2. Johannes & Menschen die man nicht Grüssen darf
Zitat von Hans Peter Wepf am 3. Oktober 2026, 19:37 UhrQ.: David Voigt:
Ich habe eine Frage zu 2. Johannes und den Menschen die man nicht Grüßen darf und in sein Haus einladen. Ich dachte das bezieht sich auf Menschen die die Wahrheit kannten/kennen und sich von Gott abgewandt haben? Das gilt doch nicht für Verführte wie z.B. die Zeugen Jehovas? Viele dieser wussten die Wahrheit ja nie? Wie siehst Du das, vielleicht hast Du ja sogar ein Beitrag zu. Vielen Danke schonmal und Gottes Gnade und Frieden vermehrt.
Q.: David Voigt:
Ich habe eine Frage zu 2. Johannes und den Menschen die man nicht Grüßen darf und in sein Haus einladen. Ich dachte das bezieht sich auf Menschen die die Wahrheit kannten/kennen und sich von Gott abgewandt haben? Das gilt doch nicht für Verführte wie z.B. die Zeugen Jehovas? Viele dieser wussten die Wahrheit ja nie? Wie siehst Du das, vielleicht hast Du ja sogar ein Beitrag zu. Vielen Danke schonmal und Gottes Gnade und Frieden vermehrt.
Zitat von Hans Peter Wepf am 6. Oktober 2026, 10:02 UhrDie Frage trifft den Kern von 2. Johannes 7–11.
Der Massstab ist nicht die Vorgeschichte des Besuchers,
sondern die Lehre, die er bringt.www.bibelkreis.ch — www.m316.ch
Die Frage
Du schreibt: Du habst gemeint, das Verbot in 2. Johannes gelte Menschen,
welche die Wahrheit kannten und sich von Gott abgewandt haben.
Es gelte doch nicht für Verführte wie die Zeugen Jehovas, weil viele von ihnen die Wahrheit nie gekannt hätten.Beides muss auseinandergehalten werden. Deine Vermutung hat im johanneischen Zusammenhang einen Anhalt.
Sie ist aber nicht der Massstab des Briefes.Der Wortlaut
Elberfelder 1905:
Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht Jesum Christum im Fleische kommend bekennen;
dies ist der Verführer und der Antichrist. …
Jeder, der weitergeht und nicht bleibt in der Lehre des Christus, hat Gott nicht;
wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn.
Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmet ihn nicht ins Haus auf
und grüßet ihn nicht.
Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken. (2. Johannes 7.9–11)Griechisch, mit Umschrift:
- Vers 7: πολλοὶ πλάνοι ἐξῆλθον εἰς τὸν κόσμον (polloi planoi exēlthon eis ton kosmon)
— viele Verführer sind in die Welt ausgegangen. πλάνος (planos) ist der Irreführende, nicht bloss der Irrende.- οἱ μὴ ὁμολογοῦντες Ἰησοῦν Χριστὸν ἐρχόμενον ἐν σαρκί (hoi mē homologountes Iēsoun Christon erchomenon en sarki) — die nicht bekennen Jesus Christus, im Fleisch kommend.
Das Partizip ἐρχόμενον (erchomenon) steht im Präsens.
1. Johannes 4,2 hat dagegen das Perfekt ἐληλυθότα (elēlythota), „gekommen“.
Der zweite Brief trifft also das Bekenntnis zu Christus
als wahrhaftigem Menschen in seinem Kommen;
der erste Brief das bereits geschehene Kommen im Fleisch.
