Johannes 21.19 Petrus wird Gott durch die Art seines Todes verherrlichen.
Zitat von Hans Peter Wepf am 2. Oktober 2026, 7:39 Uhr
Obertitel, Vers und die johanneische Formel stehen im Bild:
sēmainōn poiō thanatō doxasei ton theon
— andeutend, mit welcher Todesart er Gott verherrlichen wird.
Die Hände entsprechen Johannes 21,18 (ausstrecken, gürten, hinbringen),
die Wolke dem kabod / der doxa, der Lichtweg dem „Folge mir nach“.YT Playliste
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Johannes 21,19 meint nicht, dass der Tod an sich „schön“ wäre oder dass Jesus Petrus nach der Liebesfrage bestrafen würde. Der Evangelist erklärt den Sinn der Voraussage: Petrus wird Gott durch die Art seines Todes verherrlichen. Das ist derselbe Sprachgebrauch, den Johannes vorher für den Tod Jesu selbst gebraucht.
Elberfelder 2023:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und hinbringen, wohin du nicht willst. Dies aber sagte er, andeutend, mit welchem Tode er Gott verherrlichen sollte. Und als er dies gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach.“ (Joh 21,18–19)
Griechisch zu Vers 19: touto de eipen sēmainōn poiō thanatō doxasei ton theon — „dies aber sagte er, andeutend (sēmainōn), mit welcher Todesart er Gott verherrlichen wird (doxasei)“.
Dasselbe Verb sēmainō (andeuten, bezeichnen) und dieselbe Wendung „mit welcher Todesart“ stehen in Johannes 12,33 und 18,32 beim Tod Jesu. Johannes zieht bewusst die Linie: Wie der Tod Jesu den Vater verherrlicht, so wird auch der Tod des wiederhergestellten Petrus Gott verherrlichen.
Was „verherrlichen“ (doxazō) hier heißt
Im Johannesevangelium ist Verherrlichung kein bloßes „Lob aussprechen“, sondern dass Gottes Wesen, Treue und Herrlichkeit sichtbar und bezeugt werden.
- Beim Herrn selbst: Die Stunde der Erhöhung am Kreuz ist die Stunde der Verherrlichung (Joh 12,23–28; 13,31–32; 17,1–5). Der Gehorsam bis zum Tod offenbart die Liebe des Vaters und die Herrlichkeit des Sohnes.
- Bei Petrus: Sein Tod wird Gott verherrlichen, weil er nicht mehr aus Eigenwille („gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du wolltest“) handelt, sondern gebunden und geführt wird, wohin er von Natur aus nicht will. Die Treue bis in den gewaltsamen Tod bezeugt: Christus ist mehr wert als das eigene Leben. Das ist Frucht, die den Vater ehrt (vgl. Joh 15,8).
„Wohin du nicht willst“ beschreibt den natürlichen Widerwillen des Menschen gegen einen solchen Tod — nicht, dass der Tod sinnlos oder nur Strafe wäre. Der Tod selbst bleibt Tod; Gott wird darin verherrlicht, weil Petrus in der Nachfolge bleibt.
Die Schrift selbst nennt die genaue römische Hinrichtungsart nicht. Die Wendung „die Hände ausstrecken“ und „ein anderer wird dich gürten und hinbringen“ wurde früh als Hinweis auf Kreuzigung verstanden. Die spätere kirchliche Überlieferung (Kreuzigung in Rom, nach manchen Berichten mit dem Kopf nach unten) steht außerhalb des Textes und ist nicht die Grundlage der Auslegung.
Petrus selbst greift die Voraussage später auf: Der Herr hat ihm gezeigt, dass das Ablegen seiner Hütte bald geschehen wird (2Petr 1,13–14). In 1Petr 4,14–16 schreibt er, dass Leiden um des Namens Christi willen Gott verherrlicht.
Warum zuerst die dreifache Liebesfrage und dann diese Voraussage?
