Glaubensforum

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Irrlehren Behauptungen von Roger Liebi zu Genetik usw.


Ab Minute 18:10 bis ca. 24:00
Ab Minute 18:10 bis ca. 24:00

https://rogerliebi.ch/wp-content/uploads/material/R061.01-S-DE-R%C3%B6merbrief.pdf 

Kurzfazit zuerst: Nein – weder die Bibel noch die heutige Genetik kann beweisen, dass Abraham, Isaak und Jakob „nur semitische Gene“ hatten. Ebenso kann man es nicht widerlegen, weil es keine genetischen Daten aus dieser Zeit gibt. Was man aber zeigen kann, ist Folgendes: 

🟦 1. Was sagt die Bibel selbst über die Herkunft?

Die Bibel beschreibt die Patriarchen nicht genetisch, sondern ethnisch‑sprachlich:

  • Abraham stammt aus Ur und später Haran (Gen 11,31–12,4).

  • Diese Regionen waren im 2. Jahrtausend v. Chr. von westsemitischen und akkadisch‑semitischen Bevölkerungen geprägt. → Das ist ein sprachlicher und kultureller Befund, kein genetischer.

Die Bibel selbst macht keine Aussage über Gene, sondern über Abstammungslinien und Bundeszugehörigkeit.

2. Was sagt die heutige Wissenschaft?

Die Frage „Hatten Abraham, Isaak und Jakob semitische Gene?“ ist wissenschaftlich nicht beantwortbar, weil:

A) Es gibt keine DNA der Patriarchen.

Kein Grab, keine Knochen, keine genetischen Proben.

B) „Semitisch“ ist keine genetische Kategorie.

„Semitisch“ ist ein Sprach- und Kulturbegriff, kein biologischer. Genetik kennt keine semitischen Gene.

C) Die Bevölkerung im alten Vorderen Orient war genetisch gemischt.

Archäologische Studien zeigen:

  • Mesopotamien = Mischung aus Akkadisch‑Semitisch, Amoritisch, Hurrier, Sumerer usw.

  • Kanaan = Mischung aus Amoritern, Kanaanitern, Hurritern, Ägyptern, Levantinern.

Die Patriarchen lebten mitten in dieser Mischung

3. Was sagen die historischen Quellen?

Die Forschung sieht Abraham, Isaak und Jakob als Angehörige einer westsemitischen Wandergruppe (Amoriter, Aramäer). Das ist sprachlich begründet, nicht genetisch.

Quellenlage (aus den Suchergebnissen):

  • Die Patriarchen werden in der Forschung als Bronzezeit‑Nomaden beschrieben, eingebettet in die westsemitische Kulturwelt des 2. Jahrtausends v. Chr.

  • Namen wie Abraham ähneln amoritschen Namensformen, was auf eine westsemitische Herkunft hinweist.

  • Die Herkunft aus Haran und Ur wird als Teil einer semitisch geprägten Kulturregion verstanden.

Aber: Kein einziger dieser Befunde ist genetisch. Es sind sprachliche, kulturelle und archäologische Hinweise. 

4. Kann man „nur semitische Gene“ beweisen oder widerlegen?

Beweisen – nein.

Es gibt keine DNA, keine Knochen, keine genetischen Profile.

Widerlegen – ebenfalls nein.

Wir wissen nicht, wie die individuelle genetische Zusammensetzung dieser Personen war.

Was man sagen kann:

  • Sie lebten in einer westsemitischen Kultur.

  • Sie sprachen eine semitische Sprache.

  • Sie bewegten sich in einem ethnisch gemischten Raum.

Das bedeutet: Die Bibel ordnet sie semitisch ein – aber die Genetik kann dazu nichts sagen.

5. Theologisch wichtige Klarstellung

Die Bibel definiert die Patriarchen nicht über Gene, sondern über:

  • Bund (1Mo 12; 17)

  • Verheißung

  • Abstammungslinie (Isaak → Jakob → Israel)

Die Bundeslinie ist theologisch, nicht biologisch-genetisch. 

6. Präzises Schlusswort 

Die Patriarchen gehören sprachlich und kulturell zur westsemitischen Welt, aber es gibt keine Möglichkeit, ihre Gene zu bestimmen. „Semitisch“ ist ein Sprach- und Kulturbegriff, kein genetischer. Weder lässt sich beweisen noch widerlegen, dass Abraham, Isaak und Jakob „nur semitische Gene“ hatten.