Beides wird von einer Lehre geleugnet, die den Sohn zu einem geschaffenen Geistwesen macht.- Vers 9: πᾶς ὁ προάγων καὶ μὴ μένων ἐν τῇ διδαχῇ τοῦ Χριστοῦ
(pas ho proagōn kai mē menōn en tē didachē tou Christou)
— jeder, der vorangeht und nicht bleibt in der Lehre des Christus. προάγων (proagōn) heisst:
über die empfangene Lehre hinausgehen. διδαχὴ τοῦ Χριστοῦ (didachē tou Christou)
ist hier die Lehre über Christus, über seine Person.- Vers 10:
εἴ τις ἔρχεται πρὸς ὑμᾶς καὶ ταύτην τὴν διδαχὴν οὐ φέρει (ei tis erchetai pros hymas kai tautēn tēn didachēn ou pherei)
— wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt. μὴ λαμβάνετε αὐτὸν εἰς οἰκίαν (mē lambanete auton eis oikian) — nehmt ihn nicht ins Haus. χαίρειν αὐτῷ μὴ λέγετε (chairein autō mē legete) — sagt ihm nicht „χαίρειν“ (chairein).- Vers 11: ὁ λέγων γὰρ αὐτῷ χαίρειν κοινωνεῖ τοῖς ἔργοις αὐτοῦ τοῖς πονηροῖς (ho legōn gar autō chairein koinōnei tois ergois autou tois ponērois)
— denn wer ihm χαίρειν sagt, hat Gemeinschaft mit seinen bösen Werken. κοινωνεῖ (koinōnei) ist Gemeinschaft, Teilhabe, nicht bloss höfliche Nähe.χαίρειν (chairein) ist der antike Gruss der Begrüssung und des Geleitwunsches, etwa „sei gegrüsst“,
„es gehe dir wohl“. In Apostelgeschichte 15,23 und Jakobus 1,1 steht es als Briefeingang.
Es ist hier nicht das beiläufige Nicken auf der Strasse, sondern der Gruss,
der den Kommenden als Boten aufnimmt und ihm den Weg öffnet.Was der Text prüft — und was er nicht prüft
Der Brief fragt nicht:
Hat dieser Mensch die Wahrheit einmal gekannt?
Er fragt: Kommt er, und bringt er die Lehre des Christus nicht?Das Subjekt ist der Verführer, der ausgeht und zu den Gläubigen kommt.
Im Haus der auserwählten Frau war das Haus zugleich der Ort der Aufnahme wandernder Brüder.
Wer dort Nachtlager, Tisch und Gruss erhielt, erhielt eine Plattform und eine Empfehlung.
Der dritte Brief ist die Gegenseite:
solche, die um des Namens willen ausgegangen sind, soll man aufnehmen und als Mitarbeiter der Wahrheit weggeleiten
(3. Johannes 5–8).
Der zweite Brief verbietet genau diese Aufnahme, wenn die Lehre fehlt.Davids Gedanke hat dennoch einen Anhalt.
In 1. Johannes 2,19 heisst es: ἐξ ἡμῶν ἐξῆλθαν (ex hēmōn exēlthan)
— sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns.
Dort sind es Bekenner, die die Gemeinschaft verlassen haben
und nun den Vater und den Sohn leugnen (1. Johannes 2,22–23).
William Kelly liest 2. Johannes 7 in diesem Sinn:
die Verführer hatten unter den Bekennern gestanden und waren ausgezogen, um den Sohn zu leugnen.
Das erklärt die Schärfe.
Es engt das Gebot aber nicht ein.
Vers 10 nennt keine Vorbedingung der früheren Erkenntnis.
Die Bedingung ist das Kommen ohne die Lehre.Wer also die Wahrheit nie gekannt hat, fällt nicht aus dem Gebot heraus,
sobald er als Bote einer christusleugenden Lehre kommt.
Die Unwissenheit mildert die Schuld vor Gott nicht zum Freibrief für die Gemeinde.
Sie ändert den Auftrag des Briefes nicht.Die Zeugen Jehovas an dieser Stelle
Die Zeugen Jehovas sind nicht irgendwelche Irregeführten in einem Nebenthema.
Ihre öffentliche Lehre verneint, was 2. Johannes die Lehre des Christus nennt:
- Christus ist bei ihnen nicht der ewige Sohn, Gott von Gott, sondern ein geschaffenes Geistwesen,
mit Michael gleichgesetzt.- Das Kommen im Fleisch ist nicht das Kommen Gottes, offenbart im Fleisch (1. Timotheus 3,16),
sondern die Menschwerdung einer Kreatur.- Vater und Sohn werden so getrennt, dass gilt, was Vers 9 sagt:
wer nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht.- Ihr Hausbesuch ist kein privates Suchen.
Er ist das Ausgehen der Organisation, um diese Lehre zu bringen.
Das ist genau das ἔρχεται … καὶ ταύτην τὴν διδαχὴν οὐ φέρει (erchetai … kai tautēn tēn didachēn ou pherei).Dass viele von ihnen die Wahrheit nie gekannt haben, ist ernst zu nehmen.
Es macht sie nicht zu harmlosen Gästen.
Ein Verführter, der als Verführer kommt, wird nach seinem Kommen beurteilt, nicht nach seiner Biographie.
