Einleitung zum Tanach Altes Testament
Zitat von Hans Peter Wepf am 15. Juli 2026, 10:03 Uhr
Einleitung zum Tanach (Altes Testament)Der Tanach – Die Hebräische Bibel
Der Tanach (auch Tenach) ist die Hebräische Bibel und das grundlegende heilige Buch des Judentums. Das Wort „Tanach“ ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der drei Hauptteile:
- Tora (Weisung/Gesetz): Die fünf Bücher Mose.
- Nevi'im (Propheten): Frühere und spätere Propheten.
- Ketuvim (Schriften): Weisheitsliteratur, Psalmen und weitere Schriften.
Das Alte Testament erscheint auf den ersten Blick oft wie ein verschlossenes Buch mit sieben Siegeln – eine Sammlung fremder Sitten, blutiger Kriege und ferner Geschichten. Doch wer sich mit Gottes Hilfe darauf einlässt, entdeckt eine wahre Schatzkammer voller funkelnder Kleinode. Es lohnt sich, diesen Zugang zu suchen!
Die Bedeutung des Alten Testaments
Das Alte Testament ist die Vorbereitung auf das Neue Testament. Ohne das Alte gibt es kein rechtes Verständnis des Neuen. Die christliche Gemeinde tut gut daran, dies stets zu bedenken, denn immer wieder wurde das Alte Testament abgewertet, ignoriert oder gar verworfen.
Paulus nennt den alttestamentlichen Glauben und das Gottesvolk Israel die Wurzel, die den Baum (die Gemeinde und das Neue Testament) trägt (Röm 11,16-18 nach Elberfelder 1905). Ohne Wurzel kein Baum. Wer nur die Früchte will, aber die Wurzel missachtet, ist ein Tor. Wer nur bei der Wurzel bleibt und den Stamm übersieht, ist blind. Beide Testamente gehören untrennbar zusammen.
Die Reformatoren fassten dies treffend zusammen: „Das Neue Testament liegt im Alten verhüllt – das Alte Testament wird im Neuen enthüllt.“
Die Wichtigkeit des Alten Testaments
Jedes neutestamentliche Buch unterstreicht die zentrale Bedeutung des Alten Testaments:
- Die Evangelien zeigen, dass Geburt, Leben, Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu Christi im Alten Testament angekündigt waren. Besonders Matthäus betont dies häufig (z. B. Mt 1,22; 2,23; vgl. Mk 14,49; Lk 4,21; Joh 19,36).
- Die Apostelgeschichte verbindet Pfingsten und die Ausbreitung des Heils mit alttestamentlichen Verheißungen (z. B. 3. Mose 23,15-21).
- Die Lehrbriefe (z. B. Römerbrief, Hebräerbrief) gründen das Evangelium und das Verständnis des Opfers und Hohenpriestertums Christi tief im Alten Testament.
- Die Offenbarung ist durchzogen von Anspielungen auf das Alte Testament und zeigt die Erfüllung prophetischer Ankündigungen beim zweiten Kommen des Herrn.
Der Herr Jesus selbst erklärte, dass Er gekommen sei, um das Gesetz und die Propheten zu erfüllen (Mt 5,17). In Lk 24,27.44 verwies Er auf das Gesetz Moses, die Propheten und die Psalmen als Zeugnis von Ihm.
Das Wesen des Alten Testaments
Das Alte Testament bereitete vor, das Neue vollendet. Das Alte ist Verheißung und Schatten, das Neue Erfüllung und Substanz (vgl. Kol 2,16-17; Heb 10,1).
Gott wohnte im Alten Testament für den Menschen noch „im Dunkel“ (1. Kön 8,12), während Er im Neuen Testament in Jesus Christus voll hervorgetreten ist: „Der unsichtbare Gott ist Fleisch geworden“ (Joh 1,14.18). Alle Einrichtungen Israels – Opfer, Priestertum, Stiftshütte, Feste, Sabbat – waren Schatten des kommenden Christus (Heb 8–10; Kol 2,17).
Geschichtliche Ereignisse und Personen des Alten Testaments sind oft Vorbilder (gr. typos) für neutestamentliche Wahrheiten:
- Adam als Typus Christi (Röm 5,14).
- Die Arche Noah als Bild der Taufe (1. Petr 3,20-21).