Hier ist die exegetische Tiefenfassung für m316.ch, präzise, strukturiert, sprachlich sauber und theologisch belastbar – ohne Spekulation, ohne genetische Ideologie, vollständig auf Schrift, Grundtext und historisch‑philologischem Befund aufgebaut. 

**Exegetische Tiefenfassung:

Hatten Abraham, Isaak und Jakob „semitische Gene“? – Schrift, Grundtext, Historie**

1. Ausgangspunkt: Die Bibel spricht nicht genetisch, sondern genealogisch

Die Bibel kennt keine biologische Genetik, sondern Bundesgenealogie. Die Frage „semitische Gene“ ist ein modernes Konzept, das im Alten Testament nicht existiert.

Wesentliche biblische Kategorien:

  • Abstammung (תּוֹלְדוֹת tôldôt)

  • Bund (בְּרִית berît)

  • Verheißungslinie (Isaak → Jakob → Israel)

Die Patriarchen sind Träger der Verheißung, nicht Träger einer genetischen Kategorie.

 

2. Exegese: Was sagt der Grundtext über Herkunft und Identität?

2.1 Abraham – Herkunft aus Ur und Haran (Gen 11,31–12,4)

Der Text nennt zwei Orte:

  • אוּר כַּשְׂדִּים – ʾUr kaśdîm

  • חָרָן – Ḥārān

Beide Regionen liegen im nordmesopotamischen Kulturraum, der im 2. Jahrtausend v. Chr. westsemitisch geprägt war.

Wichtig:

„Westsemitisch“ ist sprachlich, nicht genetisch.

 

2.2 Sprachliche Herkunft der Patriarchennamen

Die Namen:

  • אַבְרָהָם – ʾAvrāhām

  • יִצְחָק – Yiṣḥāq

  • יַעֲקֹב – Yaʿăqōv

sind westsemitische Namensformen, verwandt mit amoritischen und aramäischen Namensmustern.

Das zeigt: → Sprachliche Einordnung, keine genetische.

 

2.3 Ethnische Selbstbezeichnung im AT

Mehrfach wird Abraham als:

  • עִבְרִי – ʿivrî (Hebräer) (Gen 14,13)

Das Wort bedeutet ursprünglich:

„der von jenseits kommt“ (vom Euphrat her)

Es ist geographisch, nicht biologisch.

 

3. Historisch‑philologische Tiefenlage

3.1 „Semitisch“ ist ein Sprachbegriff

Der Begriff „semitisch“ stammt aus dem 18. Jahrhundert (Schlözer 1781) und bezeichnet:

  • eine Sprachfamilie (Hebräisch, Aramäisch, Akkadisch, Arabisch usw.)

  • eine Kulturwelt

Nie eine genetische Kategorie.

 

3.2 Die Bevölkerung Mesopotamiens war genetisch gemischt

Archäologie und Anthropologie zeigen:

  • Akkadier (semitisch)

  • Amoriter (westsemitisch)

  • Hurriter (nicht-semitisch)

  • Reste sumerischer Bevölkerung

  • Levantinische Gruppen

Abraham lebte mitten in dieser Mischung.

Schlussfolgerung:

Die Schrift ordnet Abraham sprachlich ein, nicht genetisch.

 

3.3 Keine DNA der Patriarchen

Es existieren:

  • keine Gräber,

  • keine Knochen,

  • keine genetischen Proben.

Damit ist jede genetische Aussage unmöglich.

 

4. Theologische Tiefenlinie: Identität durch Bund, nicht durch Gene

4.1 Römer 9,6–8 – Paulus’ Grundsatz

„Nicht die Kinder des Fleisches sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung.“

Paulus trennt biologische Abstammung von Bundeszugehörigkeit.

 

4.2 Galater 3,7

„Die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Söhne.“

Die Identität Abrahams wird nicht biologisch, sondern glaubensbezogen definiert.

 

4.3 Genesis 17 – Der Bund ist nicht genetisch

Der Bund wird durch:

  • Gottes Erwählung,

  • Zeichen (Beschneidung),

  • Verheißung,

nicht durch Gene übertragen.

