3. Mose 1–16 ca. 10 Sätze pro Kapitel
Zitat von Hans Peter Wepf am 11. September 2026, 14:41 Uhr
Kapitelweise Übersicht zu 3. Mose 1–16
etwa zehn Sätze im Übertitel-Charakter,
mit hebräischen Leitworten in Umschrift,
Elberfelder-2023 und der Unterscheidung Israel unter dem Gesetz / GdHdG Gemeinde der Gnadenzeit.www.bibelkreis.ch — www.m316.ch
Inhalt je Kapitel:
- 1 Brandopfer (olah)
- 2 Speisopfer (mincha)
- 3 Friedensopfer (schelamim)
- 4 Sündopfer (chatta’t)
- 5 Schuld und Schuldopfer (ascham)
- 6 Altarfeuer und Priesteranteil
- 7 Abschluss der Opfergesetze, Fett und Blut
- 8 Weihe Aarons und seiner Söhne
- 9 Erster Dienst und Herrlichkeit Jahwe`s
- 10 Nadab und Abihu, fremdes Feuer (esch sara)
- 11 Reine und unreine Tiere (tahor / tame)
- 12 Reinigung nach der Geburt
- 13 Aussatz: priesterliche Beurteilung (tsaraat)
- 14 Reinigung des Aussätzigen und des Hauses
- 15 Ausflüsse und Lagerheiligkeit
- 16 Großer Versöhnungstag (jom hakippurim, kapporet, Azazel-Bock)
3. Mose 1–16
Kapitelweise Einleitung und Übersicht
Die folgenden Abschnitte geben zu jedem Kapitel von 3. Mose 1–16 eine knappe Einleitung im Charakter eines Übertitels. Sie folgen dem Wortlaut und der Ordnung der Schrift, nennen die hebräischen Leitworte in Umschrift und halten fest, dass diese Satzungen dem Volk Israel unter dem Gesetz gegeben sind. Typologische Hinweise auf Christus stehen unter der Voraussetzung, dass die Gemeinde der Gnadenzeit nicht unter die levitische Opfer- und Reinigungsordnung gestellt ist.
3. Mose 1 – Das Brandopfer (olah)
Kapitel 1 eröffnet den Opferkatalog mit dem Brandopfer, hebräisch olah, das „aufsteigende“ Opfer, das vollständig auf dem Altar verbrannt wird.
Der HERR redet zu Mose aus dem Zelt der Zusammenkunft und gibt damit zu erkennen, dass alle folgende Ordnung von seiner Gegenwart ausgeht, nicht von menschlicher Erfindung.
Das Brandopfer darf vom Rind, vom Kleinvieh oder von Vögeln dargebracht werden, je nach Vermögen des Darbringenden; Gott öffnet den Zugang auch dem Armen.
Das Tier muss männlich und ohne Fehl sein: ein Hinweis auf die geforderte Unversehrtheit dessen, der stellvertretend vor Gott tritt.
Der Darbringende legt seine Hand auf den Kopf des Tieres; damit wird die Identifikation und die stellvertretende Zuordnung vollzogen.
Das Blut wird ringsum an den Altar gesprengt; ohne Blutvergiessen gibt es keine Sühnung, wie später Hebräer 9,22 festhalten wird.
Haut und Eingeweide werden behandelt, das Ganze aber steigt als Feueropfer, ein lieblicher Geruch für Jahwe, empor.
Das Brandopfer betont nicht in erster Linie einzelne Verfehlungen, sondern die vollständige Hingabe und die Annahme des ganzen Lebens vor dem heiligen Gott.
Für Israel unter dem Gesetz ist dies der geordnete Weg der Annäherung an den im Heiligtum wohnenden Jahwe
Typologisch weist das vollständig verzehrte Opfer auf die restlose Hingabe Christi hin; die Gemeinde der Gnadenzeit steht nicht unter dieser Opferordnung, sondern im einmal dargebrachten Opfer.
3. Mose 2 – Das Speisopfer (mincha)
Kapitel 2 behandelt das Speisopfer, hebräisch mincha, ein Opfer ohne Blut, bestehend aus Feinmehl, Öl und Weihrauch.
Es ergänzt das Brandopfer und zeigt, dass nicht nur das Leben, sondern auch die Frucht der Arbeit und der tägliche Unterhalt Gott gehören.
Ein Teil wird als Gedächtnisanteil mit Weihrauch auf dem Altar verbrannt; der Rest fällt den Priestern zu als heiligste Speise.
Sauerteig und Honig sind vom Altar ausgeschlossen; Sauerteig steht in der Schrift oft für Durchsäuerung und Verderbnis, Honig für natürliche Süße ohne Prüfung durchs Feuer.
Salz darf nicht fehlen: der Bund Gottes mit Israel wird als Salzbund bezeichnet, beständig und bewahrend.
Das Speisopfer kann als Feinmehl, als gebackene Kuchen oder als Erstlingsähre dargebracht werden; die Form wechselt, der Grundsatz bleibt.
Öl und Weihrauch deuten auf Salbung und Anbetung hin; nichts soll vor Gott ohne diese Kennzeichen kommen.
Auch hier gilt: Gott nimmt das Darbringen des Geringen an, wenn es nach seiner Ordnung geschieht.
Das Kapitel lehrt Israel, dass Heiligkeit den Alltag, das Brot und den Acker umfasst, nicht nur den Schlachtalter.
Für die Gemeinde ist das Speisopfer kein nachzuahmendes Ritual, sondern ein Schatten der vollkommenen Hingabe und des ungesäuerten Wesens Christi.
3. Mose 3 – Das Friedens- oder Dankopfer (schelamim)
Kapitel 3 beschreibt das Friedensopfer, hebräisch sebach schelamim, das Opfer der Gemeinschaft und des Heilsfriedens.
Es darf männlich oder weiblich sein, vom Rind oder Kleinvieh, aber wiederum ohne Fehl.
Anders als beim Brandopfer wird nicht das Ganze verbrannt; Fett und bestimmte innere Teile gehören dem Jahwe, das Fleisch wird gegessen.
Das Blut wird ringsum an den Altar gesprengt; auch die Gemeinschaft mit Gott ruht auf Sühnung.
Das Fett, das als bester Teil gilt, darf nicht gegessen werden; es ist Jahwe heilig.
Dieses Opfer setzt voraus, dass der Friede bereits durch Blut begründet ist und nun in Mahlgemeinschaft gefeiert wird.
Es verbindet Altar, Priester und Darbringenden: Gott empfängt seinen Anteil, der Priester den seinen, das Volk isst vor Jahwe.
Damit wird sichtbar, dass wahre Gemeinschaft nicht auf Gefühl, sondern auf geordneter Sühnung und Heiligkeit beruht.