Der Aufbau ist Wiederherstellung, nicht Abrechnung.
- Dreimalige Verleugnung (Joh 18) — dreimalige Frage nach der Liebe und dreifacher Hirtenauftrag (Joh 21,15–17). Petrus wird nicht verworfen. Der Herr kennt sein Herz („du weißt alles“) und setzt ihn wieder ein: Weide meine Lämmer / hüte / weide meine Schafe.
- Dann folgt der Preis der Nachfolge. Früher hatte Petrus gesagt: „Ich will mein Leben für dich lassen“ (Joh 13,37) — und versagte. Jetzt sagt der Auferstandene: Du wirst folgen, auch dorthin, wohin du nicht willst. Die frühere Selbstsicherheit wird durch Gnade erfüllt, nicht durch Petrus’ Kraft.
- Der Ruf „Folge mir nach“ (Joh 21,19) knüpft an die erste Berufung und an Joh 13,36 an: Damals konnte Petrus „jetzt“ nicht folgen; die Stunde kommt später. Nachfolge schließt den Weg des Herrn ein — bis in den Tod.
Die Reihenfolge ist also: zuerst die Liebe und der Dienst, dann die Kosten. Jesus sagt nicht: „Weil du mich dreimal verleugnet hast, stirbst du schrecklich.“ Er sagt: Du liebst mich; weide meine Schafe; und dieser Weg der Liebe und des Hirtendienstes wird dich bis in den Tod führen — und genau darin wird Gott verherrlicht.
Der Abschnitt ist damit kein „übler“ Nachsatz nach einer zärtlichen Szene, sondern die volle Wahrheit der Nachfolge: Wiederherstellung und Kreuz. Petrus soll nicht mehr sich selbst gürten und gehen, wohin er will, sondern dem Herrn nachfolgen. Dasselbe gilt im Grundsatz für jeden Jünger (Joh 12,25–26; Mt 16,24), auch wenn nicht jeder denselben gewaltsamen Tod stirbt.
Der Herr bestimmt den Weg (Joh 21,22: „Wenn ich will … was geht es dich an? Folge du mir nach“). Petrus soll nicht mit Johannes vergleichen, sondern dem Ruf folgen, der ihm gilt.
δόξα (doxa) und das Verb δοξάζω (doxazō) gehören zu den tragenden Begriffen des NT. Sie stehen hinter dem deutschen „Herrlichkeit / verherrlichen“ in Johannes 21,19.
Herkunft
Klassisch kommt doxa von δοκέω (dokeō) — „scheinen, meinen, den Anschein haben“. Die Grundbedeutung ist daher Meinung, Ansicht, Ruf, Ansehen.
In der Septuaginta (LXX) wird doxa fast durchgehend für hebräisch כָּבוֹד (kabod) gesetzt. Kabod heißt zuerst „Schwere, Gewicht“, dann „Gewichtigkeit, Ehre, Pracht“. Theologisch wird daraus die sichtbare, ehrfurchtgebietende Gegenwart Gottes (Wolke, Feuer, Tempel, Sinai). Die klassische Bedeutung „bloße Meinung“ fällt in der biblischen Sprache praktisch aus. Das NT übernimmt diesen LXX-Gebrauch.
Elberfelder gibt doxa meist mit Herrlichkeit, seltener mit Ehre wieder.
Vorkommen
- δόξα (doxa): etwa 166-mal im NT
- δοξάζω (doxazō): etwa 61-mal im NT
Besonders dicht ist das Johannesevangelium beim Verb: rund ein Drittel aller doxazō-Belege steht bei Johannes. Das ist kein Zufall — Verherrlichung ist ein Leitmotiv des vierten Evangeliums.
Bedeutungsfelder im NT
Man muss die Stellen unterscheiden, sonst wird „Herrlichkeit“ zu einem unklaren Sammelbegriff.
1. Menschliche Ehre und Ruf
Das, was Menschen einander zollen oder suchen.