 

5. Präzise Schlussformel für m316.ch

Die Bibel ordnet Abraham, Isaak und Jakob eindeutig der westsemitischen Sprach- und Kulturwelt zu, aber sie macht keinerlei genetische Aussagen. „Semitisch“ ist ein linguistischer und kultureller Begriff, kein biologischer. Da keine DNA der Patriarchen existiert und die Bevölkerung des alten Vorderen Orients genetisch durchmischt war, lässt sich weder beweisen noch widerlegen, dass die Patriarchen „nur semitische Gene“ hatten. Die Identität der Patriarchen ist biblisch nicht genetisch, sondern bundestheologisch definiert.

Hier der Inhalt dieses Zeitfensters möglichst nah am gesprochenen Wort und am Skript (Vers 12 und der unmittelbare Kontext, inkl. der typischen Erweiterungen zu Fall, Natur, Maria und vorflutlicher Bosheit):


Durch den Fall Adams entstand die sündige menschliche Natur. Sie wird ab diesem Vers «die Sünde» genannt – im Singular, also Einzahl, im Gegensatz zu «die Sünden» im Plural im vorherigen Abschnitt. Weil diese Natur nichts anderes kann, als zur Sünde anzuregen und zu reizen. Als Konsequenz davon wurde der Tod eine Realität in dieser Schöpfung. Der Tod betrifft alle Menschen aller Zeiten. Er ist auch die Folge der persönlichen Verschuldung jedes Menschen.

Korrekte Übersetzung: «weil sie alle gesündigt haben» (eph’ho). Augustin stützte sich auf den Fehler in der Vulgata: «in quo omnes peccaverunt» – «in welchem (Adam) alle gesündigt haben». Daraus leitete er ab, dass alle Menschen in dem Sündenfall Adams selbst auch gesündigt hätten. Das war die Grundlage für die falsche Lehre einer Erbschuld im Sinn einer vererbten Sündentat. Die Bibel lehrt die Vererbung der sündigen Natur von Adam an alle Menschen (1. Mose 5,3; Psalm 51,7).

[Erweiterung im Vortrag:] In 1. Mose 3 sehen wir den konkreten Fall. Eva wurde zuerst verführt, aber Adam ist der Verantwortliche, das Haupt. Die sündige Natur wird über die Vaterlinie weitergegeben. Deshalb musste der Messias von einer Jungfrau geboren werden. Maria war eine echte Frau aus dem Samen Evas, aus der Linie Davids – ein sündiger Mensch wie wir alle. Sie brauchte einen Heiland. Aber weil kein menschlicher Vater beteiligt war, wurde die sündige Natur nicht auf den Herrn Jesus übertragen. Sünde war nicht in Ihm. Genetisch gesprochen: Die Weitergabe erfolgt über den Mann. Vor der Flut sehen wir, wie schnell und total die Bosheit sich ausbreitete, weil diese Natur in allen Nachkommen Adams wirkte.

Die Verse 13–17 sind ein Einschub. Vers 12 wird erst in Vers 18 weitergeführt. Die Sünde war Realität von Adam bis Mose. Das Gesetz machte die Übertretung eindeutig. Aber auch vorher starben alle, weil sie persönlich gesündigt hatten – Gewissen und Schöpfung zeugten. Adam ist Typus auf Christus, den letzten Adam.

Prüfung am Wort Gottes

Liebi hat in einem Punkt recht und in mehreren anderen Punkten eine unbiblische Spekulation eingeführt.

Richtig am Text: Die Vulgata-Übersetzung «in quo» (in welchem = in Adam) ist ein Fehler. Das Griechische ἐφ’ ᾧ πάντες ἥμαρτον bedeutet «weil / insofern alle gesündigt haben». Augustin hat darauf die klassische Erbschuld-Lehre aufgebaut (alle haben in Adam persönlich mitgesündigt). Das steht so nicht im Text. Paulus redet von der einen Übertretung des einen Menschen, durch die der Tod zu allen durchdrang, weil alle gesündigt haben. Es gibt eine reale Verbindung zu Adam als Haupt, aber nicht die augustinische «wir waren alle in Adams Lenden und haben dort gesündigt».

Psalm 51,7 («in Sünde hat mich meine Mutter empfangen») und 1. Mose 5,3 (Adam zeugte in seinem Bild und Gleichnis) belegen eine verdorbene Natur, die weitergegeben wird. «Die Sünde» (Singular) vs. «die Sünden» (Plural) ist eine sinnvolle Beobachtung im Römerbrief.

