Hiob 1,19 und siehe, ein starker Wind kam von jenseit der Wüste her
Zitat von Hans Peter Wepf am 2. September 2026, 21:42 Uhr
Hiob Betrachtungen
Bibelstunde der Teams
„und siehe, ein starker Wind kam von jenseit der Wüste her und stieß an die vier Ecken des Hauses, und es fiel auf die jungen Leute, und sie starben; und ich bin entronnen, nur ich allein, um es dir zu berichten.“Das ist die vierte und letzte Botschaft an einem einzigen Tag. Sie trifft Hiob, während der dritte Bote noch redet (V. 18). Die Kinder feierten gerade im Haus des erstgeborenen Bruders.
Der unmittelbare Ablauf
Die Katastrophen folgen einem festen Muster:
- Sabäer rauben Rinder und Eselinnen und töten die Knechte (V. 14–15).
- „Feuer Gottes“ vom Himmel verbrennt das Kleinvieh und die Knechte (V. 16).
- Chaldäer rauben die Kamele und töten die Knechte (V. 17).
- Der Wüstenwind zerstört das Haus und tötet alle zehn Kinder (V. 18–19).
Jedes Mal überlebt nur ein einziger Bote. Die Wiederholung „während dieser noch redete“ und „nur ich allein“ steigert die Überwältigung: Hiob bekommt keine Atempause. Der Verlust der Kinder ist der Höhepunkt – nach Besitz und Gesinde nun die Familie.
Der himmlische Hintergrund
Kapitel 1,6–12 gibt den Rahmen, den Hiob selbst nicht kennt. Satan tritt vor dem HERRN auf und behauptet, Hiob diene Gott nur wegen des Segens und des „Zauns“ um ihn, sein Haus und alles, was er hat (V. 10). Der HERR erlaubt Satan, alles anzugreifen, was Hiob besitzt – nur ihn selbst nicht (V. 12).
Der Wind in V. 19 ist deshalb nicht bloß ein Naturereignis. Er gehört zu der von Gott begrenzten, von Satan ausgeführten Prüfung. Satan benutzt menschliche Feinde (Sabäer, Chaldäer) und Naturgewalten (Feuer vom Himmel, Sturm). Die „vier Ecken“ des Hauses unterstreichen die Vollständigkeit: Es ist kein gewöhnlicher Windstoß von einer Seite, sondern ein Wirbel, der das Gebäude von allen Seiten trifft und vollständig einstürzen lässt.
Der Wind selbst
„Von jenseit der Wüste her“ weist auf einen Wüstensturm (oft mit dem Scirocco oder einem Wirbelsturm verglichen). Solche Winde waren in der Region bekannt und gefährlich. Die Beschreibung betont jedoch das Ungewöhnliche: Er trifft alle vier Ecken gleichzeitig und tötet alle Insassen. Das Haus fällt „auf die jungen Leute“ – gemeint sind die Söhne und Töchter (vgl. V. 18). Die Vollständigkeit des Unglücks trägt den Charakter des Außergewöhnlichen, das in den himmlischen Szenen begründet liegt.
Literarische und theologische Absicht
Der Prolog (Kap. 1–2)
gibt dem Leser die himmlische Perspektive, die Hiob und seinen Freunden fehlt. Der Leser weiß: Das Leiden kommt nicht als Strafe für verborgene Sünde (die These der Freunde später), sondern als Prüfung der Uneigennützigkeit des Glaubens. Satan wollte beweisen, dass Hiobs Gottesfurcht vom Segen abhängt. Gott lässt die Prüfung zu, setzt aber klare Grenzen.Hiobs Reaktion in V. 20–22
steht im direkten Gegensatz dazu: Er zerreißt sein Gewand, schert das Haupt (Trauerbrauch), fällt nieder und betet an. Er spricht: „Nackt bin ich aus meiner Mutter Leib gekommen, und nackt werde ich dahin zurückkehren; der HERR hat gegeben, und der HERR hat genommen, der Name des HERRN sei gepriesen!“ Bei alledem sündigt er nicht und schreibt Gott nichts Ungereimtes zu.Der Vers zeigt also dreierlei:
- die reale Macht Satans über irdische Mittel, aber nur innerhalb der von Gott gesetzten Grenze;
- die Souveränität Gottes, der gibt und nimmt;
- den Unterschied zwischen dem, was der Leser weiß, und dem, was Hiob erlebt – genau das macht die folgenden Reden so scharf.