- Joh 5,41.44: Jesus nimmt nicht doxa von Menschen; wer Ehre voneinander sucht, kann nicht glauben.
- Joh 12,43: Sie liebten die doxa der Menschen mehr als die doxa Gottes.
- Mt 6,2: Heuchler tun Almosen, „damit sie von den Menschen verherrlicht werden“ (doxasthōsin).
Hier ist doxa das soziale Gewicht, der gute Name. Johannes stellt diese menschliche doxa scharf der doxa von Gott her gegenüber.
2. Sichtbarer Glanz, Licht, Pracht
- Lk 2,9: Die doxa des Herrn umleuchtete die Hirten.
- Lk 9,31–32: Mose und Elia erscheinen in doxa; die Jünger sehen Jesu doxa auf dem Berg.
- Apg 22,11: Paulus von der doxa jenes Lichts geblendet.
- 1Kor 15,40–41: verschiedene doxa von Sonne, Mond, Sternen und Auferstehungsleib.
Das ist der kabod-Aspekt: wahrnehmbare Herrlichkeit.
3. Die Herrlichkeit Gottes selbst
Gottes Majestät, Wesen und Selbstoffenbarung.
- Röm 1,23: Sie vertauschten die doxa des unvergänglichen Gottes.
- Röm 3,23: Alle haben gesündigt und ermangeln der doxa Gottes.
- Röm 9,4: Israel hat die doxa (die Schechina-Gegenwart).
- Offb 15,8; 21,11.23: Der Tempel / die Stadt ist erfüllt von der doxa Gottes.
4. Eschatologische Herrlichkeit der Erlösten
- Röm 8,18.21: Die kommende doxa, die an uns offenbart werden soll; Freiheit der doxa der Kinder Gottes.
- 2Kor 4,17: Die leichte Trübsal wirkt eine überaus gewichtige ewige doxa — hier klingt kabod („Gewicht“) noch durch.
- 2Thess 2,14; 2Tim 2,10; 1Petr 5,1.4.10.
5. Doxologie — Gott die Herrlichkeit geben
Formelhaft: „Ihm sei die doxa“ (Röm 11,36; 16,27; Gal 1,5; Eph 3,21; Phil 4,20; 1Tim 1,17; 1Petr 4,11; Jud 25; Offb 1,6; 5,12–13).Dazu das Verb: Menschen doxazousin Gott nach Wundern (Mt 9,8; Mk 2,12; Lk 5,25–26; 7,16; Apg 11,18). Gute Werke sollen dazu führen, dass der Vater verherrlicht wird (Mt 5,16; 1Petr 2,12). Der Leib gehört dem Herrn: „Verherrlicht nun Gott in eurem Leib“ (1Kor 6,20).
6. Engelwesen als „Herrlichkeiten“
Plural doxai: 2Petr 2,10; Jud 8 — himmlische Würdenträger.Der johanneische Gebrauch — der Schlüssel zu Johannes 21,19
Bei Johannes ist doxa / doxazō nicht zuerst „Lobpreis von unten nach oben“, sondern Offenbarung und gegenseitige Verherrlichung von Vater und Sohn, und zwar gebunden an die „Stunde“.
Wichtige Stationen (Elberfelder-Sinn, mit Transliteration):
- Joh 1,14: „Wir haben seine doxa angeschaut, eine doxa als eines Eingeborenen vom Vater.“ Die Herrlichkeit des präexistenten Wortes wird im Fleisch gesehen — voller Gnade und Wahrheit.
- Joh 2,11: Das erste Zeichen in Kana — Jesus offenbarte seine doxa, und seine Jünger glaubten an ihn.
- Joh 11,4.40: Die Krankheit des Lazarus ist „zur doxa Gottes, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde (doxasthē)“. Wer glaubt, wird die doxa Gottes sehen.