Für Israel ist das Friedensopfer Bundesmahl im Schatten des Heiligtums.
Es weist voraus auf die Gemeinschaft, die allein durch das Kreuz Christi eröffnet ist; die Gemeinde hat ihr Mahl nicht am levitischen Altar, sondern am Tisch des Herrn.
3. Mose 4 – Das Sündopfer (chatta’t)
Kapitel 4 führt das Sündopfer ein, hebräisch chatta’t, für unvorsätzliche Verfehlung, die dennoch Schuld vor Gott wirkt.
Vier Fälle werden unterschieden: der gesalbte Priester, die ganze Gemeinde, ein Fürst und einer aus dem Volk der Erde.
Je höher die Stellung, desto schwerer wiegt die Verfehlung und desto weiter reicht die Blutwirkung bis ins Heiligtum hinein.
Beim Priester und bei der ganzen Gemeinde wird Blut in das Heilige gebracht und siebenmal vor den Vorhang gesprengt; Hörner des Räucheraltars werden bestrichen.
Der Leib des Tieres wird ausserhalb des Lagers verbrannt; die Sünde wird hinausgeschafft, nicht im Lager behalten.
Beim Fürsten und beim Einzelnen bleibt das Blut am Brandopferaltar; der Priester isst vom Fleisch an heiliger Stätte.
Das Kapitel lehrt, dass Unwissenheit nicht unschuldig macht; Gottes Heiligkeit misst nicht nach menschlichem Empfinden.
Stellvertretung, Blut und Entfernung der Sünde stehen im Mittelpunkt.
Israel empfängt hier die göttliche Ordnung für den Umgang mit Schuld innerhalb des Lagers.
Hebräer 13 nimmt das Verbrennen ausserhalb des Lagers auf und deutet es auf Christus, der außerhalb des Tores gelitten hat; die Gemeinde lebt aus diesem einmaligen Opfer, nicht aus wiederholtem chatta’t.
3. Mose 5 – Schuld, Verheimlichung und das Schuldopfer (ascham)
Kapitel 5 schließt an das Sündopfer an und behandelt Fälle, in denen Schuld durch Verschweigen, Unreinheit oder unbedachten Schwur entsteht.
Wer als Zeuge schweigt, obwohl er es gehört oder gesehen hat, trägt seine Ungerechtigkeit.
Berührung von Unreinem oder ein unbedachtes Schwören machen schuldig, sobald es dem Betreffenden bewusst wird.
Dann soll er seine Sünde bekennen und das festgesetzte Opfer darbringen; Bekenntnis und Opfer gehören zusammen.
Für den Armen gelten Abstufungen bis hin zu einem Zehntel Epha Feinmehl, damit niemand vom Weg der Sühnung ausgeschlossen bleibt.
Im zweiten Teil erscheint das Schuldopfer, hebräisch ascham, besonders bei Veruntreuung am Heiligen des HERRN.
Zum Opfer tritt hier die Wiedergutmachung: das Entzogene plus ein Fünftel.
Sünde gegen das Heilige Gottes verlangt nicht nur Sühnung, sondern Wiederherstellung dessen, was Gott gehört.
Das Kapitel verbindet Gewissen, Bekenntnis, Opfer und Restitution.
Es gilt dem Volk Israel unter dem Gesetz; die Gemeinde kennt Vergebung und Wiederherstellung auf dem Boden des vollbrachten Werkes Christi, nicht durch levitische Abstufung.
3. Mose 6 – Fortsetzung der Opfergesetze und Priesteranteil
Kapitel 6 setzt die Bestimmungen fort und wendet sich stärker dem Priester zu, der die Opfer darbringt und davon lebt.
Zuerst wird der Fall der Veruntreuung am Nächsten behandelt: Leugnen, Raub, Unterschlagung Fundgutes.
Auch hier gilt Wiedergutmachung plus ein Fünftel und dazu das Schuldopfer; Unrecht gegen den Bruder ist Unrecht vor dem HERRN.
Dann folgen die ständigen Anweisungen für das Brandopfer: das Feuer auf dem Altar soll die ganze Nacht brennen und darf nicht erlöschen.
Der Priester legt jeden Morgen Holz nach und trägt die Asche an einen reinen Ort ausserhalb des Lagers.
Das Speisopfer der Priester bei ihrer Salbung darf nicht gegessen, sondern muss ganz verbrannt werden.
Vom Sündopfer gilt: wo Blut in das Heilige gebracht wurde, darf das Fleisch nicht gegessen, sondern muss verbrannt werden.
Heiligkeit teilt sich mit: was das Fleisch des Sündopfers berührt, wird heilig; das irdene Gefäß wird zerbrochen.
Das Kapitel zeigt den Alltag des Altars: ununterbrochenes Feuer, genaue Trennung, Priesterrecht und Priesterpflicht.
Für Israel ist dies Dienstordnung am irdischen Heiligtum; die Gemeinde hat keinen irdischen Altar mit ständigem Feuer, sondern den einmal vollendeten Dienst Christi.
3. Mose 7 – Abschluss der Opfergesetze, Fett und Blut
Kapitel 7 schließt den Opfertraktat mit weiteren Bestimmungen zum Schuldopfer, Dankopfer und zu den Anteilen der Priester.
Das Schuldopfer wird wie das Sündopfer behandelt; es ist hochheilig, und das Fleisch gehört dem Priester, der es darbringt.
Beim Dankopfer werden ungesäuerte und gesäuerte Brote genannt; ein Teil davon ist Hebopfer für den Priester.
Das Fleisch des Dankopfers muss am Tag der Darbringung gegessen werden; beim Gelübde oder Freiwilligenopfer gilt der zweite Tag, am dritten ist es unrein.
Wer Unreines an heiliges Fleisch bringt oder selbst unrein isst, wird ausgerottet aus seinen Völkern.
Fett von Rind, Schaf und Ziege darf nicht gegessen werden, und Blut darf überhaupt nicht gegessen werden, in allen Wohnungen Israels.
Die Brust als Webopfer und die rechte Keule als Hebopfer fallen Aaron und seinen Söhnen zu als ewige Gebühr.
Damit ist der Lebensunterhalt des Priestertums an den Altar gebunden: wer dem Heiligtum dient, lebt vom Heiligtum.
Das Kapitel bewahrt die Grenze zwischen heilig und gemein, zwischen dem Anteil Gottes, dem Anteil der Priester und dem Mahl des Volkes.
Diese Ordnung gilt dem irdischen Priestertum Aarons; das himmlische Priestertum Christi bedarf keiner Keule und keiner Brust vom Altar Israels.
3. Mose 8 – Die Weihe Aarons und seiner Söhne
Kapitel 8 berichtet die Ausführung dessen, was in 2. Mose 29 angeordnet war: die Weihe Aarons und seiner Söhne.