Der Text selbst erklärt den Wind nicht weiter naturwissenschaftlich. Er stellt ihn in den Zusammenhang der Prüfung und der Frage, ob ein Gerechter Gott auch dann preist, wenn der sichtbare Segen genommen wird.
Satan erscheint im Buch Hiob nicht als unabhängiger Gegengott,
sondern als Ankläger im himmlischen Hofstaat –
unter klarer Oberhoheit des Jahwes.Die Szene selbst
Hiob 1,6 (Elberfelder):
„Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor
Jahwe zu stellen; und auch der Satan kam in ihrer Mitte.“Dasselbe wiederholt sich in 2,1.
Die „Söhne Gottes“ sind geschaffene himmlische Wesen (Engel), die sich vor Jahwe einfinden.
Hiob 38,7 nennt sie als Zeugen der Schöpfung. Sie stehen, Jahwe sitzt und redet zuerst. Das ist ein Hof- bzw. Ratsbild, vergleichbar mit 1. Könige 22,19 (das Heer des Himmels steht zu seiner Rechten und Linken) und Sacharja 3.Satan kommt „in ihrer Mitte“ – er hat zu diesem Zeitpunkt noch Zugang. Er ist nicht der Vorsitzende und nicht der Initiator des Gesprächs über Hiob.
Jahwe fragt ihn: „Woher kommst du?“ und dann:
„Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob?“Was „der Satan“ hier bedeutet
Im Hebräischen steht ha-satan mit Artikel: „der Widersacher / der Ankläger“. Die Wurzel bedeutet entgegenstehen, anklagen, sich widersetzen. In Hiob 1–2 und Sacharja 3 ist das eine Funktionsbezeichnung im himmlischen Gerichtshof: Er prüft und klagt an.
Seine Anklage trifft nicht Hiobs Taten. Jahwe selbst hat Hiob gerade als vollkommen, rechtschaffen, gottesfürchtig und das Böse meidend bezeichnet. Satan greift das Motiv an:
„Ist es umsonst, dass Hiob Gott fürchtet? Hast du nicht selbst ihn und sein Haus und alles, was er hat, ringsum eingezäunt?“ (1,9–10)
Er behauptet: Hiobs Gottesfurcht sei Eigennutz. Nimm den Zaun und den Segen weg, dann sagt er sich offen von dir los (1,11; ähnlich 2,4–5: Haut um Haut).
Das ist die eigentliche Rolle im Himmelsrat:
nicht heimlich zu rebellieren, sondern öffentlich zu behaupten, wahre Gottesfurcht gebe es nicht, sobald der Nutzen wegfällt.Grenzen seiner Macht
Der Text betont dreimal die Unterordnung:
- Satan darf nur, was der HERR ausdrücklich freigibt.
- Beim ersten Mal: alles, was Hiob hat – „nur nach ihm strecke deine Hand nicht aus“ (1,12).
- Beim zweiten Mal: den Leib – „nur sein Leben bewahre“ (2,6).
Danach geht Satan „vom Angesicht des HERRN hinweg“. Er führt aus, er entscheidet nicht. Die Sabäer, das Feuer vom Himmel, die Chaldäer und der Wüstenwind in 1,19 sind seine Mittel, aber innerhalb der gesetzten Grenze. Deshalb ist der Einsturz des Hauses keine „Strafe Gottes für verborgene Sünde der Kinder“, sondern der zugelassene Angriff auf das, was Hiob am meisten liebte.
Vergleichsstellen
- Sacharja 3,1–2:
Der Satan steht zur Rechten Josuas, um ihn anzuklagen. Der HERR wehrt ihm: „Der HERR schelte dich, Satan!“ Hier wie dort: Anklage vor Gott, aber Gott hat das letzte Wort und reinigt bzw. hält fest.- 1. Könige 22,19–23:
Ein Geist im himmlischen Heer bietet sich an, Ahab zu täuschen. Wieder: Der HERR lässt zu, was seinem Ratschluss dient; die Geister sind nicht autonom.- Offenbarung 12,10:
Der „Verkläger unserer Brüder“ wird später vom Himmel geworfen. Das zeigt die Linie: Dieselbe Funktion, aber nicht derselbe Rechtsstatus für immer.Was der Prolog damit leistet
Hiob und seine Freunde wissen von diesem Rat nichts. Der Leser schon. Deshalb kann man 1,19 nicht isoliert als „Schicksal“ oder „Gottes Zorn über die Familie“ lesen.