- Joh 12,23.28: „Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde (doxasthē).“ Bitte: „Vater, verherrliche (doxason) deinen Namen.“ Stimme: „Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn wiederum verherrlichen.“
- Joh 12,41: Jesaja sah seine doxa (Jes 6, bezogen auf Christus).
- Joh 13,31–32: Nach dem Ausgang des Judas: „Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm … und wird ihn sogleich verherrlichen.“
- Joh 15,8: „Hierin wird mein Vater verherrlicht (edoxasthē), dass ihr viel Frucht bringt.“
- Joh 16,14: Der Geist der Wahrheit „wird mich verherrlichen“ (doxasei).
- Joh 17,1.4.5.22.24: Dichteste Häufung. „Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche.“ Jesus hat den Vater auf der Erde verherrlicht, indem er das Werk vollendete. Er bittet um die doxa, die er beim Vater hatte, ehe die Welt war. Diese doxa gibt er den Seinen.
Johanneisch gilt also:
- Die doxa des Sohnes ist die doxa des Vaters, sichtbar im Fleisch und vollendet in der Stunde.
- Doxazō ist wechselseitig: der Vater verherrlicht den Sohn, der Sohn den Vater.
- Die „Stunde“ ist Kreuz einschließlich Erhöhung und Auferstehung. Johannes nennt den Kreuzestod nicht Schande, sondern Verherrlichung — gegen jedes menschliche Ehrgefühl (vgl. Joh 12,23–24: das Weizenkorn muss sterben).
- Menschen können Gott verherrlichen, indem sie glauben, Frucht bringen und nachfolgen — nicht indem sie sich selbst doxa verschaffen.
Genau dieser Sprachgebrauch steht hinter Johannes 21,19:
sēmainōn poiō thanatō doxasei ton theon
„andeutend, mit welcher Todesart er Gott verherrlichen wird“Dieselbe Formel sēmainōn poiō thanatō hatte Johannes für den Tod Jesu gebraucht (12,33; 18,32). Petrus’ Tod tritt in dieselbe Linie: nicht menschliche Ehre, sondern Gehorsam bis dorthin, „wohin du nicht willst“, macht Gottes Herrlichkeit sichtbar. Der Hirte gibt — wie der gute Hirte in Joh 10 — das Leben. Dadurch wird Gott verherrlicht, wie der Vater im Sohn verherrlicht wurde.
Kurze Gegenüberstellung
Bereich doxa / doxazō meint Profangriechisch Meinung, Ruf, Ansehen LXX / kabod Gewicht, sichtbare Gottesgegenwart, Majestät Synoptiker / Apostelgeschichte Glanz, Wunderlob, Wiederkunft in Herrlichkeit Paulus Verlorene Herrlichkeit (Röm 3,23); Auferstehung durch die Herrlichkeit des Vaters (Röm 6,4); kommende Herrlichkeit; doxologische Formeln; Verherrlichung im Leib Johannes Geschaute Herrlichkeit des Fleischgewordenen; wechselseitige Verherrlichung Vater–Sohn in der Stunde; Frucht und Nachfolge bis in den Tod Offenbarung Thron- und Stadt-Herrlichkeit; „Würdig ist das Lamm“ Fazit für Johannes 21
„Verherrlichen“ in 21,19 ist kein frommes Sterbe-Lob. Es ist der johanneische doxazō-Begriff: Gottes Wesen wird erkennbar, wo jemand nicht mehr sich selbst gürtet, sondern dem Herrn nachfolgt — bis in den Tod, der dem natürlichen Willen widerspricht. Dieselbe Logik, mit der das Kreuz den Vater verherrlicht, gilt für den Märtyrertod des wiederhergestellten Petrus.
Wer doxa von Menschen sucht (Joh 5,44; 12,43), kann das nicht. Wer den Vater und den Sohn liebt, wird Gott verherrlichen — im Leben durch Frucht (15,8) und, wenn der Herr es so führt, auch im Sterben (21,19).