- Die Ehe als Bild von Christus und der Gemeinde (Eph 5,31-32).
Wichtig: Die alttestamentlichen Berichte sind historisch zuverlässig (Schöpfung, Sündenfall, Sintflut, Auszug aus Ägypten usw.). Wir dürfen sie nicht nur symbolisch auffassen. Gleichzeitig gehen sie über das Historische hinaus und weisen auf Christus hin. Beide Extreme sind falsch: reiner Symbolismus oder reiner Historismus ohne typologische Tiefe.
Paulus fasst den Wert der Schrift (zunächst das Alte Testament) zusammen: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt“ (2. Tim 3,16-17 Elberfelder 1905).
Einteilung des Tanach / Alten Testaments
Die Juden teilen ihre Bibel in drei Teile (Tanach): Tora – Nevi'im – Ketuvim (Lk 24,44).
In christlichen Bibeln folgen wir seit den Reformatoren einer inhaltlich und zeitlich sinnvollen Einteilung in vier Hauptteile:
- Die Bücher Mose (1.–5. Mose) – Das Fundament.
- Die historischen Bücher (Josua bis Esther) – Die Erprobung im Land.
- Die poetischen / Weisheitsbücher (Hiob bis Hohelied) – Der persönliche Glaube.
- Die prophetischen Bücher (Jesaja bis Maleachi) – Gericht und Wiederherstellung.
Diese Gliederung zeigt die innere Logik der Offenbarung:
- Die Bücher Mose legen Grund (Landverheißung, Bund, Gesetz).
- Die historischen Bücher zeigen Erfüllung und Versagen entsprechend dem Maßstab des Gesetzes.
- Die Weisheitsbücher beschreiben den persönlichen Glauben und die Kämpfe der Heiligen inmitten dieser Geschichte.
- Die Propheten enthüllen die Sünde, kündigen Gericht an und verheißen die endgültige Wiederherstellung unter dem Messias.
Die fünf Bücher Mose – Das Fundament
Die Tora bildet das Fundament der gesamten Bibel. In ihr finden sich bereits im Keim alle wesentlichen Linien der Heilsgeschichte:
- 1. Mose: Schöpfung, Fall, Erwählung (Abraham), Verheißungen an Israel.
- 2. Mose: Erlösung aus Ägypten, Bund am Sinai, Stiftshütte als Schatten des Himmlischen.
- 3. Mose: Heiligkeit, Opfer (die verschiedenen Opferarten weisen auf das vollkommene Opfer Christi hin), Feste.
- 4. Mose: Wanderung, Prüfungen, Vorbereitung auf das Land.
- 5. Mose: Abschiedsreden Moses, Segen und Fluch, Erneuerung des Bundes – am Ende steht Israel an der Grenze des verheißenen Landes.
Wer die Bücher Mose gut kennt, findet darin bereits die ganze Botschaft der Bibel in Verheißung und Schattenbild.
Typologie im Alten Testament
Was ist biblische Typologie?
Typologie (vom griechischen typos = Abdruck, Vorbild, Muster) ist eine von der Schrift selbst gegebene Auslegungsmethode. Ein Typus (Vorbild) im Alten Testament ist eine von Gott gesetzte, geschichtliche Person, Einrichtung, Handlung oder ein Ereignis, das in wesentlichen Zügen auf eine größere, vollkommene Erfüllung im Neuen Testament (den Antitypus) hinweist – meist auf Christus, sein Werk oder die Gemeinde.
Wichtige Grundsätze:
- Typen sind historisch real (keine bloßen Symbole oder Allegorien).
- Es gibt eine Steigerung (der Antitypus ist größer und vollkommener).
- Sie sind göttlich bestimmt, nicht willkürlich vom Ausleger erfunden (das NT gibt uns den Schlüssel).
- Typologie ergänzt die wörtliche Auslegung, hebt sie aber nicht auf.
Paulus verwendet in 1. Korinther 10,6.11 das Wort typos für Ereignisse des Auszugs aus Ägypten als Vorbilder für uns. In Römer 5,14 heißt es ausdrücklich, dass Adam „ein Typus des Zukünftigen“ (Elberfelder 1905) ist.