Jahwe hat Hiob selbst als seinen Knecht vorgestellt. Satan darf den Zaun durchbrechen, aber nicht das Urteil Gottes über Hiob umstoßen.Die Rolle Satans im Himmelsrat ist also: Ankläger der Motive, Prüfer unter Erlaubnis, Werkzeug mit Kette. Er durchstreift die Erde (1,7; vgl. 1. Petrus 5,8), findet aber keinen Grund zur Anklage gegen Hiobs Wandel – nur die Behauptung, der Wandel hänge am Segen. Genau diese Behauptung widerlegt Hiob in 1,20–22, noch bevor er die zweite Prüfung erlebt.
Wenn du willst, können wir als Nächstes den Unterschied zwischen dieser Anklägerrolle und der späteren Bezeichnung „Teufel / Fürst dieser Welt“ im Neuen Testament genauer ziehen – oder die zweite Himmelsszene in Hiob 2,1–7 Vers für Vers.
Man kann nicht sagen, dass Satan von sich aus Herr über das Wetter ist.
Was Hiob 1 zeigt, ist etwas anderes: Satan darf in einem von Gott begrenzten Fall Naturereignisse als Werkzeug gebrauchen. Das ist nicht dasselbe wie eigene Schöpfer- oder Erhaltermacht.
Was der Text wirklich sagt
Nach 1,12 liegt „alles, was er hat“, in Satans Hand – mit der ausdrücklichen Ausnahme Hiobs selbst. Daraufhin geschehen:
- das „Feuer Gottes vom Himmel“ (1,16),
- der starke Wind von jenseits der Wüste, der alle vier Ecken des Hauses trifft (1,19).
Der Bote nennt das Feuer „Feuer Gottes“. Er kennt den Himmelsrat nicht. Für ihn sieht es aus wie ein Strafgericht vom Himmel. Der Leser weiß: Es fällt in die Zeit und den Rahmen der erteilten Erlaubnis. Dasselbe gilt für den Wind. Satan ist der Ausführende, nicht der Eigentümer der Elemente.
In Kapitel 38 fragt der HERR Hiob gerade nach Wind, Regen, Schnee, Hagel und Blitz – als Dinge, die Er allein kennt und lenkt. Der Mensch kann sie nicht befehlen. Satan wird dort nicht als Wetterherr eingeführt.
„Fürst der Gewalt der Luft“ (Epheser 2,2)
Dieser Titel meint vor allem den unsichtbaren Herrschaftsbereich dieses Äons: den Geist, der in den Söhnen des Ungehorsams wirkt, und den Bereich, in dem die Mächte der Finsternis operieren (vgl. Eph 6,12). Er macht Satan nicht zum Herrn über Wolken und Sturm. Luft/Atmosphäre ist hier der geistliche Wirkungsraum, nicht das Meteorologieamt.
Gott allein „macht die Winde zu seinen Boten“ und bringt Wind aus seinen Kammern hervor (Psalm 104,4; 135,7; Jeremia 10,13). Jesus bedroht Wind und Meer – und sie gehorchen Ihm (Markus 4,39–41). Das ist Schöpferautorität, keine erbetene Lizenz.
Die genaue Unterscheidung
Gott Satan in Hiob 1 Herkunft der Macht Schöpfer und Erhalter nur zugelassene Gewalt Wetter allgemein Er gebietet ständig keine eigene Zuständigkeit Dieser eine Sturm / dieses Feuer unter seiner Souveränität von ihm als Mittel benutzt, nachdem die Hand freigegeben war Grenze keine „nur nach ihm strecke deine Hand nicht aus“ Also: Satan hat keine selbständige Macht über das Wetter.
Er kann Naturkräfte einsetzen, wenn und soweit Jahwe es für seine Absicht zulässt – genau wie er Sabäer und Chaldäer einsetzen konnte. Der Wind in 1,19 ist deshalb weder „reines Naturunglück ohne geistlichen Hintergrund“ noch Beweis, dass der Widersacher den Himmel regiert. Er bleibt der Ankläger mit Kette, nicht der Herr der Elemente.Hiobs Bekenntnis bleibt deshalb sachlich richtig: „Jahwe hat gegeben, und Jahwe hat genommen.“
Nicht: „Der Satan hat das Wetter gemacht.“

Hiob Betrachtungen
Bibelstunde der Teams
„und siehe, ein starker Wind kam von jenseit der Wüste her und stieß an die vier Ecken des Hauses, und es fiel auf die jungen Leute, und sie starben; und ich bin entronnen, nur ich allein, um es dir zu berichten.“
Das ist die vierte und letzte Botschaft an einem einzigen Tag. Sie trifft Hiob, während der dritte Bote noch redet (V. 18). Die Kinder feierten gerade im Haus des erstgeborenen Bruders.