Obertitel, Vers und die johanneische Formel stehen im Bild:
sēmainōn poiō thanatō doxasei ton theon
— andeutend, mit welcher Todesart er Gott verherrlichen wird.
Die Hände entsprechen Johannes 21,18 (ausstrecken, gürten, hinbringen),
die Wolke dem kabod / der doxa, der Lichtweg dem „Folge mir nach“.
YT Playliste
Bibel und Bibeltools
http://www.bibelkreis.ch --- http://www.m316.ch
Johannes 21,19 meint nicht, dass der Tod an sich „schön“ wäre oder dass Jesus Petrus nach der Liebesfrage bestrafen würde. Der Evangelist erklärt den Sinn der Voraussage: Petrus wird Gott durch die Art seines Todes verherrlichen. Das ist derselbe Sprachgebrauch, den Johannes vorher für den Tod Jesu selbst gebraucht.
Elberfelder 2023:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und hinbringen, wohin du nicht willst. Dies aber sagte er, andeutend, mit welchem Tode er Gott verherrlichen sollte. Und als er dies gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach.“ (Joh 21,18–19)
Griechisch zu Vers 19: touto de eipen sēmainōn poiō thanatō doxasei ton theon — „dies aber sagte er, andeutend (sēmainōn), mit welcher Todesart er Gott verherrlichen wird (doxasei)“.
Dasselbe Verb sēmainō (andeuten, bezeichnen) und dieselbe Wendung „mit welcher Todesart“ stehen in Johannes 12,33 und 18,32 beim Tod Jesu. Johannes zieht bewusst die Linie: Wie der Tod Jesu den Vater verherrlicht, so wird auch der Tod des wiederhergestellten Petrus Gott verherrlichen.
Was „verherrlichen“ (doxazō) hier heißt
Im Johannesevangelium ist Verherrlichung kein bloßes „Lob aussprechen“, sondern dass Gottes Wesen, Treue und Herrlichkeit sichtbar und bezeugt werden.
- Beim Herrn selbst: Die Stunde der Erhöhung am Kreuz ist die Stunde der Verherrlichung (Joh 12,23–28; 13,31–32; 17,1–5). Der Gehorsam bis zum Tod offenbart die Liebe des Vaters und die Herrlichkeit des Sohnes.
- Bei Petrus: Sein Tod wird Gott verherrlichen, weil er nicht mehr aus Eigenwille („gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du wolltest“) handelt, sondern gebunden und geführt wird, wohin er von Natur aus nicht will. Die Treue bis in den gewaltsamen Tod bezeugt: Christus ist mehr wert als das eigene Leben. Das ist Frucht, die den Vater ehrt (vgl. Joh 15,8).
„Wohin du nicht willst“ beschreibt den natürlichen Widerwillen des Menschen gegen einen solchen Tod — nicht, dass der Tod sinnlos oder nur Strafe wäre. Der Tod selbst bleibt Tod; Gott wird darin verherrlicht, weil Petrus in der Nachfolge bleibt.
Die Schrift selbst nennt die genaue römische Hinrichtungsart nicht. Die Wendung „die Hände ausstrecken“ und „ein anderer wird dich gürten und hinbringen“ wurde früh als Hinweis auf Kreuzigung verstanden. Die spätere kirchliche Überlieferung (Kreuzigung in Rom, nach manchen Berichten mit dem Kopf nach unten) steht außerhalb des Textes und ist nicht die Grundlage der Auslegung.
Petrus selbst greift die Voraussage später auf: Der Herr hat ihm gezeigt, dass das Ablegen seiner Hütte bald geschehen wird (2Petr 1,13–14). In 1Petr 4,14–16 schreibt er, dass Leiden um des Namens Christi willen Gott verherrlicht.
Warum zuerst die dreifache Liebesfrage und dann diese Voraussage?
Der Aufbau ist Wiederherstellung, nicht Abrechnung.
