Glaubensforum

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

J. Calvin "lehrte", dass Kinder von Babygetauften wiedergeboren seien. Und Luther ? ...

Das Wort Gottes lehrt keine automatische Wiedergeburt von Kindern aufgrund der Taufe oder des Glaubens der Eltern.
Wiedergeburt ist das souveräne, persönliche Werk des Heiligen Geistes, das mit Glauben und Umkehr verbunden ist – nicht mit einem äusseren Ritus oder der Bundeszugehörigkeit der Eltern.

Was Calvin tatsächlich lehrte

Calvin vertrat in den Institutes (bes. IV,15–16) eine starke Kontinuität zwischen dem Abrahamsbund und dem Neuen Bund. Kinder gläubiger Eltern gehören seiner Ansicht nach kraft der Verheißung („Ich will dein und deines Samens Gott sein“, 1. Mose 17) bereits zum Bund und sind „heilig“ (1. Korinther 7,14). Die Kindertaufe ist das Siegel dieser Zugehörigkeit, analog zur Beschneidung.

Er lehrte ausdrücklich, dass Gott Säuglinge wiedergeboren kann und bei den Erwählten, die im Kindesalter sterben, dies auch tut: „Diejenigen Säuglinge, die gerettet werden sollen (und dass einige in diesem Alter gerettet werden, ist gewiss), müssen zuvor vom Herrn wiedergeboren worden sein.“ Die Taufe geschieht „auf künftige Buße und Glauben hin“; der Same davon liege durch das geheime Wirken des Geistes schon in ihnen. Er verband dies mit der Verheißung, nicht mit einer mechanischen Wirkung des Wassers. Die Position ist also bundes- und erwählungstheologisch, nicht einfach „jedes Kind getaufter Eltern ist wiedergeboren“.

Was das Wort Gottes lehrt

Die Schrift kennt keine Lehre, wonach die Kinder von Getauften oder Gläubigen automatisch wiedergeboren sind.

  • Wiedergeburt ist Neugeburt aus dem Geist und dem Wort: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Johannes 3,3). „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Johannes 3,6). „Ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes“ (1. Petrus 1,23). Das Wort und der Geist wirken persönlich; es gibt keinen Hinweis auf eine erbliche oder rituelle Übertragung.
  • Glaube und Buße gehen der rettenden Taufe voraus: Die neutestamentlichen Beispiele zeigen durchgehend: Hören des Evangeliums → Glaube/Buße → Taufe (Apostelgeschichte 2,38.41; 8,12.36–38; 10,44–48; 16,31–34; 18,8). „Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden“ (Markus 16,16). „Wenn du mit deinem Munde Jesus als Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst… so wirst du errettet werden“ (Römer 10,9–10). Säuglinge können weder glauben noch bekennen.
  • 1. Korinther 7,14 („sonst wären eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig“) spricht von einer relativen, äußerlichen Heiligkeit bzw. Absonderung im Familienkontext (analog zu heiligem Brot oder Geräten), nicht von der inneren Wiedergeburt und Rechtfertigung. Paulus setzt hier keine Heilsgewissheit oder automatische Errettung voraus.
  • Der Neue Bund ist nicht einfach die Fortsetzung des alten Bundesvolks mit Kindern: Jeremia 31,31–34 und Hebräer 8 betonen, dass im Neuen Bund alle den Herrn erkennen – von klein bis groß. Die Gemeinde besteht aus Wiedergeborenen, die Christus persönlich angehören (Johannes 1,12–13; Galater 3,26–29). Die Beschneidung war Zeichen des nationalen Bundes mit Israel; die Taufe ist Zeichen der Vereinigung mit Christus durch Glauben.
  • Erwählung und Errettung sind persönlich: Gott rettet, wen er will, auch Kinder (wie Johannes den Täufer, der vom Mutterleib an mit dem Heiligen Geist erfüllt war, Lukas 1,15). Das ist jedoch keine Regel, die an die Taufe der Eltern gebunden ist, und es ersetzt nicht die Notwendigkeit des Glaubens. Die Schrift gibt keine Garantie, dass Kinder gläubiger Eltern gerettet sind.

