Johannes Evangelium Kapitel 3 Vers um Vers Auslegung
Zitat von Hans Peter Wepf am 25. August 2026, 14:12 Uhr
Johannes 3 – Kurz‑Zusammenfassung (EF 1905)
1. Nikodemus und die neue Geburt (V. 1–8)
Nikodemus, ein Pharisäer und Oberster der Juden, kommt bei Nacht zu Jesus.
Jesus sagt ihm: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“
Die neue Geburt ist nicht natürlich, sondern „aus Wasser und Geist“.
Der Geist wirkt souverän wie der Wind – unsichtbar, aber wirksam.
2. Himmlische Dinge – der Sohn des Menschen erhöht (V. 9–15)
Nikodemus versteht nicht; Jesus zeigt die geistliche Blindheit Israels.
Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist: der Sohn des Menschen.
Wie Mose die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden – Hinweis auf das Kreuz –, damit jeder, der glaubt, ewiges Leben hat.
3. Gottes Liebe und das Gericht (V. 16–21)
Gottes Liebe: Er gibt seinen eingeborenen Sohn, damit jeder Glaubende nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Der Sohn kommt nicht, um zu richten, sondern um zu retten.
Wer glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.
Das Gericht besteht darin: Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht.
Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht.
4. Johannes der Täufer bezeugt die Überlegenheit Christi (V. 22–30)
Diskussion über Reinigung entsteht; die Jünger des Johannes sind beunruhigt.
Johannes bezeugt: „Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm aus dem Himmel gegeben.“
Er ist der Freund des Bräutigams, nicht der Bräutigam.
Schlüsselwort: „Er muss wachsen, ich aber abnehmen.“
5. Der vom Himmel Kommende – der Sohn offenbart Gott (V. 31–36)
Jesus kommt von oben und ist über allen.
Er redet, was Er gesehen und gehört hat – reine Offenbarung Gottes.
Wer sein Zeugnis annimmt, versiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.
Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.
Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer dem Sohn nicht gehorcht, bleibt unter dem Zorn Gottes.
🧩 Kernbotschaft von Johannes 3
Neue Geburt: Ohne Wiedergeburt kein Zugang zum Reich Gottes.
Christus erhöht: Das Kreuz ist Gottes Heilsweg.
Gottes Liebe: Rettung für jeden Glaubenden.
Licht und Finsternis: Glaube führt ins Licht; Unglaube bleibt im Gericht.
Demut des Zeugen: Johannes weist weg von sich – hin zu Christus.
Vollmacht des Sohnes: Alles ist Ihm gegeben; Er allein schenkt Leben.
Jesus und Nikodemus – Die neue Geburt (3,1–21)
Vers 1
Es war aber ein Mensch aus den Pharisäern, sein Name Nikodemus, ein Oberster der Juden.Nikodemus ist Pharisäer und Mitglied des Sanhedrins („Oberster der Juden“). Ein angesehener, gesetzestreuer Mann aus der führenden Schicht Israels.
Vers 2
Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, daß du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.Er kommt „bei Nacht“ – möglicherweise aus Vorsicht oder weil er ungestört sprechen will. Er erkennt Jesus als von Gott gesandten Lehrer aufgrund der Zeichen (Anspielung auf 2,23). „Wir wissen“ deutet an, dass auch andere in seiner Umgebung ähnliche Gedanken haben.
Vers 3
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.Jesus geht sofort zum Kern. „Von neuem“ (ἄνωθεν) kann „von oben“ oder „von neuem“ bedeuten – beides trifft zu. Ohne neue Geburt ist das Reich Gottes unsichtbar und unerreichbar. Kein moralischer Fortschritt, kein religiöser Status genügt.
Vers 4
Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Male in den Leib seiner Mutter eingehen und geboren werden?Nikodemus versteht die Aussage zunächst rein natürlich und wörtlich. Die Frage zeigt die Begrenzung menschlichen Denkens.
Vers 5
Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.„Aus Wasser und Geist“ – die meisten bibeltreuen Ausleger sehen hier die Reinigung und die geistliche Neuschöpfung durch den Heiligen Geist (vgl. Hes 36,25–27; Tit 3,5). Es geht um die eine neue Geburt, die Wasser (Reinigung) und Geist umfasst, nicht um zwei getrennte Akte.