- Dreimalige Verleugnung (Joh 18) — dreimalige Frage nach der Liebe und dreifacher Hirtenauftrag (Joh 21,15–17). Petrus wird nicht verworfen. Der Herr kennt sein Herz („du weißt alles“) und setzt ihn wieder ein: Weide meine Lämmer / hüte / weide meine Schafe.
- Dann folgt der Preis der Nachfolge. Früher hatte Petrus gesagt: „Ich will mein Leben für dich lassen“ (Joh 13,37) — und versagte. Jetzt sagt der Auferstandene: Du wirst folgen, auch dorthin, wohin du nicht willst. Die frühere Selbstsicherheit wird durch Gnade erfüllt, nicht durch Petrus’ Kraft.
- Der Ruf „Folge mir nach“ (Joh 21,19) knüpft an die erste Berufung und an Joh 13,36 an: Damals konnte Petrus „jetzt“ nicht folgen; die Stunde kommt später. Nachfolge schließt den Weg des Herrn ein — bis in den Tod.
Die Reihenfolge ist also: zuerst die Liebe und der Dienst, dann die Kosten. Jesus sagt nicht: „Weil du mich dreimal verleugnet hast, stirbst du schrecklich.“ Er sagt: Du liebst mich; weide meine Schafe; und dieser Weg der Liebe und des Hirtendienstes wird dich bis in den Tod führen — und genau darin wird Gott verherrlicht.
Der Abschnitt ist damit kein „übler“ Nachsatz nach einer zärtlichen Szene, sondern die volle Wahrheit der Nachfolge: Wiederherstellung und Kreuz. Petrus soll nicht mehr sich selbst gürten und gehen, wohin er will, sondern dem Herrn nachfolgen. Dasselbe gilt im Grundsatz für jeden Jünger (Joh 12,25–26; Mt 16,24), auch wenn nicht jeder denselben gewaltsamen Tod stirbt.
Der Herr bestimmt den Weg (Joh 21,22: „Wenn ich will … was geht es dich an? Folge du mir nach“). Petrus soll nicht mit Johannes vergleichen, sondern dem Ruf folgen, der ihm gilt.

δόξα (doxa) und das Verb δοξάζω (doxazō) gehören zu den tragenden Begriffen des NT. Sie stehen hinter dem deutschen „Herrlichkeit / verherrlichen“ in Johannes 21,19.
Herkunft
Klassisch kommt doxa von δοκέω (dokeō) — „scheinen, meinen, den Anschein haben“. Die Grundbedeutung ist daher Meinung, Ansicht, Ruf, Ansehen.
In der Septuaginta (LXX) wird doxa fast durchgehend für hebräisch כָּבוֹד (kabod) gesetzt. Kabod heißt zuerst „Schwere, Gewicht“, dann „Gewichtigkeit, Ehre, Pracht“. Theologisch wird daraus die sichtbare, ehrfurchtgebietende Gegenwart Gottes (Wolke, Feuer, Tempel, Sinai). Die klassische Bedeutung „bloße Meinung“ fällt in der biblischen Sprache praktisch aus. Das NT übernimmt diesen LXX-Gebrauch.
Elberfelder gibt doxa meist mit Herrlichkeit, seltener mit Ehre wieder.
Vorkommen
- δόξα (doxa): etwa 166-mal im NT
- δοξάζω (doxazō): etwa 61-mal im NT
Besonders dicht ist das Johannesevangelium beim Verb: rund ein Drittel aller doxazō-Belege steht bei Johannes. Das ist kein Zufall — Verherrlichung ist ein Leitmotiv des vierten Evangeliums.
Bedeutungsfelder im NT
Man muss die Stellen unterscheiden, sonst wird „Herrlichkeit“ zu einem unklaren Sammelbegriff.
1. Menschliche Ehre und Ruf
Das, was Menschen einander zollen oder suchen.
