner, um genau diese Selbständigkeit zu treffen. Was er anerkennt, ist das Festhalten nach der Verwundung: „Ich lasse dich nicht los, du habest mich denn gesegnet.“ Das ist Glaube, der sich an Gott klammert, wenn die eigene Hüfte nicht mehr trägt.

Der ganze Abschnitt steht vor der Begegnung mit Esau. Gott musste Jakob zuerst als Feind begegnen, damit Jakob erkennt: Der eigentliche Gegner war nicht Esau, sondern der Herr selbst, dem er sich entzogen und den er mit eigenen Mitteln zu überlisten versucht hatte. Erst wer mit Gott zurechtgekommen ist, kann dem Bruder in Frieden begegnen.

Das ist die Linie der Schrift:
nicht Jakobs Stärke wird belohnt, sondern Gottes Zucht führt zum Segen.
Der Hinkende wird zum Träger des Namens Israel.

Mit herzlichem Gruss in Christus
Hanspeter

Martin K. und Carmen Katharina haben auf diesen Beitrag reagiert.
Martin K.Carmen Katharina



IN CHRISTO!
HANS PETER WEPF
BIBELKREIS.CH
YT: MEIN KANAL

Gott sucht Jakob auf, nicht umgekehrt.

U N D

Gott greift Jakob gewaltsam und gnädig an – um ihn zu segnen

U N D 

Gott musste Jakob zuerst als Feind begegnen, damit Jakob erkennt: Der eigentliche Gegner war nicht Esau, sondern der Herr selbst, dem er sich entzogen und den er mit eigenen Mitteln zu überlisten versucht hatte. Erst wer mit Gott zurechtgekommen ist, kann dem Bruder in Frieden begegnen.

Lieber Hans Peter, herzlichen Dank ! Nun kann ich einiges, vor allem im Rückblick besser verstehen. Dieses Thema hat mich seit vielen Jahren umgetrieben, doch ich verstand nicht und nun stand es im Wort Gottes und ich darf verstehen. Dank sei Gott, dem Herrn. In Christus, Carmen

Hans Peter Wepf, Martin K. und Olivier W. haben auf diesen Beitrag reagiert.
Hans Peter WepfMartin K.Olivier W.