Wichtige Typen im Alten Testament
1. Personen als Typen
- Adam (Röm 5,12-21; 1. Kor 15,21-22.45-49): Haupt der alten Schöpfung – Christus ist Haupt der neuen Schöpfung. Durch Adam kam Sünde und Tod, durch Christus Gerechtigkeit und Leben. Auch die Ehe von Adam und Eva weist auf Christus und die Gemeinde hin (Eph 5,31-32; 1. Mose 2,23-24).
- Melchisedek (1. Mose 14,18-20; Ps 110,4; Heb 7): König von Salem und Priester des Höchsten – Typus Christi als ewiger König-Priester.
- Isaak (1. Mose 22): Der geliebte, einzige Sohn, der auf dem Berg Morija geopfert werden sollte und „auferweckt“ wurde (sinnbildlich) – Bild des hingegebenen und auferstandenen Sohnes Gottes.
- Mose (5. Mose 18,15; Heb 3): Retter und Mittler Israels – Typus Christi als Prophet, der größer ist als Mose.
- David (und sein Reich): Der gesalbte König, der leidet und doch siegt – weist auf den Sohn Davids, den Messias.
2. Ereignisse als Typen
- Auszug aus Ägypten und Durchzug durchs Rote Meer (2. Mose; 1. Kor 10,1-11): Erlösung aus der Knechtschaft – Typus unserer Erlösung durch Christus.
- Die Sintflut und die Arche (1. Mose 6–8; 1. Petr 3,20-21): Gericht über die Welt, Rettung in der Arche – Bild der Taufe und Rettung in Christus.
- Die eherne Schlange (4. Mose 21,4-9; Joh 3,14-15): Wer im Glauben hinschaut, wird gerettet – Typus des gekreuzigten Christus.
3. Einrichtungen und Institutionen als Typen
- Die Stiftshütte / der Tempel (2. Mose 25–40; Heb 8–9): Schatten des Himmlischen und der Person Christi (Joh 1,14 – „er zeltete unter uns“). Jedes Detail (Vorhof, Heiligtum, Allerheiligstes, Opfergeräte) weist auf Aspekte des Werkes Christi hin.
- Die Opfer (3. Mose):
- Brandopfer → völlige Hingabe Christi.
- Sündopfer / Schuldopfer → stellvertretendes Tragen der Sünde.
- Friedensopfer → Gemeinschaft mit Gott aufgrund des Opfers.
- Die Feste Israels (3. Mose 23): Passah (Christus unser Passahlamm), Erstlinge (Auferstehung Christi), Wochenfest (Pfingsten), Laubhüttenfest (zukünftiges Reich).
- Der Sabbat (2. Mose 20; Heb 4): Vorbild der Ruhe, die der Glaubende im vollendeten Werk Christi findet.
- Der Hohepriester und seine Gewänder (2. Mose 28; 3. Mose 16; Heb 4–10): Dienst am Versöhnungstag – Typus Christi als unser Hoherpriester.
4. Weitere starke Bilder
- Das Passahlamm (2. Mose 12; 1. Kor 5,7) → Christus, ohne Fehl und Makel.
- Das Manna (2. Mose 16; Joh 6) → Christus als das Brot des Lebens.
- Der Fels (2. Mose 17; 1. Kor 10,4) → Christus, aus dem lebendiges Wasser fließt.
- Joseph (1. Mose 37–50): Verworfen, erhöht, Retter seiner Brüder – ein eindrückliches Gesamtbild Christi.
Praktische Hinweise für das Studium
- Immer zuerst den historischen Sinn erfassen (was geschah wirklich?).
- Vom Neuen Testament her fragen: Wo verweist das NT selbst auf einen Typus?
- Steigerung und Entsprechung beachten: Der Typus ist unvollkommen, der Antitypus vollkommen.
- Nicht übertreiben: Nicht jedes Detail muss typologisch gedeutet werden. Die Schrift gibt uns Maß und Schlüssel.
Paulus schreibt in Kolosser 2,16-17: „... die ein Schatten der zukünftigen Dinge sind, der Körper aber ist des Christus“ (Elberfelder 1905).
Diese typologische Sicht macht das Alte Testament lebendig: Es ist nicht nur Geschichte Israels, sondern vor allem Zeugnis von Christus (Joh 5,39; Lk 24,27.44).
IN CHRISTO!