Das Problem beginnt bei der Mechanik: Die Bibel sagt nirgends, dass die sündige Natur ausschliesslich über die Vaterlinie (Y-Chromosom / männliche Zeugung) übertragen wird. Das ist eine spätere Konstruktion, um die Sündlosigkeit Jesu ohne unbefleckte Empfängnis Marias zu erklären.

  • Genesis 3,15 redet vom «Samen der Frau». Galater 4,4: «geboren von einer Frau». Lukas 1,31–35 und Matthäus 1 betonen die reale Menschwerdung aus Maria.
  • Wenn die Natur biologisch-genetisch über den Vater läuft, dann hätte Maria als Nachkommin Adams diese Natur. Entweder gibt sie sie weiter oder Gott muss sie bei der Empfängnis Jesu extra ausschalten. Beides steht nicht im Text.
  • Maria selbst bekennt: «mein Geist hat sich gefreut über Gott, meinen Heiland» (Lukas 1,47). Sie ist nicht sündlos. Das widerlegt die katholische Unbefleckte Empfängnis, aber es widerlegt nicht, dass sie die gleiche gefallene Menschheit weitergibt, aus der der Sohn Gottes wirklich Mensch wurde.
  • Römer 5 und 1. Korinther 15,21–22.45–49 stellen Adam und Christus als Bundeshaupter / Repräsentanten gegenüber, nicht als genetische Vektoren. «Durch einen Menschen» – das ist föderal und heilsgeschichtlich, nicht chromosomale Vererbungstheorie.

Die Analogie «genetisch über den Mann» und die Betonung, Maria sei «nur» die Mutter, aber die Natur komme vom Vater, geht über das hinaus, was geschrieben steht. Sie macht aus einer heilsgeschichtlichen Typologie (erster / letzter Adam) eine biologische Hypothese. Das ist Spekulation, keine Exegese.

Weitere Punkte aus dem Abschnitt:

  • Der Tod kam durch die Sünde Adams in die Welt und erreichte alle, weil alle gesündigt haben. Persönliche Schuld und ererbte Verderbnis gehören zusammen, ohne dass man Augustins «in quo» braucht.
  • Die «vielen» vs. «alle» in Vers 15–19 ist korrekt beobachtet und schützt vor Allversöhnung. Christus ist Haupt der Erlösten, nicht automatisch aller.
  • Vorflutliche Bosheit (1. Mose 6,5) zeigt die schnelle Ausbreitung der verdorbenen Natur – das ist schriftgemäss, braucht aber keine extra «Vaterlinien-Theorie».

Zusammengefasst: Die Ablehnung der augustinischen Erbschuld als vererbte Sündentat ist textlich berechtigt. Die positive Lehre «sündige Natur nur über den Vater, deshalb Jungfrauengeburt als Schutzmechanismus» ist es nicht. Sie fügt dem Text etwas hinzu, was er nicht sagt, und schwächt die reale Menschheit Jesu aus Maria. Der Herr Jesus ist wahrer Mensch aus der Frau, ohne Sünde (2. Korinther 5,21; Hebräer 4,15; 1. Johannes 3,5), weil Er der Sohn Gottes ist, nicht weil ein Chromosom fehlte.

Das Skript und der Vortrag bleiben nützlich für die Unterscheidung Singular/Plural und die Adam-Christus-Typologie. Die biologische Übertragungstheorie sollte man am Text prüfen und nicht als «so lehrt die Bibel» übernehmen.

Augustins Erbschuldlehre ist die westliche Formulierung der Erbsünde, die er vor allem im Streit mit Pelagius (ab ca. 411) ausgearbeitet hat. Sie verbindet drei Dinge: eine bestimmte Auslegung von Römer 5,12, die Vorstellung, dass die ganze Menschheit in Adam semenkörnig enthalten war, und die Praxis der Kindertaufe.

Der entscheidende Text und die Übersetzung

Römer 5,12 lautet im Griechischen:

διὰ τοῦτο ὥσπερ δι’ ἑνὸς ἀνθρώπου ἡ ἁμαρτία εἰς τὸν κόσμον εἰσῆλθεν καὶ διὰ τῆς ἁμαρτίας ὁ θάνατος, καὶ οὕτως εἰς πάντας ἀνθρώπους ὁ θάνατος διῆλθεν, ἐφ’ ᾧ πάντες ἥμαρτον.