Zusammengefasst: Calvin übertrug bundes-theologische Kategorien aus dem Alten Testament und der Beschneidung auf die Taufe und nahm an, dass Gott bei den Erwählten unter den Kindern der Gläubigen schon früh wirken kann. Das Wort Gottes selbst lehrt dagegen die Notwendigkeit der persönlichen Neugeburt durch den Geist und das Wort, verbunden mit Glauben und Buße. Die Taufe folgt dem Glauben; sie bewirkt ihn nicht und überträgt ihn auch nicht erblich. Jeder Mensch – ob Kind oder Erwachsener – muss selbst aus Gott geboren werden.

Martin Luther verteidigte die Kindertaufe nachdrücklich und sah sie als gültiges, von Gott gebotenes Sakrament an. Er wandte sich scharf gegen die „Wiedertäufer“ (Täufer), die nur die Taufe von glaubenden Erwachsenen anerkannten.

Kernpunkte von Luthers Verständnis

Luther verstand die Taufe als Gottes Werk und Verheißung, nicht als menschliche Entscheidung oder bloßes Bekenntniszeichen. Im Großen Katechismus (1529) und in der Schrift Von der Wiedertaufe (1528) formulierte er seine Position klar:

  • Die Taufe ist an Gottes Wort und Gebot gebunden (Matthäus 28,19), nicht an den bewussten Glauben des Täuflings. „Mein Glaube macht nicht die Taufe, sondern empfängt die Taufe.“ Auch wenn der Glaube fehlen sollte, bleibt die Taufe gültig, weil Gott in seinem Wort und Befehl handelt.
  • Kinder können glauben. Luther lehrte die fides infantium (Kinderglaube). Gott kann durch sein Wort und den Heiligen Geist auch in Säuglingen Glauben wirken. Er verwies auf Jesu Worte über die Kinder („Lasst die Kinder zu mir kommen…“, Markus 10,14) und auf Johannes den Täufer, der schon im Mutterleib mit dem Heiligen Geist erfüllt war (Lukas 1,15.41). Glaube ist für ihn nicht primär verstandesmäßige Einsicht, sondern empfangendes Vertrauen, das Gott schenkt.
  • Die Kindertaufe ist die sicherste Form der Taufe, weil ein Kind nicht heucheln kann. Erwachsene könnten vorgeben zu glauben, Säuglinge nicht.
  • Die Kirche bringt das Kind „in der Meinung und Hoffnung, dass es glaube, und bittet, dass Gott ihm den Glauben gebe“. Getauft wird es aber allein um des Gebots Gottes willen, nicht auf den Glauben der Eltern oder des Kindes hin.
  • Die Taufe wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tod und Teufel und schenkt die ewige Seligkeit allen, die daran glauben (Kleiner Katechismus). Sie ist zugleich einmaliges Geschehen und täglicher Rückbezug: Buße ist „Wiedergang und Zutreten zur Taufe“.

Begründung

Luther stützte sich auf:

  • den Taufbefehl Jesu („alle Völker“),
  • die Haushaltstaufen in der Apostelgeschichte,
  • die Parallelität zur Beschneidung (die auch an Kindern vollzogen wurde),
  • die kirchliche Tradition (die Kindertaufe sei seit apostolischer Zeit geübt worden),
  • und vor allem darauf, dass Gott vielen als Kinder Getauften den Heiligen Geist gegeben habe.

Er lehnte die Idee ab, die Gültigkeit der Taufe vom Glauben des Täuflings oder des Taufenden abhängig zu machen. Das würde den Menschen auf sich selbst zurückwerfen und die Taufe unsicher machen.