Hans Peter Wepf bibelkreis.ch –
m316.ch/forum –
YouTube-Kanal

Einleitung zum Tanach (Altes Testament)
Der Tanach – Die Hebräische Bibel
Der Tanach (auch Tenach) ist die Hebräische Bibel und das grundlegende heilige Buch des Judentums. Das Wort „Tanach“ ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der drei Hauptteile:
- Tora (Weisung/Gesetz): Die fünf Bücher Mose.
- Nevi'im (Propheten): Frühere und spätere Propheten.
- Ketuvim (Schriften): Weisheitsliteratur, Psalmen und weitere Schriften.
Das Alte Testament erscheint auf den ersten Blick oft wie ein verschlossenes Buch mit sieben Siegeln – eine Sammlung fremder Sitten, blutiger Kriege und ferner Geschichten. Doch wer sich mit Gottes Hilfe darauf einlässt, entdeckt eine wahre Schatzkammer voller funkelnder Kleinode. Es lohnt sich, diesen Zugang zu suchen!
Die Bedeutung des Alten Testaments
Das Alte Testament ist die Vorbereitung auf das Neue Testament. Ohne das Alte gibt es kein rechtes Verständnis des Neuen. Die christliche Gemeinde tut gut daran, dies stets zu bedenken, denn immer wieder wurde das Alte Testament abgewertet, ignoriert oder gar verworfen.
Paulus nennt den alttestamentlichen Glauben und das Gottesvolk Israel die Wurzel, die den Baum (die Gemeinde und das Neue Testament) trägt (Röm 11,16-18 nach Elberfelder 1905). Ohne Wurzel kein Baum. Wer nur die Früchte will, aber die Wurzel missachtet, ist ein Tor. Wer nur bei der Wurzel bleibt und den Stamm übersieht, ist blind. Beide Testamente gehören untrennbar zusammen.
Die Reformatoren fassten dies treffend zusammen: „Das Neue Testament liegt im Alten verhüllt – das Alte Testament wird im Neuen enthüllt.“
Die Wichtigkeit des Alten Testaments
Jedes neutestamentliche Buch unterstreicht die zentrale Bedeutung des Alten Testaments:
- Die Evangelien zeigen, dass Geburt, Leben, Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu Christi im Alten Testament angekündigt waren. Besonders Matthäus betont dies häufig (z. B. Mt 1,22; 2,23; vgl. Mk 14,49; Lk 4,21; Joh 19,36).
- Die Apostelgeschichte verbindet Pfingsten und die Ausbreitung des Heils mit alttestamentlichen Verheißungen (z. B. 3. Mose 23,15-21).
- Die Lehrbriefe (z. B. Römerbrief, Hebräerbrief) gründen das Evangelium und das Verständnis des Opfers und Hohenpriestertums Christi tief im Alten Testament.
- Die Offenbarung ist durchzogen von Anspielungen auf das Alte Testament und zeigt die Erfüllung prophetischer Ankündigungen beim zweiten Kommen des Herrn.
Der Herr Jesus selbst erklärte, dass Er gekommen sei, um das Gesetz und die Propheten zu erfüllen (Mt 5,17). In Lk 24,27.44 verwies Er auf das Gesetz Moses, die Propheten und die Psalmen als Zeugnis von Ihm.
Das Wesen des Alten Testaments
Das Alte Testament bereitete vor, das Neue vollendet. Das Alte ist Verheißung und Schatten, das Neue Erfüllung und Substanz (vgl. Kol 2,16-17; Heb 10,1).
Gott wohnte im Alten Testament für den Menschen noch „im Dunkel“ (1. Kön 8,12), während Er im Neuen Testament in Jesus Christus voll hervorgetreten ist: „Der unsichtbare Gott ist Fleisch geworden“ (Joh 1,14.18). Alle Einrichtungen Israels – Opfer, Priestertum, Stiftshütte, Feste, Sabbat – waren Schatten des kommenden Christus (Heb 8–10; Kol 2,17).
Geschichtliche Ereignisse und Personen des Alten Testaments sind oft Vorbilder (gr. typos) für neutestamentliche Wahrheiten:
- Adam als Typus Christi (Röm 5,14).
- Die Arche Noah als Bild der Taufe (1. Petr 3,20-21).
- Die Ehe als Bild von Christus und der Gemeinde (Eph 5,31-32).