Die ganze Gemeinde wird an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft berufen; die Einsetzung geschieht öffentlich, nicht im Verborgenen.
Mose wäscht sie mit Wasser, bekleidet Aaron mit dem hohenpriesterlichen Gewand und salbt die Wohnung, den Altar und Aaron.
Das Salböl, hebräisch schemen hammischcha, heiligt Gerät und Person für den Dienst vor dem HERRN.
Ein Stier als Sündopfer, ein Widder als Brandopfer und der Widder der Füllung werden dargebracht.
Blut kommt an das rechte Ohrläppchen, den Daumen der rechten Hand und die große Zehe des rechten Fußes: Hören, Handeln und Wandel werden geweiht.
Sieben Tage bleiben Aaron und seine Söhne am Eingang des Zeltes; die Weihe ist nicht ein Augenblick, sondern eine gesetzte Zeit der Absonderung.
Alles geschieht, „wie Jahwe Mose geboten hatte“; Gehorsam gegen das Wort ist das Kennzeichen gültigen Dienstes.
Ohne diese Weihe darf niemand sich dem Altar nahen; Amt in Israel ist Gabe und Berufung, nicht Selbstermächtigung.
Das levitische Priestertum ist Schatten des einen Hohenpriesters nach der Ordnung Melchisedeks; die Gemeinde kennt kein Aaronitisches Weihe-Ritual.
3. Mose 9 – Der erste Dienst und die Herrlichkeit Jahwe`s
Kapitel 9 schildert den achten Tag, an dem Aaron zum ersten Mal selbst den Dienst vollzieht.
Für sich und für das Volk bringt er Sündopfer, Brandopfer und Friedensopfer dar; der neu eingesetzte Priester tritt nicht ohne Blut vor Gott.
Mose und Aaron gehen in das Zelt der Zusammenkunft, kommen heraus und segnen das Volk.
Dann erscheint die Herrlichkeit des HERRN dem ganzen Volk; Feuer geht vom HERRN aus und verzehrt das Brandopfer auf dem Altar.
Das Volk sieht es, jauchzt und fällt auf ihr Angesicht; Gottes Annahme wird sichtbar, nicht nur behauptet.
Damit bestätigt der HERR Wohnung, Altar, Priestertum und Opferordnung in einem Akt.
Der Segen folgt auf den gehorsamen Vollzug, nicht auf menschliche Begeisterung.
Kapitel 8 und 9 gehören zusammen: erst Weihe, dann Dienst, dann Erscheinung der Herrlichkeit.
Für Israel ist dies der feierliche Beginn des Kultus in der Wüste.
Die Gemeinde erwartet nicht Feuer auf einem irdischen Altar, sondern kennt die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi, 2. Korinther 4,6.
3. Mose 10 – Nadab und Abihu: fremdes Feuer
Kapitel 10 folgt unmittelbar auf die Herrlichkeit und zeigt die andere Seite derselben Heiligkeit.
Nadab und Abihu, Söhne Aarons, bringen fremdes Feuer dar, das Jahwe ihnen nicht geboten hatte, hebräisch esch sara.
Feuer geht vom HERRN aus und verzehrt sie; dasselbe Feuer, das das Opfer angenommen hat, richtet eigenmächtigen Dienst.
Mose deutet das Geschehen: An denen, die ihm nahen, will der HERR geheiligt und vor dem ganzen Volk verherrlicht werden.
Aaron schweigt; es gibt hier keine Verteidigung menschlicher Absicht gegen das offenbarte Wort.
Die Leichname werden ausserhalb des Lagers getragen; Eleasar und Ithamar treten an die Stelle der Getöteten.
Den Priestern wird verboten, Wein und starkes Getränk zu trinken, wenn sie in das Zelt gehen, um heilig und unheilig, rein und unrein zu unterscheiden.
Unterscheidung, hebräisch badal, ist Kern des priesterlichen Auftrags.
Mose zürnt, als das Sündopfer nicht gegessen wird; Aaron antwortet aus der Trauer des Tages, und Mose gibt sich zufrieden.
Das Kapitel warnt Israel und jede Zeit: Nähe zu Gott ist Gnade, aber niemals Spielraum für selbstgewählten Gottesdienst.
3. Mose 11 – Reine und unreine Tiere
Kapitel 11 beginnt den grossen Reinheitsteil und unterscheidet essbare und verbotene Tiere.
Auf dem Land gelten Wiederkäuen und gespaltene Hufe; im Wasser Flossen und Schuppen; unter den Vögeln und Kriechtieren gelten eigene Listen.
Der Grund der Unterscheidung liegt nicht in hygienischer Klugheit allein, sondern in der Heiligkeit des Bundesvolkes.
„Seid heilig, denn ich bin heilig“ schließt das Kapitel und gibt den Massstab an.
Berührung des Aases macht unrein bis zum Abend; Unreinheit ist ansteckend, Reinheit nicht von selbst.
Israel soll lernen, im Alltag zwischen rein und unrein zu scheiden, hebräisch tahor und tame.
Die Speiseordnung ist Bundeszeichen und Absonderung von den Völkern Kanaans.
Sie erzieht das Gewissen zur ständigen Achtsamkeit vor Jahwe der in ihrer Mitte wohnt.
Diese Satzungen gelten dem irdischen Volk Israel in seinem Land und Lager.
Apostelgeschichte 10 und der Brief an die Kolosser zeigen, dass die Gemeinde aus den Nationen nicht unter diese Speiseordnung gestellt ist, ohne damit 3. Mose aufzuheben.
3. Mose 12 – Reinigung nach der Geburt
Kapitel 12 ordnet die Unreinheit der Frau nach der Geburt eines Knaben oder eines Mädchens.
Bei einem Knaben dauert die erste Unreinheit sieben Tage, danach 33 Tage des Blutflusses der Reinigung; bei einem Mädchen verdoppelt sich die Zeit.
Am achten Tag wird der Knabe beschnitten; der Bund Abrahams bleibt in Kraft mitten in der Reinigungsordnung.
Solange die Tage der Reinigung währen, darf sie nichts Heiliges anrühren und nicht zum Heiligtum kommen.
Nach Ablauf bringt sie ein einjähriges Lamm als Brandopfer und eine junge Taube oder Turteltaube als Sündopfer.
Ist sie arm, genügen zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben; Lukas 2 zeigt, dass Maria und Josef diese arme Ordnung erfüllten.
Geburt ist Segen, aber sie geschieht in einer gefallenen Schöpfung; Unreinheit erinnert an den Zusammenhang von Leben, Blut und Sünde.