Kurzer Vergleich zur calvinischen Sicht

Während Calvin stärker bundes-theologisch argumentierte (Kinder gehören kraft der Verheißung schon zum Bund und erhalten das Siegel), betonte Luther stärker den sakramentalen Charakter der Taufe selbst als Mittel der Gnade, durch das Gott auch dem Kind Glauben und Vergebung schenkt. Beide Reformatoren hielten jedoch an der Kindertaufe fest und verwarfen die Wiedertaufe.

Luther sah in der Ablehnung der Kindertaufe eine Gefahr, die das Evangelium und die Heilsgewissheit untergrabe.

. Römer 6,3–4

„Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft worden sind, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.“

Lehre: Die Taufe bedeutet Mitsterben und Mitbegrabenwerden mit Christus. Der Gläubige wird in den Tod Christi hinein getauft. Dadurch ist die Herrschaft der Sünde gebrochen. Die Auferstehung Christi begründet das neue Leben. Die Taufe ist hier eng mit dem tatsächlichen Heilsgeschehen verbunden – nicht bloß symbolisch, sondern als realer Anschluss an Christi Tod und Auferstehung.

2. Galater 3,26–27

„Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus. Denn so viele euer auf Christus getauft worden sind, ihr habt Christus angezogen.“

Lehre: Die Taufe ist das Anziehen Christi. Sie setzt den Glauben voraus („durch den Glauben“) und führt in die Sohnschaft. Wer auf Christus getauft ist, hat Christus selbst „angezogen“ – er ist mit Ihm bekleidet und gehört Ihm. Die Stelle betont die Einheit aller Gläubigen in Christus und verbindet Glauben und Taufe eng miteinander.

3. Kolosser 2,11–12

„in dem ihr auch beschnitten worden seid mit einer nicht mit Händen geschehenen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes des Fleisches, in der Beschneidung des Christus, mit ihm begraben in der Taufe, in dem ihr auch mitauferweckt worden seid durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.“

Lehre: Die Taufe ist die neutestamentliche Entsprechung zur Beschneidung – aber geistlich: das „Ausziehen des Leibes des Fleisches“. Der Gläubige wird mit Christus begraben und durch den Glauben an Gottes Kraft mitauferweckt. Hier wird die Taufe klar als Realgeschehen beschrieben, das mit dem Glauben an die Auferstehungskraft Gottes verbunden ist.

4. 1. Petrus 3,21

„welches jetzt auch euch errettet, das Gegenbild, die Taufe (nicht das Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen) durch die Auferstehung Jesu Christi.“

Lehre: Die Taufe errettet – nicht als äußere Waschung des Körpers, sondern als „Bitte (oder Anrufung) an Gott um ein gutes Gewissen“. Die rettende Kraft liegt in der Auferstehung Jesu Christi. Die Taufe ist das Gegenbild zur Rettung durch die Arche. Sie ist wirksam durch die Auferstehung, nicht durch das Wasser an sich.

Zusammenfassung der vier Stellen

Das Neue Testament stellt die Taufe konsequent als Anschluss an den Tod und die Auferstehung Christi dar:

  • Mitsterben und Mitbegrabenwerden (Römer 6)
  • Anziehen Christi und Sohnschaft (Galater 3)
  • Geistliche Beschneidung und Mitauferweckung (Kolosser 2)
  • Rettung und gutes Gewissen durch die Auferstehung (1. Petrus 3)

In allen Stellen ist die Taufe mit Glauben verbunden und richtet sich an Menschen, die Christus angehören. Es fehlt jeder Hinweis auf eine Taufe ohne persönlichen Glauben oder auf eine automatische Wirkung bei Säuglingen. Die Taufe ist das sichtbare, von Gott eingesetzte Zeichen und Siegel des Heilsgeschehens, das der Gläubige empfängt.

Martin K. hat auf diesen Beitrag reagiert.
Martin K.



IN CHRISTO!
HANS PETER WEPF
BIBELKREIS.CH
YT: MEIN KANAL