Der unmittelbare Ablauf
Die Katastrophen folgen einem festen Muster:
- Sabäer rauben Rinder und Eselinnen und töten die Knechte (V. 14–15).
- „Feuer Gottes“ vom Himmel verbrennt das Kleinvieh und die Knechte (V. 16).
- Chaldäer rauben die Kamele und töten die Knechte (V. 17).
- Der Wüstenwind zerstört das Haus und tötet alle zehn Kinder (V. 18–19).
Jedes Mal überlebt nur ein einziger Bote. Die Wiederholung „während dieser noch redete“ und „nur ich allein“ steigert die Überwältigung: Hiob bekommt keine Atempause. Der Verlust der Kinder ist der Höhepunkt – nach Besitz und Gesinde nun die Familie.
Der himmlische Hintergrund
Kapitel 1,6–12 gibt den Rahmen, den Hiob selbst nicht kennt. Satan tritt vor dem HERRN auf und behauptet, Hiob diene Gott nur wegen des Segens und des „Zauns“ um ihn, sein Haus und alles, was er hat (V. 10). Der HERR erlaubt Satan, alles anzugreifen, was Hiob besitzt – nur ihn selbst nicht (V. 12).
Der Wind in V. 19 ist deshalb nicht bloß ein Naturereignis. Er gehört zu der von Gott begrenzten, von Satan ausgeführten Prüfung. Satan benutzt menschliche Feinde (Sabäer, Chaldäer) und Naturgewalten (Feuer vom Himmel, Sturm). Die „vier Ecken“ des Hauses unterstreichen die Vollständigkeit: Es ist kein gewöhnlicher Windstoß von einer Seite, sondern ein Wirbel, der das Gebäude von allen Seiten trifft und vollständig einstürzen lässt.
Der Wind selbst
„Von jenseit der Wüste her“ weist auf einen Wüstensturm (oft mit dem Scirocco oder einem Wirbelsturm verglichen). Solche Winde waren in der Region bekannt und gefährlich. Die Beschreibung betont jedoch das Ungewöhnliche: Er trifft alle vier Ecken gleichzeitig und tötet alle Insassen. Das Haus fällt „auf die jungen Leute“ – gemeint sind die Söhne und Töchter (vgl. V. 18). Die Vollständigkeit des Unglücks trägt den Charakter des Außergewöhnlichen, das in den himmlischen Szenen begründet liegt.
Literarische und theologische Absicht
Der Prolog (Kap. 1–2)
gibt dem Leser die himmlische Perspektive, die Hiob und seinen Freunden fehlt. Der Leser weiß: Das Leiden kommt nicht als Strafe für verborgene Sünde (die These der Freunde später), sondern als Prüfung der Uneigennützigkeit des Glaubens. Satan wollte beweisen, dass Hiobs Gottesfurcht vom Segen abhängt. Gott lässt die Prüfung zu, setzt aber klare Grenzen.
Hiobs Reaktion in V. 20–22
steht im direkten Gegensatz dazu: Er zerreißt sein Gewand, schert das Haupt (Trauerbrauch), fällt nieder und betet an. Er spricht: „Nackt bin ich aus meiner Mutter Leib gekommen, und nackt werde ich dahin zurückkehren; der HERR hat gegeben, und der HERR hat genommen, der Name des HERRN sei gepriesen!“ Bei alledem sündigt er nicht und schreibt Gott nichts Ungereimtes zu.
Der Vers zeigt also dreierlei:
- die reale Macht Satans über irdische Mittel, aber nur innerhalb der von Gott gesetzten Grenze;
- die Souveränität Gottes, der gibt und nimmt;
- den Unterschied zwischen dem, was der Leser weiß, und dem, was Hiob erlebt – genau das macht die folgenden Reden so scharf.