Das Sündopfer nach der Geburt lehrt, dass selbst der Anfang eines Lebens der Sühnung bedarf.
Die Ordnung schützt das Heiligtum und nimmt die Mutter nach festgesetzter Zeit wieder in die Gemeinschaft auf.
Sie gehört zum Gesetz Israels; die Gemeinde tauft und segnet nicht nach den Fristen von 3. Mose 12.
3. Mose 13 – Aussatz: Beurteilung durch den Priester
Kapitel 13 gibt dem Priester die Aufgabe, Aussatz, hebräisch tsaraat, an Haut, Kleid und Hauszeichen zu beurteilen.
Nicht jede Stelle ist Aussatz; der Priester sieht, schliesst ein, wartet sieben Tage und sieht wieder.
Weiße Haare, tiefliegendes Mal, Ausbreitung und lebendiges Fleisch sind Kennzeichen; Heilung zeigt sich am Zurückweichen.
Der Erklärte ist unrein, trägt zerrissene Kleider, lässt das Haupthaar lose, verhüllt den Bart und ruft: Unrein, unrein!
Er wohnt allein ausserhalb des Lagers; Unreinheit isoliert von der Gegenwart Gottes inmitten des Volkes.
Auch am Gewand kann tsaraat erscheinen; befallene Stoffe werden gewaschen, ausgetrennt oder verbrannt.
Der Priester ist nicht Arzt im neuzeitlichen Sinn, sondern Wächter der Heiligkeit des Lagers.
Geduld, genaue Prüfung und das Wort Gottes leiten das Urteil, nicht voreilige Erklärung.
Aussatz wird in der Schrift oft zum Bild tiefgreifender Verderbnis, die sich ausbreitet, wenn sie nicht gerichtet wird.
Die Ordnung gilt Israel am Heiligtum; die Gemeinde übt Zucht nach den Briefen, nicht nach der Diagnose von 3. Mose 13.
3. Mose 14 – Reinigung des Aussätzigen und des Hauses
Kapitel 14 beschreibt nicht die Heilung selbst, sondern die göttliche Ordnung der Wiederaufnahme nach der Heilung.
Der Priester geht zu dem, der ausserhalb des Lagers ist; die Bewegung geht vom Heiligtum zum Ausgeschlossenen.
Zwei lebendige reine Vögel, Zedernholz, Karmesin und Ysop dienen dem ersten Ritus: der eine Vogel wird geschlachtet, der andere mit Blut besprengt und lebendig frei gelassen.
Sieben Tage der Prüfung folgen, Haar wird geschoren, Kleider gewaschen; am achten Tag stehen Brand-, Sünd-, Schuld- und Speisopfer.
Blut und Öl kommen an Ohr, Daumen und Zehe des gereinigten Mannes: derselbe Ort wie bei der Priesterweihe, nun zur Wiederherstellung.
Für den Armen gilt wiederum eine erleichterte Ordnung; Gott verschließt den Weg der Reinigung nicht.
Danach folgen die Gesetze über tsaraat am Haus im Land Kanaan: der Priester besichtigt, räumt aus, schließt zu, bricht Steine aus oder reißt das Haus nieder.
Selbst die Wohnung im verheissenen Land unterliegt der Heiligkeit des HERRN.
Reinigung ist Gnade nach Gericht und Prüfung; Rückkehr ins Lager geschieht nur auf dem von Gott bestimmten Weg.
Die zwei Vögel und das freie Entlassen sind starkes Bild von Tod und Leben; ihre Erfüllung liegt nicht im Ritus, sondern in Christus.
3. Mose 15 – Ausflüsse und alltägliche Unreinheit
Kapitel 15 behandelt Unreinheit durch Ausflüsse des Mannes und der Frau, krankhaft und regelmäßig.
Alles, worauf der mit Fluss Behaftete liegt oder sitzt, wird unrein; Unreinheit überträgt sich durch Berührung.
Nach der Heilung wartet er sieben Tage, wäscht Kleider und Leib und bringt am achten Tag zwei Turteltauben oder junge Tauben.
Auch der Samenerguss macht unrein bis zum Abend; Heiligkeit gilt dem Eheleben nicht weniger als dem Altar.
Die Frau ist in ihrer Zeit unrein sieben Tage; wer sie berührt, wird unrein bis zum Abend.
Bei längerem Blutfluss gelten dieselben Grundsätze wie beim Mann: Absonderung, Waschung, Opfer nach der Reinigung.
Ziel des Kapitels ist ausdrücklich, dass die Kinder Israel nicht in ihrer Unreinheit sterben, indem sie die Wohnung Jahwe`s verunreinigen.
Gott wohnt in ihrer Mitte; darum darf der Alltag das Heiligtum nicht unbeachtet lassen.
Scham, Leiblichkeit und Gottesgegenwart werden nicht getrennt, sondern unter das Wort gestellt.
Diese Satzungen formen Israels Lagerheiligkeit; die Gemeinde wird zur Heiligkeit des Leibes als Tempel des Heiligen Geistes ermahnt, ohne die Riten von Kapitel 15 zu wiederholen.
3. Mose 16 – Der grosse Versöhnungstag (jom hakippurim)
Kapitel 16 ist Höhepunkt und Mitte des ersten Buchteils: der grosse Versöhnungstag, hebräisch jom hakippurim.
Anlass ist der Tod der Söhne Aarons; Aaron darf nicht zu jeder Zeit hinter den Vorhang treten, damit er nicht sterbe.
Nur einmal im Jahr, am zehnten Tag des siebten Monats, geht der Hohepriester mit dem Blut eines Jungstieres für sich und sein Haus ins Allerheiligste.
Zwei Ziegenböcke werden für das Volk genommen: einer für den HERRN, dessen Blut auf und vor den Deckel, hebräisch kapporet, gesprengt wird.
Der zweite Bock, der Azazel-Bock, trägt bekenntnismässig alle Ungerechtigkeiten Israels in eine einsame Gegend; er kommt nicht zurück.
Rauchwerk umhüllt den Deckel, damit Aaron nicht sterbe; selbst der Hohepriester naht nur unter Wolke und Blut.
An diesem Tag soll ihr eure Seelen demütigen und keinerlei Arbeit tun: es ist Ruhe und Umkehr vor dem HERRN.
Sühnung ergeht für das Heiligtum, das Zelt, den Altar, die Priester und die ganze Versammlung Israels.
Damit wird offenbar, dass alle vorangegangenen Opfer den Zugang hinter den Vorhang nicht täglich öffnen; nur dieser eine Tag tut es, und auch er jährlich wiederholt.
Hebräer 9–10 deutet den Tag auf das einmalige Eingehen Christi mit seinem eigenen Blut in das wahre Heiligtum; die Gemeinde lebt nicht vom jährlichen jom hakippurim, sondern von dem vollendeten Werk des einen Mittlers.