Wichtig: Die alttestamentlichen Berichte sind historisch zuverlässig (Schöpfung, Sündenfall, Sintflut, Auszug aus Ägypten usw.). Wir dürfen sie nicht nur symbolisch auffassen. Gleichzeitig gehen sie über das Historische hinaus und weisen auf Christus hin. Beide Extreme sind falsch: reiner Symbolismus oder reiner Historismus ohne typologische Tiefe.
Paulus fasst den Wert der Schrift (zunächst das Alte Testament) zusammen: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt“ (2. Tim 3,16-17 Elberfelder 1905).
Einteilung des Tanach / Alten Testaments
Die Juden teilen ihre Bibel in drei Teile (Tanach): Tora – Nevi'im – Ketuvim (Lk 24,44).
In christlichen Bibeln folgen wir seit den Reformatoren einer inhaltlich und zeitlich sinnvollen Einteilung in vier Hauptteile:
- Die Bücher Mose (1.–5. Mose) – Das Fundament.
- Die historischen Bücher (Josua bis Esther) – Die Erprobung im Land.
- Die poetischen / Weisheitsbücher (Hiob bis Hohelied) – Der persönliche Glaube.
- Die prophetischen Bücher (Jesaja bis Maleachi) – Gericht und Wiederherstellung.
Diese Gliederung zeigt die innere Logik der Offenbarung:
- Die Bücher Mose legen Grund (Landverheißung, Bund, Gesetz).
- Die historischen Bücher zeigen Erfüllung und Versagen entsprechend dem Maßstab des Gesetzes.
- Die Weisheitsbücher beschreiben den persönlichen Glauben und die Kämpfe der Heiligen inmitten dieser Geschichte.
- Die Propheten enthüllen die Sünde, kündigen Gericht an und verheißen die endgültige Wiederherstellung unter dem Messias.
Die fünf Bücher Mose – Das Fundament
Die Tora bildet das Fundament der gesamten Bibel. In ihr finden sich bereits im Keim alle wesentlichen Linien der Heilsgeschichte:
- 1. Mose: Schöpfung, Fall, Erwählung (Abraham), Verheißungen an Israel.
- 2. Mose: Erlösung aus Ägypten, Bund am Sinai, Stiftshütte als Schatten des Himmlischen.
- 3. Mose: Heiligkeit, Opfer (die verschiedenen Opferarten weisen auf das vollkommene Opfer Christi hin), Feste.
- 4. Mose: Wanderung, Prüfungen, Vorbereitung auf das Land.
- 5. Mose: Abschiedsreden Moses, Segen und Fluch, Erneuerung des Bundes – am Ende steht Israel an der Grenze des verheißenen Landes.
Wer die Bücher Mose gut kennt, findet darin bereits die ganze Botschaft der Bibel in Verheißung und Schattenbild.
Typologie im Alten Testament
Was ist biblische Typologie?
Typologie (vom griechischen typos = Abdruck, Vorbild, Muster) ist eine von der Schrift selbst gegebene Auslegungsmethode. Ein Typus (Vorbild) im Alten Testament ist eine von Gott gesetzte, geschichtliche Person, Einrichtung, Handlung oder ein Ereignis, das in wesentlichen Zügen auf eine größere, vollkommene Erfüllung im Neuen Testament (den Antitypus) hinweist – meist auf Christus, sein Werk oder die Gemeinde.
Wichtige Grundsätze:
- Typen sind historisch real (keine bloßen Symbole oder Allegorien).
- Es gibt eine Steigerung (der Antitypus ist größer und vollkommener).
- Sie sind göttlich bestimmt, nicht willkürlich vom Ausleger erfunden (das NT gibt uns den Schlüssel).
- Typologie ergänzt die wörtliche Auslegung, hebt sie aber nicht auf.
Paulus verwendet in 1. Korinther 10,6.11 das Wort typos für Ereignisse des Auszugs aus Ägypten als Vorbilder für uns. In Römer 5,14 heißt es ausdrücklich, dass Adam „ein Typus des Zukünftigen“ (Elberfelder 1905) ist.