Die lateinische Überlieferung (Vetus Latina und Vulgata), die Augustin benutzte, übersetzt den Schluss:

in quo omnes peccaverunt — «in welchem alle gesündigt haben».

«Quo» ist maskulin. Augustin schloss daraus: Das Antezedens ist Adam (der eine Mensch), nicht «die Sünde» (feminin) und nicht der Tod. Also: Alle haben in Adam gesündigt. Er schreibt ausdrücklich, dass alle jener eine Mensch waren (omnes ille unus homo fuerunt).

Das Griechische ἐφ’ ᾧ ist mehrdeutig. Die meisten heutigen Übersetzungen (auch Elberfelder) fassen es kausal: «weil / insofern alle gesündigt haben». Die lateinische Verengung auf «in quo» = «in ihm» war der Hebel, mit dem Augustin die Erbschuld als mitgesündigte Tat begründen konnte. Er kannte etwas Griechisch, stützte sich aber massgeblich auf den lateinischen Text. Die Auslegung «in Adam» war schon vor ihm bei Ambrosiaster angedeutet; Augustin machte sie zum System.

Was Augustin genau lehrte

  1. Semenhafte Gegenwart in Adam
    Weil alle Menschen aus Adam stammen, waren sie in ihm enthalten. Als Adam sündigte, sündigten sie mit. Das ist mehr als blosses Beispiel (imitatio, wie Pelagius sagte). Es ist reale Beteiligung.
  2. Zwei Seiten der Erbsünde
    • Reatus (Schuld/Anrechnung): Die Schuld der einen Tat Adams lastet auf allen Nachkommen. Deshalb brauchen auch Säuglinge Vergebung.
    • Vitium / concupiscentia: Die verdorbene Natur, besonders die Begierde (Konkupiszenz), die durch die Zeugung weitergegeben wird (tradux peccati). Die geschlechtliche Begierde ist sowohl Strafe als auch Überträger.
  3. Massa damnata
    Die Menschheit nach dem Fall ist eine verdammte Masse. Ohne die Gnade Christi und die Taufe bleibt der Mensch unter dem Zorn. Ungetauft sterbende Kinder trifft eine mildere Strafe (mitissima poena), aber sie gehören zur verdammten Masse.
  4. Kindertaufe als Beweis
    Die Kirche tauft Säuglinge «zur Vergebung der Sünden». Wäre keine Sünde da, wäre die Taufe sinnlos. Das war für Augustin ein starkes kirchliches Argument gegen Pelagius.
  5. Seelenlehre unentschieden
    Augustin schwankte zwischen Traduzianismus (die Seele wird mitgezeugt und überträgt die Sünde) und Kreatianismus (Gott schafft jede Seele neu). Der Traduzianismus passte besser zu seiner Übertragungslehre, der Kreatianismus besser zur Schöpfergüte Gottes. Er liess die Frage offen.

Hauptwerke dazu: De peccatorum meritis et remissione et de baptismo parvulorum (411/12), De natura et gratia, De gratia Christi et de peccato originali, später Contra Iulianum und das unvollendete Werk gegen Julian von Eclanum.

Der Gegensatz zu Pelagius

Pelagius lehrte: Adam hat ein schlechtes Beispiel gegeben. Jeder Mensch wird unschuldig geboren und kann durch freien Willen, Gesetz und das Vorbild Christi sündlos leben. Gnade ist vor allem Belehrung und Vergebung nach begangener Tat, nicht heilende, zuvorkommende Kraft von Anfang an.

Augustin antwortete: Das unterschätzt sowohl die Tiefe des Falls als auch die Notwendigkeit der Gnade. Wenn der Mensch aus eigener Kraft das Gute tun kann, braucht er Christus nicht wirklich als Erlöser, sondern nur als Lehrer.

Die Synoden von Karthago (418) und später Orange (529) folgten im Wesentlichen Augustin und verwarfen den Pelagianismus.