Kapitelweise Übersicht zu 3. Mose 1–16
etwa zehn Sätze im Übertitel-Charakter,
mit hebräischen Leitworten in Umschrift,
Elberfelder-2023 und der Unterscheidung Israel unter dem Gesetz / GdHdG Gemeinde der Gnadenzeit.
http://www.bibelkreis.ch — http://www.m316.ch
Inhalt je Kapitel:
- 1 Brandopfer (olah)
- 2 Speisopfer (mincha)
- 3 Friedensopfer (schelamim)
- 4 Sündopfer (chatta’t)
- 5 Schuld und Schuldopfer (ascham)
- 6 Altarfeuer und Priesteranteil
- 7 Abschluss der Opfergesetze, Fett und Blut
- 8 Weihe Aarons und seiner Söhne
- 9 Erster Dienst und Herrlichkeit Jahwe`s
- 10 Nadab und Abihu, fremdes Feuer (esch sara)
- 11 Reine und unreine Tiere (tahor / tame)
- 12 Reinigung nach der Geburt
- 13 Aussatz: priesterliche Beurteilung (tsaraat)
- 14 Reinigung des Aussätzigen und des Hauses
- 15 Ausflüsse und Lagerheiligkeit
- 16 Großer Versöhnungstag (jom hakippurim, kapporet, Azazel-Bock)
3. Mose 1–16
Kapitelweise Einleitung und Übersicht
Die folgenden Abschnitte geben zu jedem Kapitel von 3. Mose 1–16 eine knappe Einleitung im Charakter eines Übertitels. Sie folgen dem Wortlaut und der Ordnung der Schrift, nennen die hebräischen Leitworte in Umschrift und halten fest, dass diese Satzungen dem Volk Israel unter dem Gesetz gegeben sind. Typologische Hinweise auf Christus stehen unter der Voraussetzung, dass die Gemeinde der Gnadenzeit nicht unter die levitische Opfer- und Reinigungsordnung gestellt ist.
3. Mose 1 – Das Brandopfer (olah)
Kapitel 1 eröffnet den Opferkatalog mit dem Brandopfer, hebräisch olah, das „aufsteigende“ Opfer, das vollständig auf dem Altar verbrannt wird.
Der HERR redet zu Mose aus dem Zelt der Zusammenkunft und gibt damit zu erkennen, dass alle folgende Ordnung von seiner Gegenwart ausgeht, nicht von menschlicher Erfindung.
Das Brandopfer darf vom Rind, vom Kleinvieh oder von Vögeln dargebracht werden, je nach Vermögen des Darbringenden; Gott öffnet den Zugang auch dem Armen.
Das Tier muss männlich und ohne Fehl sein: ein Hinweis auf die geforderte Unversehrtheit dessen, der stellvertretend vor Gott tritt.
Der Darbringende legt seine Hand auf den Kopf des Tieres; damit wird die Identifikation und die stellvertretende Zuordnung vollzogen.
Das Blut wird ringsum an den Altar gesprengt; ohne Blutvergiessen gibt es keine Sühnung, wie später Hebräer 9,22 festhalten wird.
Haut und Eingeweide werden behandelt, das Ganze aber steigt als Feueropfer, ein lieblicher Geruch für Jahwe, empor.
Das Brandopfer betont nicht in erster Linie einzelne Verfehlungen, sondern die vollständige Hingabe und die Annahme des ganzen Lebens vor dem heiligen Gott.
Für Israel unter dem Gesetz ist dies der geordnete Weg der Annäherung an den im Heiligtum wohnenden Jahwe
Typologisch weist das vollständig verzehrte Opfer auf die restlose Hingabe Christi hin; die Gemeinde der Gnadenzeit steht nicht unter dieser Opferordnung, sondern im einmal dargebrachten Opfer.
3. Mose 2 – Das Speisopfer (mincha)
Kapitel 2 behandelt das Speisopfer, hebräisch mincha, ein Opfer ohne Blut, bestehend aus Feinmehl, Öl und Weihrauch.
Es ergänzt das Brandopfer und zeigt, dass nicht nur das Leben, sondern auch die Frucht der Arbeit und der tägliche Unterhalt Gott gehören.
Ein Teil wird als Gedächtnisanteil mit Weihrauch auf dem Altar verbrannt; der Rest fällt den Priestern zu als heiligste Speise.
Sauerteig und Honig sind vom Altar ausgeschlossen; Sauerteig steht in der Schrift oft für Durchsäuerung und Verderbnis, Honig für natürliche Süße ohne Prüfung durchs Feuer.
Salz darf nicht fehlen: der Bund Gottes mit Israel wird als Salzbund bezeichnet, beständig und bewahrend.
Das Speisopfer kann als Feinmehl, als gebackene Kuchen oder als Erstlingsähre dargebracht werden; die Form wechselt, der Grundsatz bleibt.
Öl und Weihrauch deuten auf Salbung und Anbetung hin; nichts soll vor Gott ohne diese Kennzeichen kommen.
Auch hier gilt: Gott nimmt das Darbringen des Geringen an, wenn es nach seiner Ordnung geschieht.
Das Kapitel lehrt Israel, dass Heiligkeit den Alltag, das Brot und den Acker umfasst, nicht nur den Schlachtalter.
Für die Gemeinde ist das Speisopfer kein nachzuahmendes Ritual, sondern ein Schatten der vollkommenen Hingabe und des ungesäuerten Wesens Christi.
3. Mose 3 – Das Friedens- oder Dankopfer (schelamim)
Kapitel 3 beschreibt das Friedensopfer, hebräisch sebach schelamim, das Opfer der Gemeinschaft und des Heilsfriedens.
Es darf männlich oder weiblich sein, vom Rind oder Kleinvieh, aber wiederum ohne Fehl.
Anders als beim Brandopfer wird nicht das Ganze verbrannt; Fett und bestimmte innere Teile gehören dem Jahwe, das Fleisch wird gegessen.
Das Blut wird ringsum an den Altar gesprengt; auch die Gemeinschaft mit Gott ruht auf Sühnung.
Das Fett, das als bester Teil gilt, darf nicht gegessen werden; es ist Jahwe heilig.
Dieses Opfer setzt voraus, dass der Friede bereits durch Blut begründet ist und nun in Mahlgemeinschaft gefeiert wird.
Es verbindet Altar, Priester und Darbringenden: Gott empfängt seinen Anteil, der Priester den seinen, das Volk isst vor Jahwe.
Damit wird sichtbar, dass wahre Gemeinschaft nicht auf Gefühl, sondern auf geordneter Sühnung und Heiligkeit beruht.
Für Israel ist das Friedensopfer Bundesmahl im Schatten des Heiligtums.