Der Text selbst erklärt den Wind nicht weiter naturwissenschaftlich. Er stellt ihn in den Zusammenhang der Prüfung und der Frage, ob ein Gerechter Gott auch dann preist, wenn der sichtbare Segen genommen wird.
Satan erscheint im Buch Hiob nicht als unabhängiger Gegengott,
sondern als Ankläger im himmlischen Hofstaat –
unter klarer Oberhoheit des Jahwes.
Die Szene selbst
Hiob 1,6 (Elberfelder):
„Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor
Jahwe zu stellen; und auch der Satan kam in ihrer Mitte.“
Dasselbe wiederholt sich in 2,1.
Die „Söhne Gottes“ sind geschaffene himmlische Wesen (Engel), die sich vor Jahwe einfinden.
Hiob 38,7 nennt sie als Zeugen der Schöpfung. Sie stehen, Jahwe sitzt und redet zuerst. Das ist ein Hof- bzw. Ratsbild, vergleichbar mit 1. Könige 22,19 (das Heer des Himmels steht zu seiner Rechten und Linken) und Sacharja 3.
Satan kommt „in ihrer Mitte“ – er hat zu diesem Zeitpunkt noch Zugang. Er ist nicht der Vorsitzende und nicht der Initiator des Gesprächs über Hiob.
Jahwe fragt ihn: „Woher kommst du?“ und dann:
„Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob?“
Was „der Satan“ hier bedeutet
Im Hebräischen steht ha-satan mit Artikel: „der Widersacher / der Ankläger“. Die Wurzel bedeutet entgegenstehen, anklagen, sich widersetzen. In Hiob 1–2 und Sacharja 3 ist das eine Funktionsbezeichnung im himmlischen Gerichtshof: Er prüft und klagt an.
Seine Anklage trifft nicht Hiobs Taten. Jahwe selbst hat Hiob gerade als vollkommen, rechtschaffen, gottesfürchtig und das Böse meidend bezeichnet. Satan greift das Motiv an:
„Ist es umsonst, dass Hiob Gott fürchtet? Hast du nicht selbst ihn und sein Haus und alles, was er hat, ringsum eingezäunt?“ (1,9–10)
Er behauptet: Hiobs Gottesfurcht sei Eigennutz. Nimm den Zaun und den Segen weg, dann sagt er sich offen von dir los (1,11; ähnlich 2,4–5: Haut um Haut).
Das ist die eigentliche Rolle im Himmelsrat:
nicht heimlich zu rebellieren, sondern öffentlich zu behaupten, wahre Gottesfurcht gebe es nicht, sobald der Nutzen wegfällt.
Grenzen seiner Macht
Der Text betont dreimal die Unterordnung:
- Satan darf nur, was der HERR ausdrücklich freigibt.
- Beim ersten Mal: alles, was Hiob hat – „nur nach ihm strecke deine Hand nicht aus“ (1,12).
- Beim zweiten Mal: den Leib – „nur sein Leben bewahre“ (2,6).
Danach geht Satan „vom Angesicht des HERRN hinweg“. Er führt aus, er entscheidet nicht. Die Sabäer, das Feuer vom Himmel, die Chaldäer und der Wüstenwind in 1,19 sind seine Mittel, aber innerhalb der gesetzten Grenze. Deshalb ist der Einsturz des Hauses keine „Strafe Gottes für verborgene Sünde der Kinder“, sondern der zugelassene Angriff auf das, was Hiob am meisten liebte.
Vergleichsstellen
- Sacharja 3,1–2:
Der Satan steht zur Rechten Josuas, um ihn anzuklagen. Der HERR wehrt ihm: „Der HERR schelte dich, Satan!“ Hier wie dort: Anklage vor Gott, aber Gott hat das letzte Wort und reinigt bzw. hält fest. - 1. Könige 22,19–23:
Ein Geist im himmlischen Heer bietet sich an, Ahab zu täuschen. Wieder: Der HERR lässt zu, was seinem Ratschluss dient; die Geister sind nicht autonom. - Offenbarung 12,10:
Der „Verkläger unserer Brüder“ wird später vom Himmel geworfen. Das zeigt die Linie: Dieselbe Funktion, aber nicht derselbe Rechtsstatus für immer.
Was der Prolog damit leistet
Hiob und seine Freunde wissen von diesem Rat nichts. Der Leser schon. Deshalb kann man 1,19 nicht isoliert als „Schicksal“ oder „Gottes Zorn über die Familie“ lesen.