Prüfung am Wort Gottes

Was der Text wirklich sagt

Römer 5,12–19 und 1. Korinther 15,21–22.45–49 lehren eine reale Solidarität mit Adam:

  • Durch einen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod.
  • Der Tod drang zu allen durch.
  • Durch den Ungehorsam des einen wurden die vielen zu Sündern gesetzt (κατεστάθησαν).
  • «In Adam sterben alle.»

Das ist mehr als blosses Nachahmen. Es gibt eine heilsgeschichtliche und föderale Verbindung: Adam ist Haupt der alten Menschheit, Christus Haupt der neuen. Der Tod herrschte auch über die, die nicht in gleicher Weise wie Adam übertreten hatten (Röm 5,14) — das spricht gegen reine Imitation.

Psalm 51,7 («in Sünde hat mich meine Mutter empfangen»), Epheser 2,3 («von Natur Kinder des Zorns») und die durchgängige Schriftlehre von der verdorbenen Herzensbeschaffenheit des Menschen (1. Mose 6,5; 8,21; Jeremia 17,9) belegen eine ererbte Verderbnis.

Wo Augustin über den Text hinausgeht

  • Die Formulierung «alle haben in Adam persönlich mitgesündigt», weil sie semenhaft in ihm waren, steht so nicht da. Sie ist eine philosophisch-anthropologische Konstruktion (seminale Identität), nicht direkte Exegese von ἐφ’ ᾧ.
  • Die Übertragung als rechtliche Schuld auf neugeborene Kinder, die selbst noch keine Tat begangen haben, und die daraus folgende Verdammnis ungetaufter Säuglinge, hat im Neuen Testament keine klare Stütze. Jesus nimmt Kinder auf (Markus 10,14), ohne von ihrer Erbschuld zu reden.
  • Die starke Bindung der Übertragung an die geschlechtliche Begierde (Konkupiszenz als eigentliches Übertragungsmedium) ist augustinisch, nicht paulinisch. Paulus redet von «einem Menschen» und «einer Übertretung», nicht von der Sexualität als Vehikel.
  • Die Unterscheidung, die spätere Theologie machte (peccatum originale originans = Adams Tat vs. originatum = der Zustand in uns), ist hilfreich. Augustin selbst vermengte oft Schuld und Verderbnis stärker.

Kurz: Die Schrift lehrt eine reale Auswirkung von Adams Fall auf alle (Tod, verdorbene Natur, Stellung als Sünder). Sie lehrt nicht in gleicher Deutlichkeit die forensische Anrechnung von Adams persönlicher Tat auf jedes Kind als dessen eigene Schuld im Sinne Augustins.

Spätere Entwicklung

  • Katholisch (Trient 1546): Die Erbsünde wird durch Fortpflanzung, nicht durch Nachahmung übertragen. Die Taufe nimmt den reatus weg; die Konkupiszenz bleibt als «Zunder» (fomes peccati), ist aber in den Getauften nicht mehr Sünde im eigentlichen Sinn. Maria wird ausgenommen (Unbefleckte Empfängnis).
  • Reformatoren: Luther und Calvin übernahmen die Erbschuld oft noch schärfer (zugerechnete Schuld + totale Verderbtheit). Viele spätere Protestanten unterscheiden stärker zwischen zugerechneter Schuld und ererbter Verderbnis.
  • Östliche Kirche: Spricht eher von «Ahnen-Sünde» (προπατορικὴ ἁμαρτία): Sterblichkeit und Verderbnis werden weitergegeben, nicht in gleicher Weise die persönliche Schuld Adams an jedes Kind.

Liebi hat also recht, wenn er die Vulgata-Lesart «in quo» und die daraus gezogene «vererbte Sündentat» kritisiert. Er hat nicht recht, wenn er daraus eine rein biologische Vaterlinien-Theorie macht. Die Schrift bleibt bei der föderalen und heilsgeschichtlichen Aussage: Durch den einen Menschen kam Sünde und Tod; durch den einen Menschen Jesus Christus kommt die Gerechtigkeit und das Leben. Die genaue «Mechanik» der Übertragung (Samen, Seele, Rechtstellung, Natur) spezifiziert sie nicht. Genau dort hat Augustin — und nach ihm viele andere — ergänzt, was der Text selbst offenlässt.

 

 

ByNino2026 hat auf diesen Beitrag reagiert.
ByNino2026



IN CHRISTO!
HANS PETER WEPF
BIBELKREIS.CH
YT: MEIN KANAL