Die Tür, der Tisch und der Segensgruss wären dann Teilhabe an den Werken, κοινωνία (koinōnia)
mit dem, was Vers 11 πονηρά (ponēra) nennt, böse Werke.Was der Brief nicht sagt
Er sagt nicht, man müsse die Welt verlassen. 1. Korinther 5,9–10 unterscheidet:
kein Umgang mit einem Bruder, der in Sünde beharrt; sonst müsste man aus der Welt hinausgehen.
Ungläubige Nachbarn, Arbeitskollegen, Verwandte sind nicht der Gegenstand von 2. Johannes 10.Er sagt auch nicht, man dürfe den Verführten das Evangelium nicht sagen.
2. Timotheus 2,24–26: der Knecht des Herrn soll milde sein, die Widersacher in Sanftmut zurechtweisen,
ob Gott ihnen etwa Umkehr gebe zur Erkenntnis der Wahrheit.
Judas 22–23: der einen erbarmt euch, die anderen rettet mit Furcht, reisst sie aus dem Feuer.
Das ist Rettung, nicht Aufnahme als Lehrer und nicht der Gruss der Weggemeinschaft.Praktisch heisst das:
- Wer als Bote kommt und die Lehre des Christus nicht bringt, wird nicht ins Haus genommen und nicht mit dem Gruss der Gemeinschaft und des Geleitwunsches entlassen.
- Ein kurzes, klares Zeugnis an der Tür ist damit nicht verboten.
Verboten ist die Gastfreundschaft, die seine Sendung stützt, und der Gruss, der seine Werke mitträgt.- Wer unter ihnen als Einzelner zu hören beginnt und die Lehre der Organisation nicht mehr bringt,
ist ein anderer Fall.
Dann gilt nicht mehr Vers 10, sondern das Evangelium und, wo Umkehr und Glaube sind,
die Aufnahme in die Wahrheit.Kurz an David
Die Stelle meint nicht nur Abgefallene, die einmal erkannt hatten.
Sie meint jeden, der kommt und die Lehre des Christus nicht bringt.
Dass viele Zeugen Jehovas die Wahrheit nie gekannt haben,
macht sie zu Bemitleidenswerten und zu Menschen, denen man die Wahrheit sagen darf.
Es macht sie nicht zu Gästen.
Sobald sie als Boten einer Lehre kommen, die Jesus Christus im Fleisch kommend nicht bekennt,
steht 2. Johannes 10–11.
Der Gruss wäre dann nicht Höflichkeit, sondern Teilhabe.Auf bibelkreis.ch liegt der Brief selbst, dazu Kelly zum zweiten Johannesbrief und die Notizen
von Roger Liebi zu Philemon, 2. und 3. Johannes.
Der dritte Brief schützt davor, das Gebot auf alle Menschen auszudehnen:
die um des Namens willen ausgehen, soll man aufnehmen.
Die anderen nicht.
Die Frage trifft den Kern von 2. Johannes 7–11.
Der Massstab ist nicht die Vorgeschichte des Besuchers,
sondern die Lehre, die er bringt.
http://www.bibelkreis.ch — http://www.m316.ch
Die Frage
Du schreibt: Du habst gemeint, das Verbot in 2. Johannes gelte Menschen,
welche die Wahrheit kannten und sich von Gott abgewandt haben.
Es gelte doch nicht für Verführte wie die Zeugen Jehovas, weil viele von ihnen die Wahrheit nie gekannt hätten.
Beides muss auseinandergehalten werden. Deine Vermutung hat im johanneischen Zusammenhang einen Anhalt.
Sie ist aber nicht der Massstab des Briefes.
Der Wortlaut
Elberfelder 1905:
Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht Jesum Christum im Fleische kommend bekennen;
dies ist der Verführer und der Antichrist. …
Jeder, der weitergeht und nicht bleibt in der Lehre des Christus, hat Gott nicht;
wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn.
Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmet ihn nicht ins Haus auf
und grüßet ihn nicht.
Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken. (2. Johannes 7.9–11)
Griechisch, mit Umschrift:
- Vers 7: πολλοὶ πλάνοι ἐξῆλθον εἰς τὸν κόσμον (polloi planoi exēlthon eis ton kosmon)
— viele Verführer sind in die Welt ausgegangen. πλάνος (planos) ist der Irreführende, nicht bloss der Irrende. - οἱ μὴ ὁμολογοῦντες Ἰησοῦν Χριστὸν ἐρχόμενον ἐν σαρκί (hoi mē homologountes Iēsoun Christon erchomenon en sarki) — die nicht bekennen Jesus Christus, im Fleisch kommend.