Jahwe hat Hiob selbst als seinen Knecht vorgestellt. Satan darf den Zaun durchbrechen, aber nicht das Urteil Gottes über Hiob umstoßen.
Die Rolle Satans im Himmelsrat ist also: Ankläger der Motive, Prüfer unter Erlaubnis, Werkzeug mit Kette. Er durchstreift die Erde (1,7; vgl. 1. Petrus 5,8), findet aber keinen Grund zur Anklage gegen Hiobs Wandel – nur die Behauptung, der Wandel hänge am Segen. Genau diese Behauptung widerlegt Hiob in 1,20–22, noch bevor er die zweite Prüfung erlebt.
Wenn du willst, können wir als Nächstes den Unterschied zwischen dieser Anklägerrolle und der späteren Bezeichnung „Teufel / Fürst dieser Welt“ im Neuen Testament genauer ziehen – oder die zweite Himmelsszene in Hiob 2,1–7 Vers für Vers.
Man kann nicht sagen, dass Satan von sich aus Herr über das Wetter ist.
Was Hiob 1 zeigt, ist etwas anderes: Satan darf in einem von Gott begrenzten Fall Naturereignisse als Werkzeug gebrauchen. Das ist nicht dasselbe wie eigene Schöpfer- oder Erhaltermacht.
Was der Text wirklich sagt
Nach 1,12 liegt „alles, was er hat“, in Satans Hand – mit der ausdrücklichen Ausnahme Hiobs selbst. Daraufhin geschehen:
- das „Feuer Gottes vom Himmel“ (1,16),
- der starke Wind von jenseits der Wüste, der alle vier Ecken des Hauses trifft (1,19).
Der Bote nennt das Feuer „Feuer Gottes“. Er kennt den Himmelsrat nicht. Für ihn sieht es aus wie ein Strafgericht vom Himmel. Der Leser weiß: Es fällt in die Zeit und den Rahmen der erteilten Erlaubnis. Dasselbe gilt für den Wind. Satan ist der Ausführende, nicht der Eigentümer der Elemente.
In Kapitel 38 fragt der HERR Hiob gerade nach Wind, Regen, Schnee, Hagel und Blitz – als Dinge, die Er allein kennt und lenkt. Der Mensch kann sie nicht befehlen. Satan wird dort nicht als Wetterherr eingeführt.
„Fürst der Gewalt der Luft“ (Epheser 2,2)
Dieser Titel meint vor allem den unsichtbaren Herrschaftsbereich dieses Äons: den Geist, der in den Söhnen des Ungehorsams wirkt, und den Bereich, in dem die Mächte der Finsternis operieren (vgl. Eph 6,12). Er macht Satan nicht zum Herrn über Wolken und Sturm. Luft/Atmosphäre ist hier der geistliche Wirkungsraum, nicht das Meteorologieamt.
Gott allein „macht die Winde zu seinen Boten“ und bringt Wind aus seinen Kammern hervor (Psalm 104,4; 135,7; Jeremia 10,13). Jesus bedroht Wind und Meer – und sie gehorchen Ihm (Markus 4,39–41). Das ist Schöpferautorität, keine erbetene Lizenz.
Die genaue Unterscheidung
| Gott | Satan in Hiob 1 | |
|---|---|---|
| Herkunft der Macht | Schöpfer und Erhalter | nur zugelassene Gewalt |
| Wetter allgemein | Er gebietet ständig | keine eigene Zuständigkeit |
| Dieser eine Sturm / dieses Feuer | unter seiner Souveränität | von ihm als Mittel benutzt, nachdem die Hand freigegeben war |
| Grenze | keine | „nur nach ihm strecke deine Hand nicht aus“ |
Also: Satan hat keine selbständige Macht über das Wetter.
Er kann Naturkräfte einsetzen, wenn und soweit Jahwe es für seine Absicht zulässt – genau wie er Sabäer und Chaldäer einsetzen konnte. Der Wind in 1,19 ist deshalb weder „reines Naturunglück ohne geistlichen Hintergrund“ noch Beweis, dass der Widersacher den Himmel regiert. Er bleibt der Ankläger mit Kette, nicht der Herr der Elemente.
Hiobs Bekenntnis bleibt deshalb sachlich richtig: „Jahwe hat gegeben, und Jahwe hat genommen.“
Nicht: „Der Satan hat das Wetter gemacht.“