- Joh 5,41.44: Jesus nimmt nicht doxa von Menschen; wer Ehre voneinander sucht, kann nicht glauben.
- Joh 12,43: Sie liebten die doxa der Menschen mehr als die doxa Gottes.
- Mt 6,2: Heuchler tun Almosen, „damit sie von den Menschen verherrlicht werden“ (doxasthōsin).
Hier ist doxa das soziale Gewicht, der gute Name. Johannes stellt diese menschliche doxa scharf der doxa von Gott her gegenüber.
2. Sichtbarer Glanz, Licht, Pracht
- Lk 2,9: Die doxa des Herrn umleuchtete die Hirten.
- Lk 9,31–32: Mose und Elia erscheinen in doxa; die Jünger sehen Jesu doxa auf dem Berg.
- Apg 22,11: Paulus von der doxa jenes Lichts geblendet.
- 1Kor 15,40–41: verschiedene doxa von Sonne, Mond, Sternen und Auferstehungsleib.
Das ist der kabod-Aspekt: wahrnehmbare Herrlichkeit.
3. Die Herrlichkeit Gottes selbst
Gottes Majestät, Wesen und Selbstoffenbarung.
- Röm 1,23: Sie vertauschten die doxa des unvergänglichen Gottes.
- Röm 3,23: Alle haben gesündigt und ermangeln der doxa Gottes.
- Röm 9,4: Israel hat die doxa (die Schechina-Gegenwart).
- Offb 15,8; 21,11.23: Der Tempel / die Stadt ist erfüllt von der doxa Gottes.
4. Eschatologische Herrlichkeit der Erlösten
- Röm 8,18.21: Die kommende doxa, die an uns offenbart werden soll; Freiheit der doxa der Kinder Gottes.
- 2Kor 4,17: Die leichte Trübsal wirkt eine überaus gewichtige ewige doxa — hier klingt kabod („Gewicht“) noch durch.
- 2Thess 2,14; 2Tim 2,10; 1Petr 5,1.4.10.
5. Doxologie — Gott die Herrlichkeit geben
Formelhaft: „Ihm sei die doxa“ (Röm 11,36; 16,27; Gal 1,5; Eph 3,21; Phil 4,20; 1Tim 1,17; 1Petr 4,11; Jud 25; Offb 1,6; 5,12–13).
Dazu das Verb: Menschen doxazousin Gott nach Wundern (Mt 9,8; Mk 2,12; Lk 5,25–26; 7,16; Apg 11,18). Gute Werke sollen dazu führen, dass der Vater verherrlicht wird (Mt 5,16; 1Petr 2,12). Der Leib gehört dem Herrn: „Verherrlicht nun Gott in eurem Leib“ (1Kor 6,20).
6. Engelwesen als „Herrlichkeiten“
Plural doxai: 2Petr 2,10; Jud 8 — himmlische Würdenträger.
Der johanneische Gebrauch — der Schlüssel zu Johannes 21,19
Bei Johannes ist doxa / doxazō nicht zuerst „Lobpreis von unten nach oben“, sondern Offenbarung und gegenseitige Verherrlichung von Vater und Sohn, und zwar gebunden an die „Stunde“.
Wichtige Stationen (Elberfelder-Sinn, mit Transliteration):
- Joh 1,14: „Wir haben seine doxa angeschaut, eine doxa als eines Eingeborenen vom Vater.“ Die Herrlichkeit des präexistenten Wortes wird im Fleisch gesehen — voller Gnade und Wahrheit.
- Joh 2,11: Das erste Zeichen in Kana — Jesus offenbarte seine doxa, und seine Jünger glaubten an ihn.
- Joh 11,4.40: Die Krankheit des Lazarus ist „zur doxa Gottes, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde (doxasthē)“. Wer glaubt, wird die doxa Gottes sehen.