Das Partizip ἐρχόμενον (erchomenon) steht im Präsens.
1. Johannes 4,2 hat dagegen das Perfekt ἐληλυθότα (elēlythota), „gekommen“.
Der zweite Brief trifft also das Bekenntnis zu Christus
als wahrhaftigem Menschen in seinem Kommen;
der erste Brief das bereits geschehene Kommen im Fleisch.
Beides wird von einer Lehre geleugnet, die den Sohn zu einem geschaffenen Geistwesen macht. - Vers 9: πᾶς ὁ προάγων καὶ μὴ μένων ἐν τῇ διδαχῇ τοῦ Χριστοῦ
(pas ho proagōn kai mē menōn en tē didachē tou Christou)
— jeder, der vorangeht und nicht bleibt in der Lehre des Christus. προάγων (proagōn) heisst:
über die empfangene Lehre hinausgehen. διδαχὴ τοῦ Χριστοῦ (didachē tou Christou)
ist hier die Lehre über Christus, über seine Person. - Vers 10:
εἴ τις ἔρχεται πρὸς ὑμᾶς καὶ ταύτην τὴν διδαχὴν οὐ φέρει (ei tis erchetai pros hymas kai tautēn tēn didachēn ou pherei)
— wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt. μὴ λαμβάνετε αὐτὸν εἰς οἰκίαν (mē lambanete auton eis oikian) — nehmt ihn nicht ins Haus. χαίρειν αὐτῷ μὴ λέγετε (chairein autō mē legete) — sagt ihm nicht „χαίρειν“ (chairein). - Vers 11: ὁ λέγων γὰρ αὐτῷ χαίρειν κοινωνεῖ τοῖς ἔργοις αὐτοῦ τοῖς πονηροῖς (ho legōn gar autō chairein koinōnei tois ergois autou tois ponērois)
— denn wer ihm χαίρειν sagt, hat Gemeinschaft mit seinen bösen Werken. κοινωνεῖ (koinōnei) ist Gemeinschaft, Teilhabe, nicht bloss höfliche Nähe.
χαίρειν (chairein) ist der antike Gruss der Begrüssung und des Geleitwunsches, etwa „sei gegrüsst“,
„es gehe dir wohl“. In Apostelgeschichte 15,23 und Jakobus 1,1 steht es als Briefeingang.
Es ist hier nicht das beiläufige Nicken auf der Strasse, sondern der Gruss,
der den Kommenden als Boten aufnimmt und ihm den Weg öffnet.
Was der Text prüft — und was er nicht prüft
Der Brief fragt nicht:
Hat dieser Mensch die Wahrheit einmal gekannt?
Er fragt: Kommt er, und bringt er die Lehre des Christus nicht?
Das Subjekt ist der Verführer, der ausgeht und zu den Gläubigen kommt.
Im Haus der auserwählten Frau war das Haus zugleich der Ort der Aufnahme wandernder Brüder.
Wer dort Nachtlager, Tisch und Gruss erhielt, erhielt eine Plattform und eine Empfehlung.
Der dritte Brief ist die Gegenseite:
solche, die um des Namens willen ausgegangen sind, soll man aufnehmen und als Mitarbeiter der Wahrheit weggeleiten
(3. Johannes 5–8).
Der zweite Brief verbietet genau diese Aufnahme, wenn die Lehre fehlt.
Davids Gedanke hat dennoch einen Anhalt.
In 1. Johannes 2,19 heisst es: ἐξ ἡμῶν ἐξῆλθαν (ex hēmōn exēlthan)
— sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns.
Dort sind es Bekenner, die die Gemeinschaft verlassen haben
und nun den Vater und den Sohn leugnen (1. Johannes 2,22–23).
William Kelly liest 2. Johannes 7 in diesem Sinn:
die Verführer hatten unter den Bekennern gestanden und waren ausgezogen, um den Sohn zu leugnen.
Das erklärt die Schärfe.
Es engt das Gebot aber nicht ein.
Vers 10 nennt keine Vorbedingung der früheren Erkenntnis.
Die Bedingung ist das Kommen ohne die Lehre.
Wer also die Wahrheit nie gekannt hat, fällt nicht aus dem Gebot heraus,
sobald er als Bote einer christusleugenden Lehre kommt.