Es weist voraus auf die Gemeinschaft, die allein durch das Kreuz Christi eröffnet ist; die Gemeinde hat ihr Mahl nicht am levitischen Altar, sondern am Tisch des Herrn.
3. Mose 4 – Das Sündopfer (chatta’t)
Kapitel 4 führt das Sündopfer ein, hebräisch chatta’t, für unvorsätzliche Verfehlung, die dennoch Schuld vor Gott wirkt.
Vier Fälle werden unterschieden: der gesalbte Priester, die ganze Gemeinde, ein Fürst und einer aus dem Volk der Erde.
Je höher die Stellung, desto schwerer wiegt die Verfehlung und desto weiter reicht die Blutwirkung bis ins Heiligtum hinein.
Beim Priester und bei der ganzen Gemeinde wird Blut in das Heilige gebracht und siebenmal vor den Vorhang gesprengt; Hörner des Räucheraltars werden bestrichen.
Der Leib des Tieres wird ausserhalb des Lagers verbrannt; die Sünde wird hinausgeschafft, nicht im Lager behalten.
Beim Fürsten und beim Einzelnen bleibt das Blut am Brandopferaltar; der Priester isst vom Fleisch an heiliger Stätte.
Das Kapitel lehrt, dass Unwissenheit nicht unschuldig macht; Gottes Heiligkeit misst nicht nach menschlichem Empfinden.
Stellvertretung, Blut und Entfernung der Sünde stehen im Mittelpunkt.
Israel empfängt hier die göttliche Ordnung für den Umgang mit Schuld innerhalb des Lagers.
Hebräer 13 nimmt das Verbrennen ausserhalb des Lagers auf und deutet es auf Christus, der außerhalb des Tores gelitten hat; die Gemeinde lebt aus diesem einmaligen Opfer, nicht aus wiederholtem chatta’t.
3. Mose 5 – Schuld, Verheimlichung und das Schuldopfer (ascham)
Kapitel 5 schließt an das Sündopfer an und behandelt Fälle, in denen Schuld durch Verschweigen, Unreinheit oder unbedachten Schwur entsteht.
Wer als Zeuge schweigt, obwohl er es gehört oder gesehen hat, trägt seine Ungerechtigkeit.
Berührung von Unreinem oder ein unbedachtes Schwören machen schuldig, sobald es dem Betreffenden bewusst wird.
Dann soll er seine Sünde bekennen und das festgesetzte Opfer darbringen; Bekenntnis und Opfer gehören zusammen.
Für den Armen gelten Abstufungen bis hin zu einem Zehntel Epha Feinmehl, damit niemand vom Weg der Sühnung ausgeschlossen bleibt.
Im zweiten Teil erscheint das Schuldopfer, hebräisch ascham, besonders bei Veruntreuung am Heiligen des HERRN.
Zum Opfer tritt hier die Wiedergutmachung: das Entzogene plus ein Fünftel.
Sünde gegen das Heilige Gottes verlangt nicht nur Sühnung, sondern Wiederherstellung dessen, was Gott gehört.
Das Kapitel verbindet Gewissen, Bekenntnis, Opfer und Restitution.
Es gilt dem Volk Israel unter dem Gesetz; die Gemeinde kennt Vergebung und Wiederherstellung auf dem Boden des vollbrachten Werkes Christi, nicht durch levitische Abstufung.
3. Mose 6 – Fortsetzung der Opfergesetze und Priesteranteil
Kapitel 6 setzt die Bestimmungen fort und wendet sich stärker dem Priester zu, der die Opfer darbringt und davon lebt.
Zuerst wird der Fall der Veruntreuung am Nächsten behandelt: Leugnen, Raub, Unterschlagung Fundgutes.
Auch hier gilt Wiedergutmachung plus ein Fünftel und dazu das Schuldopfer; Unrecht gegen den Bruder ist Unrecht vor dem HERRN.
Dann folgen die ständigen Anweisungen für das Brandopfer: das Feuer auf dem Altar soll die ganze Nacht brennen und darf nicht erlöschen.
Der Priester legt jeden Morgen Holz nach und trägt die Asche an einen reinen Ort ausserhalb des Lagers.
Das Speisopfer der Priester bei ihrer Salbung darf nicht gegessen, sondern muss ganz verbrannt werden.
Vom Sündopfer gilt: wo Blut in das Heilige gebracht wurde, darf das Fleisch nicht gegessen, sondern muss verbrannt werden.
Heiligkeit teilt sich mit: was das Fleisch des Sündopfers berührt, wird heilig; das irdene Gefäß wird zerbrochen.
Das Kapitel zeigt den Alltag des Altars: ununterbrochenes Feuer, genaue Trennung, Priesterrecht und Priesterpflicht.
Für Israel ist dies Dienstordnung am irdischen Heiligtum; die Gemeinde hat keinen irdischen Altar mit ständigem Feuer, sondern den einmal vollendeten Dienst Christi.
3. Mose 7 – Abschluss der Opfergesetze, Fett und Blut
Kapitel 7 schließt den Opfertraktat mit weiteren Bestimmungen zum Schuldopfer, Dankopfer und zu den Anteilen der Priester.
Das Schuldopfer wird wie das Sündopfer behandelt; es ist hochheilig, und das Fleisch gehört dem Priester, der es darbringt.
Beim Dankopfer werden ungesäuerte und gesäuerte Brote genannt; ein Teil davon ist Hebopfer für den Priester.
Das Fleisch des Dankopfers muss am Tag der Darbringung gegessen werden; beim Gelübde oder Freiwilligenopfer gilt der zweite Tag, am dritten ist es unrein.
Wer Unreines an heiliges Fleisch bringt oder selbst unrein isst, wird ausgerottet aus seinen Völkern.
Fett von Rind, Schaf und Ziege darf nicht gegessen werden, und Blut darf überhaupt nicht gegessen werden, in allen Wohnungen Israels.
Die Brust als Webopfer und die rechte Keule als Hebopfer fallen Aaron und seinen Söhnen zu als ewige Gebühr.
Damit ist der Lebensunterhalt des Priestertums an den Altar gebunden: wer dem Heiligtum dient, lebt vom Heiligtum.
Das Kapitel bewahrt die Grenze zwischen heilig und gemein, zwischen dem Anteil Gottes, dem Anteil der Priester und dem Mahl des Volkes.
Diese Ordnung gilt dem irdischen Priestertum Aarons; das himmlische Priestertum Christi bedarf keiner Keule und keiner Brust vom Altar Israels.
3. Mose 8 – Die Weihe Aarons und seiner Söhne
Kapitel 8 berichtet die Ausführung dessen, was in 2. Mose 29 angeordnet war: die Weihe Aarons und seiner Söhne.