Vers 6
Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, ist Geist.Klare Unterscheidung der beiden Bereiche. Natürliche Geburt bringt nur fleischliches Leben hervor; geistliche Geburt bringt geistliches Leben.
Vers 7–8
Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; also ist jeder, der aus dem Geiste geboren ist.Das griechische Wort πνεῦμα bedeutet sowohl „Geist“ als auch „Wind“. Die Wirkung des Geistes ist real und hörbar, aber sein Ursprung und Ziel bleiben dem Menschen verborgen. Die neue Geburt ist Gottes souveränes Werk.
Vers 9–10
Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt dieses nicht?Nikodemus versteht immer noch nicht. Jesus stellt fest, dass der „Lehrer Israels“ (bestimmter Artikel) die alttestamentlichen Hinweise auf die Herzenserneuerung (z. B. Hes 36; Jer 31) nicht erfasst hat.
Vers 11–13
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmet ihr nicht an. Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubet nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage? Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.Jesus und die Seinen (oder der göttliche Plural) bezeugen himmlische Wirklichkeit. Der Sohn des Menschen ist der einzige, der vom Himmel herabgekommen ist und zugleich im Himmel ist – Ausdruck seiner göttlichen Allgegenwart und Präexistenz.
Vers 14–15
Und gleichwie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, also muß der Sohn des Menschen erhöht werden, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.Hinweis auf 4. Mose 21,8–9. Die Erhöhung des Sohnes des Menschen am Kreuz ist der Weg zum ewigen Leben. Glaube an den Erhöhten rettet.
Vers 16
Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.Der bekannteste Vers der Bibel. Gottes Liebe ist die Quelle. Er gab seinen einzigartigen Sohn. Die Bedingung ist Glaube – „jeder, der an ihn glaubt“. Das Ziel: nicht Verlorenheit, sondern ewiges Leben.
Vers 17
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf daß er die Welt richte, sondern auf daß die Welt durch ihn errettet werde.Der erste Kommen des Sohnes hat rettenden, nicht richtenden Charakter. Das Gericht kommt später für die, die ablehnen.
Vers 18
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.Glaubende stehen außerhalb des Gerichts. Unglaube ist bereits Gericht, weil er die einzige Rettung verwirft.
Vers 19–21
Dies aber ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Arges tut, haßt das Licht und kommt nicht zu dem Lichte, auf daß seine Werke nicht bloßgestellt werden; wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Lichte, auf daß seine Werke offenbar werden, daß sie in Gott gewirkt sind.Das Gericht besteht darin, dass die Menschen das Licht ablehnen und die Finsternis vorziehen. Die Werke offenbaren den Zustand des Herzens. Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht.
Das letzte Zeugnis des Täufers (3,22–36)
Vers 22–24
Jesus und die Jünger taufen in Judäa (eigentlich taufen die Jünger). Johannes tauft noch in Änon bei Salim, weil dort viel Wasser ist. Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen.Vers 25–26
Es entsteht eine Diskussion über Reinigung. Die Jünger des Johannes berichten, dass Jesus tauft und alle zu ihm kommen.Vers 27–30
Johannes antwortet:
Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben. … Er muß wachsen, ich aber abnehmen.Johannes erkennt seine von Gott zugewiesene Rolle. Er ist der Freund des Bräutigams, der sich freut, wenn der Bräutigam die Braut hat. Seine Freude ist vollkommen, wenn Christus wächst und er selbst abnimmt.
Vers 31–36
Der von oben Kommende ist über allen. Wer von der Erde ist, redet von der Erde. Der vom Himmel Kommende bezeugt, was er gesehen und gehört hat. Wer sein Zeugnis annimmt, besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist. Der Vater liebt den Sohn und hat ihm alles in die Hand gegeben.Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Klare Alternative: Glaube bringt ewiges Leben; Ungehorsam (Unglaube) lässt den Zorn Gottes bleiben.
Zusammenfassung
Kapitel 3 stellt die absolute Notwendigkeit der neuen Geburt heraus und zeigt den Weg dazu: der erhöhte Sohn des Menschen, der eingeborene Sohn, den Gott aus Liebe gegeben hat. Johannes der Täufer tritt bewusst zurück und bezeugt: Christus muss zunehmen.