Wichtige Typen im Alten Testament
1. Personen als Typen
- Adam (Röm 5,12-21; 1. Kor 15,21-22.45-49): Haupt der alten Schöpfung – Christus ist Haupt der neuen Schöpfung. Durch Adam kam Sünde und Tod, durch Christus Gerechtigkeit und Leben. Auch die Ehe von Adam und Eva weist auf Christus und die Gemeinde hin (Eph 5,31-32; 1. Mose 2,23-24).
- Melchisedek (1. Mose 14,18-20; Ps 110,4; Heb 7): König von Salem und Priester des Höchsten – Typus Christi als ewiger König-Priester.
- Isaak (1. Mose 22): Der geliebte, einzige Sohn, der auf dem Berg Morija geopfert werden sollte und „auferweckt“ wurde (sinnbildlich) – Bild des hingegebenen und auferstandenen Sohnes Gottes.
- Mose (5. Mose 18,15; Heb 3): Retter und Mittler Israels – Typus Christi als Prophet, der größer ist als Mose.
- David (und sein Reich): Der gesalbte König, der leidet und doch siegt – weist auf den Sohn Davids, den Messias.
2. Ereignisse als Typen
- Auszug aus Ägypten und Durchzug durchs Rote Meer (2. Mose; 1. Kor 10,1-11): Erlösung aus der Knechtschaft – Typus unserer Erlösung durch Christus.
- Die Sintflut und die Arche (1. Mose 6–8; 1. Petr 3,20-21): Gericht über die Welt, Rettung in der Arche – Bild der Taufe und Rettung in Christus.
- Die eherne Schlange (4. Mose 21,4-9; Joh 3,14-15): Wer im Glauben hinschaut, wird gerettet – Typus des gekreuzigten Christus.
3. Einrichtungen und Institutionen als Typen
- Die Stiftshütte / der Tempel (2. Mose 25–40; Heb 8–9): Schatten des Himmlischen und der Person Christi (Joh 1,14 – „er zeltete unter uns“). Jedes Detail (Vorhof, Heiligtum, Allerheiligstes, Opfergeräte) weist auf Aspekte des Werkes Christi hin.
- Die Opfer (3. Mose):
- Brandopfer → völlige Hingabe Christi.
- Sündopfer / Schuldopfer → stellvertretendes Tragen der Sünde.
- Friedensopfer → Gemeinschaft mit Gott aufgrund des Opfers.
- Die Feste Israels (3. Mose 23): Passah (Christus unser Passahlamm), Erstlinge (Auferstehung Christi), Wochenfest (Pfingsten), Laubhüttenfest (zukünftiges Reich).
- Der Sabbat (2. Mose 20; Heb 4): Vorbild der Ruhe, die der Glaubende im vollendeten Werk Christi findet.
- Der Hohepriester und seine Gewänder (2. Mose 28; 3. Mose 16; Heb 4–10): Dienst am Versöhnungstag – Typus Christi als unser Hoherpriester.
4. Weitere starke Bilder
- Das Passahlamm (2. Mose 12; 1. Kor 5,7) → Christus, ohne Fehl und Makel.
- Das Manna (2. Mose 16; Joh 6) → Christus als das Brot des Lebens.
- Der Fels (2. Mose 17; 1. Kor 10,4) → Christus, aus dem lebendiges Wasser fließt.
- Joseph (1. Mose 37–50): Verworfen, erhöht, Retter seiner Brüder – ein eindrückliches Gesamtbild Christi.
Praktische Hinweise für das Studium
- Immer zuerst den historischen Sinn erfassen (was geschah wirklich?).
- Vom Neuen Testament her fragen: Wo verweist das NT selbst auf einen Typus?
- Steigerung und Entsprechung beachten: Der Typus ist unvollkommen, der Antitypus vollkommen.
- Nicht übertreiben: Nicht jedes Detail muss typologisch gedeutet werden. Die Schrift gibt uns Maß und Schlüssel.
Paulus schreibt in Kolosser 2,16-17: „... die ein Schatten der zukünftigen Dinge sind, der Körper aber ist des Christus“ (Elberfelder 1905).
Diese typologische Sicht macht das Alte Testament lebendig: Es ist nicht nur Geschichte Israels, sondern vor allem Zeugnis von Christus (Joh 5,39; Lk 24,27.44).
IN CHRISTO!
Hans Peter Wepf bibelkreis.ch –
m316.ch/forum –
YouTube-Kanal