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Johannes Evangelium Kapitel 9 Vers um Vers Auslegung

Johannes 9 – Kurz‑Zusammenfassung (EF 2023)

1. Der Blindgeborene – Gottes Werk statt menschlicher Schuld (V. 1–7)

  • Jesus sieht einen blind geborenen Mann.

  • Die Jünger fragen nach der Ursache: Sünde des Mannes oder der Eltern?

  • Jesus korrigiert: „Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbar würden.“

  • Jesus macht einen Brei aus Speichel und Erde, bestreicht die Augen und sendet ihn zum Teich Siloah.

  • Der Mann geht, wäscht sich – und sieht.

2. Reaktionen der Nachbarn – erste Befragung (V. 8–12)

  • Die Leute sind erstaunt: Ist das derselbe Mann?

  • Er bezeugt schlicht: „Ich bin es.“

  • Auf die Frage nach dem Wie sagt er: Jesus machte Brei, salbte meine Augen, ich wusch mich – und jetzt sehe ich.

3. Die Pharisäer – zweite Befragung (V. 13–17)

  • Die Heilung geschah am Sabbat – Konfliktpunkt.

  • Einige Pharisäer sagen: Jesus kann nicht von Gott sein, weil Er den Sabbat nicht hält.

  • Andere: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun?

  • Der Geheilte bekennt: „Er ist ein Prophet.“

4. Die Eltern – Furcht vor den Juden (V. 18–23)

  • Die Juden glauben nicht, dass er blind war, und befragen die Eltern.

  • Die Eltern bestätigen die Blindheit, aber fürchten die Juden, die jeden ausschließen, der Jesus als Christus bekennt.

  • Sie sagen: „Er ist alt genug, fragt ihn selbst.“

5. Zweite Befragung des Geheilten – mutiges Zeugnis (V. 24–34)

  • Die Pharisäer drängen ihn, Jesus als Sünder zu bezeichnen.

  • Der Mann antwortet mit einer der stärksten Aussagen des Kapitels: „Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht; eines weiß ich: ich war blind und jetzt sehe ich.“

  • Er argumentiert klar: Gott hört nicht auf Sünder; niemand hat je gehört, dass ein Blindgeborener sehend wurde.

  • Die Pharisäer werden wütend und werfen ihn hinaus.

6. Jesus findet den Ausgestoßenen – Offenbarung des Sohnes Gottes (V. 35–38)

  • Jesus sucht den Mann und fragt: „Glaubst du an den Sohn Gottes?“

  • Der Mann fragt, wer es sei.

  • Jesus sagt: „Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es.“

  • Der Mann glaubt und wirft sich vor Ihm nieder.

7. Gerichtswort – Blindheit und Sehende (V. 39–41)

  • Jesus erklärt: „Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind werden.“

  • Die Pharisäer fragen, ob sie etwa blind seien.

  • Jesus antwortet: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde; jetzt aber sagt ihr: Wir sehen – darum bleibt eure Sünde.

 

🧩 Kernbotschaft von Johannes 9

  • Gottes Werk: Die Blindheit des Mannes dient der Offenbarung göttlicher Macht.

  • Sabbatkonflikt: Wieder zeigt sich die geistliche Blindheit der religiösen Führer.

  • Mutiges Zeugnis: Der Geheilte bekennt Christus trotz Druck und Ausschluss.

  • Christus als Licht: Er gibt körperliches und geistliches Sehen.

  • Gericht: Wer meint, geistlich zu sehen, aber Christus ablehnt, bleibt in Blindheit und Sünde.

  • Glaube: Der Ausgestoßene findet Christus – und Christus findet ihn.

Johannes 9 – Vers für Vers
(Elberfelder 2023)

Die Heilung des Blindgeborenen (9,1–12)

Vers 1–3
Und als er vorüberging, sah er einen Menschen, blind von Geburt. Und seine Jünger fragten ihn und sagten: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern auf daß die Werke Gottes an ihm geoffenbart würden.

Ein Mann, der von Geburt an blind ist. Die Jünger verbinden Leiden automatisch mit persönlicher Sünde. Jesus korrigiert: Die Blindheit dient der Offenbarung der Werke Gottes.