Johannes 3 – Kurz‑Zusammenfassung (EF 1905)
1. Nikodemus und die neue Geburt (V. 1–8)
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Nikodemus, ein Pharisäer und Oberster der Juden, kommt bei Nacht zu Jesus.
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Jesus sagt ihm: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“
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Die neue Geburt ist nicht natürlich, sondern „aus Wasser und Geist“.
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Der Geist wirkt souverän wie der Wind – unsichtbar, aber wirksam.
2. Himmlische Dinge – der Sohn des Menschen erhöht (V. 9–15)
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Nikodemus versteht nicht; Jesus zeigt die geistliche Blindheit Israels.
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Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist: der Sohn des Menschen.
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Wie Mose die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden – Hinweis auf das Kreuz –, damit jeder, der glaubt, ewiges Leben hat.
3. Gottes Liebe und das Gericht (V. 16–21)
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Gottes Liebe: Er gibt seinen eingeborenen Sohn, damit jeder Glaubende nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
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Der Sohn kommt nicht, um zu richten, sondern um zu retten.
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Wer glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.
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Das Gericht besteht darin: Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht.
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Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht.
4. Johannes der Täufer bezeugt die Überlegenheit Christi (V. 22–30)
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Diskussion über Reinigung entsteht; die Jünger des Johannes sind beunruhigt.
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Johannes bezeugt: „Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm aus dem Himmel gegeben.“
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Er ist der Freund des Bräutigams, nicht der Bräutigam.
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Schlüsselwort: „Er muss wachsen, ich aber abnehmen.“
5. Der vom Himmel Kommende – der Sohn offenbart Gott (V. 31–36)
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Jesus kommt von oben und ist über allen.
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Er redet, was Er gesehen und gehört hat – reine Offenbarung Gottes.
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Wer sein Zeugnis annimmt, versiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.
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Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.
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Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer dem Sohn nicht gehorcht, bleibt unter dem Zorn Gottes.
🧩 Kernbotschaft von Johannes 3
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Neue Geburt: Ohne Wiedergeburt kein Zugang zum Reich Gottes.
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Christus erhöht: Das Kreuz ist Gottes Heilsweg.
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Gottes Liebe: Rettung für jeden Glaubenden.
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Licht und Finsternis: Glaube führt ins Licht; Unglaube bleibt im Gericht.
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Demut des Zeugen: Johannes weist weg von sich – hin zu Christus.
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Vollmacht des Sohnes: Alles ist Ihm gegeben; Er allein schenkt Leben.
Jesus und Nikodemus – Die neue Geburt (3,1–21)
Vers 1
Es war aber ein Mensch aus den Pharisäern, sein Name Nikodemus, ein Oberster der Juden.
Nikodemus ist Pharisäer und Mitglied des Sanhedrins („Oberster der Juden“). Ein angesehener, gesetzestreuer Mann aus der führenden Schicht Israels.
Vers 2
Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, daß du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.
Er kommt „bei Nacht“ – möglicherweise aus Vorsicht oder weil er ungestört sprechen will. Er erkennt Jesus als von Gott gesandten Lehrer aufgrund der Zeichen (Anspielung auf 2,23). „Wir wissen“ deutet an, dass auch andere in seiner Umgebung ähnliche Gedanken haben.
Vers 3
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.
Jesus geht sofort zum Kern. „Von neuem“ (ἄνωθεν) kann „von oben“ oder „von neuem“ bedeuten – beides trifft zu. Ohne neue Geburt ist das Reich Gottes unsichtbar und unerreichbar. Kein moralischer Fortschritt, kein religiöser Status genügt.
Vers 4
Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Male in den Leib seiner Mutter eingehen und geboren werden?
Nikodemus versteht die Aussage zunächst rein natürlich und wörtlich. Die Frage zeigt die Begrenzung menschlichen Denkens.
Vers 5
Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.
„Aus Wasser und Geist“ – die meisten bibeltreuen Ausleger sehen hier die Reinigung und die geistliche Neuschöpfung durch den Heiligen Geist (vgl. Hes 36,25–27; Tit 3,5). Es geht um die eine neue Geburt, die Wasser (Reinigung) und Geist umfasst, nicht um zwei getrennte Akte.