Die Unwissenheit mildert die Schuld vor Gott nicht zum Freibrief für die Gemeinde.
Sie ändert den Auftrag des Briefes nicht.
Die Zeugen Jehovas an dieser Stelle
Die Zeugen Jehovas sind nicht irgendwelche Irregeführten in einem Nebenthema.
Ihre öffentliche Lehre verneint, was 2. Johannes die Lehre des Christus nennt:
- Christus ist bei ihnen nicht der ewige Sohn, Gott von Gott, sondern ein geschaffenes Geistwesen,
mit Michael gleichgesetzt. - Das Kommen im Fleisch ist nicht das Kommen Gottes, offenbart im Fleisch (1. Timotheus 3,16),
sondern die Menschwerdung einer Kreatur. - Vater und Sohn werden so getrennt, dass gilt, was Vers 9 sagt:
wer nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht. - Ihr Hausbesuch ist kein privates Suchen.
Er ist das Ausgehen der Organisation, um diese Lehre zu bringen.
Das ist genau das ἔρχεται … καὶ ταύτην τὴν διδαχὴν οὐ φέρει (erchetai … kai tautēn tēn didachēn ou pherei).
Dass viele von ihnen die Wahrheit nie gekannt haben, ist ernst zu nehmen.
Es macht sie nicht zu harmlosen Gästen.
Ein Verführter, der als Verführer kommt, wird nach seinem Kommen beurteilt, nicht nach seiner Biographie.
Die Tür, der Tisch und der Segensgruss wären dann Teilhabe an den Werken, κοινωνία (koinōnia)
mit dem, was Vers 11 πονηρά (ponēra) nennt, böse Werke.
Was der Brief nicht sagt
Er sagt nicht, man müsse die Welt verlassen. 1. Korinther 5,9–10 unterscheidet:
kein Umgang mit einem Bruder, der in Sünde beharrt; sonst müsste man aus der Welt hinausgehen.
Ungläubige Nachbarn, Arbeitskollegen, Verwandte sind nicht der Gegenstand von 2. Johannes 10.
Er sagt auch nicht, man dürfe den Verführten das Evangelium nicht sagen.
2. Timotheus 2,24–26: der Knecht des Herrn soll milde sein, die Widersacher in Sanftmut zurechtweisen,
ob Gott ihnen etwa Umkehr gebe zur Erkenntnis der Wahrheit.
Judas 22–23: der einen erbarmt euch, die anderen rettet mit Furcht, reisst sie aus dem Feuer.
Das ist Rettung, nicht Aufnahme als Lehrer und nicht der Gruss der Weggemeinschaft.
Praktisch heisst das:
- Wer als Bote kommt und die Lehre des Christus nicht bringt, wird nicht ins Haus genommen und nicht mit dem Gruss der Gemeinschaft und des Geleitwunsches entlassen.
- Ein kurzes, klares Zeugnis an der Tür ist damit nicht verboten.
Verboten ist die Gastfreundschaft, die seine Sendung stützt, und der Gruss, der seine Werke mitträgt. - Wer unter ihnen als Einzelner zu hören beginnt und die Lehre der Organisation nicht mehr bringt,
ist ein anderer Fall.
Dann gilt nicht mehr Vers 10, sondern das Evangelium und, wo Umkehr und Glaube sind,
die Aufnahme in die Wahrheit.
Kurz an David
Die Stelle meint nicht nur Abgefallene, die einmal erkannt hatten.
Sie meint jeden, der kommt und die Lehre des Christus nicht bringt.
Dass viele Zeugen Jehovas die Wahrheit nie gekannt haben,
macht sie zu Bemitleidenswerten und zu Menschen, denen man die Wahrheit sagen darf.
Es macht sie nicht zu Gästen.
Sobald sie als Boten einer Lehre kommen, die Jesus Christus im Fleisch kommend nicht bekennt,
steht 2. Johannes 10–11.
Der Gruss wäre dann nicht Höflichkeit, sondern Teilhabe.
Auf bibelkreis.ch liegt der Brief selbst, dazu Kelly zum zweiten Johannesbrief und die Notizen
von Roger Liebi zu Philemon, 2. und 3. Johannes.
Der dritte Brief schützt davor, das Gebot auf alle Menschen auszudehnen:
die um des Namens willen ausgehen, soll man aufnehmen.
Die anderen nicht.