Die ganze Gemeinde wird an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft berufen; die Einsetzung geschieht öffentlich, nicht im Verborgenen.
Mose wäscht sie mit Wasser, bekleidet Aaron mit dem hohenpriesterlichen Gewand und salbt die Wohnung, den Altar und Aaron.
Das Salböl, hebräisch schemen hammischcha, heiligt Gerät und Person für den Dienst vor dem HERRN.
Ein Stier als Sündopfer, ein Widder als Brandopfer und der Widder der Füllung werden dargebracht.
Blut kommt an das rechte Ohrläppchen, den Daumen der rechten Hand und die große Zehe des rechten Fußes: Hören, Handeln und Wandel werden geweiht.
Sieben Tage bleiben Aaron und seine Söhne am Eingang des Zeltes; die Weihe ist nicht ein Augenblick, sondern eine gesetzte Zeit der Absonderung.
Alles geschieht, „wie Jahwe Mose geboten hatte“; Gehorsam gegen das Wort ist das Kennzeichen gültigen Dienstes.
Ohne diese Weihe darf niemand sich dem Altar nahen; Amt in Israel ist Gabe und Berufung, nicht Selbstermächtigung.
Das levitische Priestertum ist Schatten des einen Hohenpriesters nach der Ordnung Melchisedeks; die Gemeinde kennt kein Aaronitisches Weihe-Ritual.
3. Mose 9 – Der erste Dienst und die Herrlichkeit Jahwe`s
Kapitel 9 schildert den achten Tag, an dem Aaron zum ersten Mal selbst den Dienst vollzieht.
Für sich und für das Volk bringt er Sündopfer, Brandopfer und Friedensopfer dar; der neu eingesetzte Priester tritt nicht ohne Blut vor Gott.
Mose und Aaron gehen in das Zelt der Zusammenkunft, kommen heraus und segnen das Volk.
Dann erscheint die Herrlichkeit des HERRN dem ganzen Volk; Feuer geht vom HERRN aus und verzehrt das Brandopfer auf dem Altar.
Das Volk sieht es, jauchzt und fällt auf ihr Angesicht; Gottes Annahme wird sichtbar, nicht nur behauptet.
Damit bestätigt der HERR Wohnung, Altar, Priestertum und Opferordnung in einem Akt.
Der Segen folgt auf den gehorsamen Vollzug, nicht auf menschliche Begeisterung.
Kapitel 8 und 9 gehören zusammen: erst Weihe, dann Dienst, dann Erscheinung der Herrlichkeit.
Für Israel ist dies der feierliche Beginn des Kultus in der Wüste.
Die Gemeinde erwartet nicht Feuer auf einem irdischen Altar, sondern kennt die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi, 2. Korinther 4,6.
3. Mose 10 – Nadab und Abihu: fremdes Feuer
Kapitel 10 folgt unmittelbar auf die Herrlichkeit und zeigt die andere Seite derselben Heiligkeit.
Nadab und Abihu, Söhne Aarons, bringen fremdes Feuer dar, das Jahwe ihnen nicht geboten hatte, hebräisch esch sara.
Feuer geht vom HERRN aus und verzehrt sie; dasselbe Feuer, das das Opfer angenommen hat, richtet eigenmächtigen Dienst.
Mose deutet das Geschehen: An denen, die ihm nahen, will der HERR geheiligt und vor dem ganzen Volk verherrlicht werden.
Aaron schweigt; es gibt hier keine Verteidigung menschlicher Absicht gegen das offenbarte Wort.
Die Leichname werden ausserhalb des Lagers getragen; Eleasar und Ithamar treten an die Stelle der Getöteten.
Den Priestern wird verboten, Wein und starkes Getränk zu trinken, wenn sie in das Zelt gehen, um heilig und unheilig, rein und unrein zu unterscheiden.
Unterscheidung, hebräisch badal, ist Kern des priesterlichen Auftrags.
Mose zürnt, als das Sündopfer nicht gegessen wird; Aaron antwortet aus der Trauer des Tages, und Mose gibt sich zufrieden.
Das Kapitel warnt Israel und jede Zeit: Nähe zu Gott ist Gnade, aber niemals Spielraum für selbstgewählten Gottesdienst.
3. Mose 11 – Reine und unreine Tiere
Kapitel 11 beginnt den grossen Reinheitsteil und unterscheidet essbare und verbotene Tiere.
Auf dem Land gelten Wiederkäuen und gespaltene Hufe; im Wasser Flossen und Schuppen; unter den Vögeln und Kriechtieren gelten eigene Listen.
Der Grund der Unterscheidung liegt nicht in hygienischer Klugheit allein, sondern in der Heiligkeit des Bundesvolkes.
„Seid heilig, denn ich bin heilig“ schließt das Kapitel und gibt den Massstab an.
Berührung des Aases macht unrein bis zum Abend; Unreinheit ist ansteckend, Reinheit nicht von selbst.
Israel soll lernen, im Alltag zwischen rein und unrein zu scheiden, hebräisch tahor und tame.
Die Speiseordnung ist Bundeszeichen und Absonderung von den Völkern Kanaans.
Sie erzieht das Gewissen zur ständigen Achtsamkeit vor Jahwe der in ihrer Mitte wohnt.
Diese Satzungen gelten dem irdischen Volk Israel in seinem Land und Lager.
Apostelgeschichte 10 und der Brief an die Kolosser zeigen, dass die Gemeinde aus den Nationen nicht unter diese Speiseordnung gestellt ist, ohne damit 3. Mose aufzuheben.
3. Mose 12 – Reinigung nach der Geburt
Kapitel 12 ordnet die Unreinheit der Frau nach der Geburt eines Knaben oder eines Mädchens.
Bei einem Knaben dauert die erste Unreinheit sieben Tage, danach 33 Tage des Blutflusses der Reinigung; bei einem Mädchen verdoppelt sich die Zeit.
Am achten Tag wird der Knabe beschnitten; der Bund Abrahams bleibt in Kraft mitten in der Reinigungsordnung.
Solange die Tage der Reinigung währen, darf sie nichts Heiliges anrühren und nicht zum Heiligtum kommen.
Nach Ablauf bringt sie ein einjähriges Lamm als Brandopfer und eine junge Taube oder Turteltaube als Sündopfer.
Ist sie arm, genügen zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben; Lukas 2 zeigt, dass Maria und Josef diese arme Ordnung erfüllten.
Geburt ist Segen, aber sie geschieht in einer gefallenen Schöpfung; Unreinheit erinnert an den Zusammenhang von Leben, Blut und Sünde.
Das Sündopfer nach der Geburt lehrt, dass selbst der Anfang eines Lebens der Sühnung bedarf.