Vers 6
Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, ist Geist.
Klare Unterscheidung der beiden Bereiche. Natürliche Geburt bringt nur fleischliches Leben hervor; geistliche Geburt bringt geistliches Leben.
Vers 7–8
Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; also ist jeder, der aus dem Geiste geboren ist.
Das griechische Wort πνεῦμα bedeutet sowohl „Geist“ als auch „Wind“. Die Wirkung des Geistes ist real und hörbar, aber sein Ursprung und Ziel bleiben dem Menschen verborgen. Die neue Geburt ist Gottes souveränes Werk.
Vers 9–10
Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt dieses nicht?
Nikodemus versteht immer noch nicht. Jesus stellt fest, dass der „Lehrer Israels“ (bestimmter Artikel) die alttestamentlichen Hinweise auf die Herzenserneuerung (z. B. Hes 36; Jer 31) nicht erfasst hat.
Vers 11–13
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmet ihr nicht an. Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubet nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage? Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.
Jesus und die Seinen (oder der göttliche Plural) bezeugen himmlische Wirklichkeit. Der Sohn des Menschen ist der einzige, der vom Himmel herabgekommen ist und zugleich im Himmel ist – Ausdruck seiner göttlichen Allgegenwart und Präexistenz.
Vers 14–15
Und gleichwie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, also muß der Sohn des Menschen erhöht werden, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Hinweis auf 4. Mose 21,8–9. Die Erhöhung des Sohnes des Menschen am Kreuz ist der Weg zum ewigen Leben. Glaube an den Erhöhten rettet.
Vers 16
Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Der bekannteste Vers der Bibel. Gottes Liebe ist die Quelle. Er gab seinen einzigartigen Sohn. Die Bedingung ist Glaube – „jeder, der an ihn glaubt“. Das Ziel: nicht Verlorenheit, sondern ewiges Leben.
Vers 17
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf daß er die Welt richte, sondern auf daß die Welt durch ihn errettet werde.
Der erste Kommen des Sohnes hat rettenden, nicht richtenden Charakter. Das Gericht kommt später für die, die ablehnen.
Vers 18
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.
Glaubende stehen außerhalb des Gerichts. Unglaube ist bereits Gericht, weil er die einzige Rettung verwirft.
Vers 19–21
Dies aber ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Arges tut, haßt das Licht und kommt nicht zu dem Lichte, auf daß seine Werke nicht bloßgestellt werden; wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Lichte, auf daß seine Werke offenbar werden, daß sie in Gott gewirkt sind.
Das Gericht besteht darin, dass die Menschen das Licht ablehnen und die Finsternis vorziehen. Die Werke offenbaren den Zustand des Herzens. Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht.
Das letzte Zeugnis des Täufers (3,22–36)
Vers 22–24
Jesus und die Jünger taufen in Judäa (eigentlich taufen die Jünger). Johannes tauft noch in Änon bei Salim, weil dort viel Wasser ist. Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen.
Vers 25–26
Es entsteht eine Diskussion über Reinigung. Die Jünger des Johannes berichten, dass Jesus tauft und alle zu ihm kommen.
Vers 27–30
Johannes antwortet:
Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben. … Er muß wachsen, ich aber abnehmen.
Johannes erkennt seine von Gott zugewiesene Rolle. Er ist der Freund des Bräutigams, der sich freut, wenn der Bräutigam die Braut hat. Seine Freude ist vollkommen, wenn Christus wächst und er selbst abnimmt.
Vers 31–36
Der von oben Kommende ist über allen. Wer von der Erde ist, redet von der Erde. Der vom Himmel Kommende bezeugt, was er gesehen und gehört hat. Wer sein Zeugnis annimmt, besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist. Der Vater liebt den Sohn und hat ihm alles in die Hand gegeben.
Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Klare Alternative: Glaube bringt ewiges Leben; Ungehorsam (Unglaube) lässt den Zorn Gottes bleiben.
Zusammenfassung
Kapitel 3 stellt die absolute Notwendigkeit der neuen Geburt heraus und zeigt den Weg dazu: der erhöhte Sohn des Menschen, der eingeborene Sohn, den Gott aus Liebe gegeben hat. Johannes der Täufer tritt bewusst zurück und bezeugt: Christus muss zunehmen.