- Joh 12,23.28: „Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde (doxasthē).“ Bitte: „Vater, verherrliche (doxason) deinen Namen.“ Stimme: „Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn wiederum verherrlichen.“
- Joh 12,41: Jesaja sah seine doxa (Jes 6, bezogen auf Christus).
- Joh 13,31–32: Nach dem Ausgang des Judas: „Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm … und wird ihn sogleich verherrlichen.“
- Joh 15,8: „Hierin wird mein Vater verherrlicht (edoxasthē), dass ihr viel Frucht bringt.“
- Joh 16,14: Der Geist der Wahrheit „wird mich verherrlichen“ (doxasei).
- Joh 17,1.4.5.22.24: Dichteste Häufung. „Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche.“ Jesus hat den Vater auf der Erde verherrlicht, indem er das Werk vollendete. Er bittet um die doxa, die er beim Vater hatte, ehe die Welt war. Diese doxa gibt er den Seinen.
Johanneisch gilt also:
- Die doxa des Sohnes ist die doxa des Vaters, sichtbar im Fleisch und vollendet in der Stunde.
- Doxazō ist wechselseitig: der Vater verherrlicht den Sohn, der Sohn den Vater.
- Die „Stunde“ ist Kreuz einschließlich Erhöhung und Auferstehung. Johannes nennt den Kreuzestod nicht Schande, sondern Verherrlichung — gegen jedes menschliche Ehrgefühl (vgl. Joh 12,23–24: das Weizenkorn muss sterben).
- Menschen können Gott verherrlichen, indem sie glauben, Frucht bringen und nachfolgen — nicht indem sie sich selbst doxa verschaffen.
Genau dieser Sprachgebrauch steht hinter Johannes 21,19:
sēmainōn poiō thanatō doxasei ton theon
„andeutend, mit welcher Todesart er Gott verherrlichen wird“
Dieselbe Formel sēmainōn poiō thanatō hatte Johannes für den Tod Jesu gebraucht (12,33; 18,32). Petrus’ Tod tritt in dieselbe Linie: nicht menschliche Ehre, sondern Gehorsam bis dorthin, „wohin du nicht willst“, macht Gottes Herrlichkeit sichtbar. Der Hirte gibt — wie der gute Hirte in Joh 10 — das Leben. Dadurch wird Gott verherrlicht, wie der Vater im Sohn verherrlicht wurde.
Kurze Gegenüberstellung
| Bereich | doxa / doxazō meint |
|---|---|
| Profangriechisch | Meinung, Ruf, Ansehen |
| LXX / kabod | Gewicht, sichtbare Gottesgegenwart, Majestät |
| Synoptiker / Apostelgeschichte | Glanz, Wunderlob, Wiederkunft in Herrlichkeit |
| Paulus | Verlorene Herrlichkeit (Röm 3,23); Auferstehung durch die Herrlichkeit des Vaters (Röm 6,4); kommende Herrlichkeit; doxologische Formeln; Verherrlichung im Leib |
| Johannes | Geschaute Herrlichkeit des Fleischgewordenen; wechselseitige Verherrlichung Vater–Sohn in der Stunde; Frucht und Nachfolge bis in den Tod |
| Offenbarung | Thron- und Stadt-Herrlichkeit; „Würdig ist das Lamm“ |
Fazit für Johannes 21
„Verherrlichen“ in 21,19 ist kein frommes Sterbe-Lob. Es ist der johanneische doxazō-Begriff: Gottes Wesen wird erkennbar, wo jemand nicht mehr sich selbst gürtet, sondern dem Herrn nachfolgt — bis in den Tod, der dem natürlichen Willen widerspricht. Dieselbe Logik, mit der das Kreuz den Vater verherrlicht, gilt für den Märtyrertod des wiederhergestellten Petrus.
Wer doxa von Menschen sucht (Joh 5,44; 12,43), kann das nicht. Wer den Vater und den Sohn liebt, wird Gott verherrlichen — im Leben durch Frucht (15,8) und, wenn der Herr es so führt, auch im Sterben (21,19).