Vers 4–5
Ich muß die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, so lange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. So lange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Dringlichkeit des Wirkens, solange es Tag ist. Nochmals die Selbstoffenbarung als Licht der Welt (vgl. 8,12).

Vers 6–7
Als er dies gesagt hatte, spützte er auf die Erde und bereitete einen Kot aus dem Speichel und strich den Kot wie Salbe auf seine Augen; und er sprach zu ihm: Gehe hin, wasche dich in dem Teiche Siloam (was verdolmetscht wird: Gesandt). Da ging er hin und wusch sich und kam sehend.

Ungewöhnliche Handlung: Speichel-Kot als Salbe. Siloam = „Gesandt“ – Hinweis auf den Gesandten selbst. Der Mann gehorcht und wird sehend.

Vers 8–12
Die Nachbarn und früheren Bekannten sind unsicher, ob es derselbe ist. Er bezeugt: „Ich bin’s.“ Er berichtet von dem Menschen namens Jesus, der ihn gesalbt und nach Siloam geschickt hat. Wo Jesus jetzt ist, weiß er nicht.

Verhör vor den Pharisäern (9,13–34)

Vers 13–17
Sie bringen den einst Blinden zu den Pharisäern. Es war Sabbat, als Jesus den Kot bereitete. Die Pharisäer fragen nach dem Vorgang. Einige sagen: „Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht.“ Andere: „Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?“ Es entsteht Zwiespalt. Der Geheilte sagt: „Er ist ein Prophet.“

Vers 18–23
Die Juden glauben nicht, dass er blind geboren war, bis sie die Eltern rufen. Die Eltern bestätigen die Blindheit von Geburt, wissen aber nicht, wie er sehend wurde, und verweisen auf den mündigen Sohn – aus Furcht, aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden (die Juden hatten beschlossen, jeden auszuschließen, der ihn als Christus bekennt).

Vers 24–34
Sie rufen den Geheilten erneut und fordern: „Gib Gott die Ehre; wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist.“
Er antwortet mutig: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht; eines weiß ich: Blind war ich, und jetzt sehe ich.
Sie fragen wiederholt nach dem „Wie“. Er: Ich habe es euch schon gesagt. Wollt ihr etwa auch seine Jünger werden?
Sie schmähen ihn: Du bist sein Jünger; wir sind Moses Jünger. Von diesem wissen wir nicht, woher er ist.
Der Geheilte: Das ist ja das Wunderbare, daß ihr nicht wißt, woher er ist, und er hat meine Augen aufgetan. Wir wissen, daß Gott Sünder nicht erhört; wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den erhört er. Von Ewigkeit her ist nicht gehört worden, daß jemand die Augen eines Blindgeborenen aufgetan habe. Wäre dieser nicht von Gott, so könnte er nichts tun.
Sie antworten: Du bist ganz in Sünden geboren und du lehrst uns? Und sie warfen ihn hinaus.

Der Geheilte begegnet Jesus erneut (9,35–41)

Vers 35–38
Jesus hört, daß sie ihn hinausgeworfen haben, findet ihn und spricht: Glaubst du an den Sohn Gottes?
Der Mann: Wer ist er, Herr, auf daß ich an ihn glaube?
Jesus: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es.
Er spricht: Ich glaube, Herr – und betete ihn an.

Vers 39–41
Und Jesus sprach: Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, auf daß die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind werden.
Einige Pharisäer, die dabei sind: Sind denn auch wir blind?
Jesus: Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde; nun ihr aber saget: Wir sehen, so bleibt eure Sünde.


Zusammenfassung
Kapitel 9 zeigt die fortschreitende Erleuchtung des Blindgeborenen: von „ein Mensch namens Jesus“ über „ein Prophet“ bis zum anbetenden Glauben an den Sohn Gottes. Gleichzeitig verhärteten sich die Pharisäer in ihrer geistlichen Blindheit. Das physische Sehen wird zum Bild für geistliches Sehen und Nicht-Sehen.




IN CHRISTO!
HANS PETER WEPF
BIBELKREIS.CH
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