Die Ordnung schützt das Heiligtum und nimmt die Mutter nach festgesetzter Zeit wieder in die Gemeinschaft auf.
Sie gehört zum Gesetz Israels; die Gemeinde tauft und segnet nicht nach den Fristen von 3. Mose 12.
3. Mose 13 – Aussatz: Beurteilung durch den Priester
Kapitel 13 gibt dem Priester die Aufgabe, Aussatz, hebräisch tsaraat, an Haut, Kleid und Hauszeichen zu beurteilen.
Nicht jede Stelle ist Aussatz; der Priester sieht, schliesst ein, wartet sieben Tage und sieht wieder.
Weiße Haare, tiefliegendes Mal, Ausbreitung und lebendiges Fleisch sind Kennzeichen; Heilung zeigt sich am Zurückweichen.
Der Erklärte ist unrein, trägt zerrissene Kleider, lässt das Haupthaar lose, verhüllt den Bart und ruft: Unrein, unrein!
Er wohnt allein ausserhalb des Lagers; Unreinheit isoliert von der Gegenwart Gottes inmitten des Volkes.
Auch am Gewand kann tsaraat erscheinen; befallene Stoffe werden gewaschen, ausgetrennt oder verbrannt.
Der Priester ist nicht Arzt im neuzeitlichen Sinn, sondern Wächter der Heiligkeit des Lagers.
Geduld, genaue Prüfung und das Wort Gottes leiten das Urteil, nicht voreilige Erklärung.
Aussatz wird in der Schrift oft zum Bild tiefgreifender Verderbnis, die sich ausbreitet, wenn sie nicht gerichtet wird.
Die Ordnung gilt Israel am Heiligtum; die Gemeinde übt Zucht nach den Briefen, nicht nach der Diagnose von 3. Mose 13.
3. Mose 14 – Reinigung des Aussätzigen und des Hauses
Kapitel 14 beschreibt nicht die Heilung selbst, sondern die göttliche Ordnung der Wiederaufnahme nach der Heilung.
Der Priester geht zu dem, der ausserhalb des Lagers ist; die Bewegung geht vom Heiligtum zum Ausgeschlossenen.
Zwei lebendige reine Vögel, Zedernholz, Karmesin und Ysop dienen dem ersten Ritus: der eine Vogel wird geschlachtet, der andere mit Blut besprengt und lebendig frei gelassen.
Sieben Tage der Prüfung folgen, Haar wird geschoren, Kleider gewaschen; am achten Tag stehen Brand-, Sünd-, Schuld- und Speisopfer.
Blut und Öl kommen an Ohr, Daumen und Zehe des gereinigten Mannes: derselbe Ort wie bei der Priesterweihe, nun zur Wiederherstellung.
Für den Armen gilt wiederum eine erleichterte Ordnung; Gott verschließt den Weg der Reinigung nicht.
Danach folgen die Gesetze über tsaraat am Haus im Land Kanaan: der Priester besichtigt, räumt aus, schließt zu, bricht Steine aus oder reißt das Haus nieder.
Selbst die Wohnung im verheissenen Land unterliegt der Heiligkeit des HERRN.
Reinigung ist Gnade nach Gericht und Prüfung; Rückkehr ins Lager geschieht nur auf dem von Gott bestimmten Weg.
Die zwei Vögel und das freie Entlassen sind starkes Bild von Tod und Leben; ihre Erfüllung liegt nicht im Ritus, sondern in Christus.
3. Mose 15 – Ausflüsse und alltägliche Unreinheit
Kapitel 15 behandelt Unreinheit durch Ausflüsse des Mannes und der Frau, krankhaft und regelmäßig.
Alles, worauf der mit Fluss Behaftete liegt oder sitzt, wird unrein; Unreinheit überträgt sich durch Berührung.
Nach der Heilung wartet er sieben Tage, wäscht Kleider und Leib und bringt am achten Tag zwei Turteltauben oder junge Tauben.
Auch der Samenerguss macht unrein bis zum Abend; Heiligkeit gilt dem Eheleben nicht weniger als dem Altar.
Die Frau ist in ihrer Zeit unrein sieben Tage; wer sie berührt, wird unrein bis zum Abend.
Bei längerem Blutfluss gelten dieselben Grundsätze wie beim Mann: Absonderung, Waschung, Opfer nach der Reinigung.
Ziel des Kapitels ist ausdrücklich, dass die Kinder Israel nicht in ihrer Unreinheit sterben, indem sie die Wohnung Jahwe`s verunreinigen.
Gott wohnt in ihrer Mitte; darum darf der Alltag das Heiligtum nicht unbeachtet lassen.
Scham, Leiblichkeit und Gottesgegenwart werden nicht getrennt, sondern unter das Wort gestellt.
Diese Satzungen formen Israels Lagerheiligkeit; die Gemeinde wird zur Heiligkeit des Leibes als Tempel des Heiligen Geistes ermahnt, ohne die Riten von Kapitel 15 zu wiederholen.
3. Mose 16 – Der grosse Versöhnungstag (jom hakippurim)
Kapitel 16 ist Höhepunkt und Mitte des ersten Buchteils: der grosse Versöhnungstag, hebräisch jom hakippurim.
Anlass ist der Tod der Söhne Aarons; Aaron darf nicht zu jeder Zeit hinter den Vorhang treten, damit er nicht sterbe.
Nur einmal im Jahr, am zehnten Tag des siebten Monats, geht der Hohepriester mit dem Blut eines Jungstieres für sich und sein Haus ins Allerheiligste.
Zwei Ziegenböcke werden für das Volk genommen: einer für den HERRN, dessen Blut auf und vor den Deckel, hebräisch kapporet, gesprengt wird.
Der zweite Bock, der Azazel-Bock, trägt bekenntnismässig alle Ungerechtigkeiten Israels in eine einsame Gegend; er kommt nicht zurück.
Rauchwerk umhüllt den Deckel, damit Aaron nicht sterbe; selbst der Hohepriester naht nur unter Wolke und Blut.
An diesem Tag soll ihr eure Seelen demütigen und keinerlei Arbeit tun: es ist Ruhe und Umkehr vor dem HERRN.
Sühnung ergeht für das Heiligtum, das Zelt, den Altar, die Priester und die ganze Versammlung Israels.
Damit wird offenbar, dass alle vorangegangenen Opfer den Zugang hinter den Vorhang nicht täglich öffnen; nur dieser eine Tag tut es, und auch er jährlich wiederholt.
Hebräer 9–10 deutet den Tag auf das einmalige Eingehen Christi mit seinem eigenen Blut in das wahre Heiligtum; die Gemeinde lebt nicht vom jährlichen jom hakippurim, sondern von dem vollendeten Werk des einen Mittlers.