Matthäus 6 Vers um Vers
Zitat von Hans Peter Wepf am 2. Oktober 2026, 20:58 Uhr
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Matthäus 6
Der Vater im Verborgenen und das Reich, das zu suchen ist
Vers für Vers nach der Elberfelder 1905, mit den Abweichungen der Elberfelder 2023Heilsgeschichtliche Leitlinie
Kapitel 5 hat den König auf den Berg gesetzt und die Ordnung des nahen Reiches geredet: Land, Gesetz, Altar, Gerechtigkeit über die der Pharisäer. Kapitel 6 führt dieselbe Rede in das Verborgene. Almosen, Gebet und Fasten sollen nicht vor den Menschen glänzen. Das Gebet, das er lehrt, bittet: dein Reich komme. Die Sorge weicht, weil zuerst das Reich und seine Gerechtigkeit zu suchen sind. Die Angeredeten sind die Jünger des Königs in Israel. Die Synagoge steht noch. Die Nationen sind der Gegensatz. Die Gemeinde ist nicht die Beterin dieses Kapitels und nicht das Reich, um das gebetet wird.Zehn Punkte zur Einführung
1. Anschluss an Kapitel 5
Die Rede ist nicht zu Ende. Kapitel 7,28 wird sie erst schliessen. Was in Kapitel 5 vor den Menschen leuchten sollte, damit der Vater verherrlicht wird, soll in Kapitel 6 nicht getan werden, um von den Menschen gesehen zu werden. Beides bleibt. Der Vater in den Himmeln ist derselbe. Der Lohn, den Kapitel 5 genannt hat, wird hier verweigert, wo die Ehre schon von Menschen genommen ist.2. Almosen, Gebet, Fasten: drei Werke, ein Mass
Dreimal dieselbe Ordnung. Die Heuchler tun es, um gesehen zu werden, und haben ihren Lohn dahin. Der Jünger tut es im Verborgenen, und der Vater, der im Verborgenen sieht, vergilt. Synagogen und Strassenecken sind die Bühne der Heuchler. Die Kammer ist der Ort des Jüngers. Das sind Werke der Frömmigkeit Israels, nicht die Hausordnung der Gemeinde.3. Die Elberfelder 1905 liest in Vers 1 Almosen
Die Ausgabe 2023 liest oft Gerechtigkeit: habt acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt. Im Griechischen steht in einem Teil der Handschriften eleemosynen (ἐλεημοσύνην), Almosen, in anderen dikaiosynen (δικαιοσύνην), Gerechtigkeit. Die 1905 folgt der Lesart Almosen. Der Sinn der Rede trägt beides: das Tun der Gerechtigkeit, das sich im Almosen zeigt, soll nicht zur Schau stehen. Vers 2 redet dann ausdrücklich vom Almosen.4. Nicht plappern wie die von den Nationen
Die Nationen, hoi ethnikoi (οἱ ἐθνικοί), meinen, um des vielen Redens willen erhört zu werden. Der Jünger soll ihnen nicht gleich sein. Der Vater weiss, was not tut, ehe man bittet. Die Nationen sind hier das abschreckende Beispiel, nicht die Gemeinde und nicht die Empfänger des Evangeliums des Paulus. Der König unterscheidet sein Volk von den Nationen im Beten.5. Dein Reich komme
Das Gebet von Vers 9 bis 13 ist das Gebet der Jünger des nahen Reiches. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden. Das Reich, das kommen soll, ist das Reich, das Kapitel 3 und 4 nahe genannt haben, das Reich des Sohnes Davids, nicht die Gemeinde. Die Gemeinde bittet nicht um ihre eigene Ankunft. Sie ist kein Reich, das noch kommen muss. Israel bittet, dass der Name geheiligt und das verheissene Reich aufgerichtet werde. Hesekiel 36,23 steht hinter der Heiligung des Namens: die Nationen sollen erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich an euch vor ihren Augen geheiligt werde.6. Schulden und Vergebung
Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unsern Schuldnern vergeben. Verse 14 und 15 machen den Satz zur Bedingung: wenn ihr den Menschen nicht vergebet, wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben. Das ist Ordnung der Bergpredigt, nicht die Rechtfertigung des Gottlosen aus Glauben ohne Werke. Paulus bezeugt der Gemeinde eine Vergebung in dem Geliebten, Epheser 1,7, die nicht an das eigene Vergeben als Bedingung des Standes geknüpft ist. Matthäus 6 knüpft sie daran. Wer beides in einen Satz legt, lässt den König sagen, was er hier nicht sagt, oder Paulus, was er nicht sagt.7. Die Schlussworte von Vers 13
Die Elberfelder 1905 liest: denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Ein Teil der neueren Ausgaben setzt diesen Lobpreis in die Anmerkung, weil er in den ältesten Handschriften fehlt und in der gottesdienstlichen Verwendung gewachsen ist. Der Satz ist schriftgemäss in seinem Inhalt: das Reich ist seines. Er ist in der 1905 Teil des Gebetes. Man soll ihn nicht zur Gründung der Gemeinde umdeuten. Das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit gehören dem Vater, zu dem die Jünger beten.8. Schatz, Auge, Mammon
Der Schatz im Himmel ist der Lohn, den der Vater vergilt, nicht ein Kirchenvermögen. Das einfältige Auge macht den Leib licht. Das böse Auge, die Missgunst, macht ihn finster. Zwei Herren: Gott und der Mammon. Mammonas (μαμωνᾶς) ist das Gut, dem man dient. Der Jünger des Königs kann nicht beiden dienen. Das ist Reichsgehorsam, nicht die Stiftung einer christlichen Wirtschaft.9. Die Nationen trachten, der Vater weiss
Nach allem diesem trachten die Nationen. Euer himmlischer Vater weiss, dass ihr dies alles bedürft. Wieder der Gegensatz. Israel unter dem König soll nicht den Sinn der Nationen annehmen. Zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit. Dann wird das andere hinzugefügt. Die Gerechtigkeit ist die von Kapitel 5,20, die vorzüglichere, nicht zuerst die zugerechnete Gerechtigkeit des Römerbriefes. Hinzugefügt wird, was der Vater weiss. Die Sorge um den morgenden Tag ist Unglaube gegen diesen Vater.10. Ziel für Hörer und Leser
Wer das Kapitel hört, soll das Gebet des Reiches beten hören und es nicht zum Gemeindegebet umtaufen. Der Name soll geheiligt, das Reich kommen, der Wille auf Erden geschehen. Die Vergebung ist an das Vergeben gebunden. Der Lohn ist beim Vater, der im Verborgenen sieht. Die Nationen sind das Beispiel, dem man nicht gleich werden soll. Kapitel 7 wird die Rede mit Richten, Bitten, dem engen Tor und dem Haus auf dem Felsen schliessen.Vers für Vers
Vers 1
Habet acht, dass ihr euer Almosen nicht gebet vor den Menschen, um von ihnen gesehen zu werden; wenn aber nicht, so habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.
Prosechete (προσέχετε), habt acht. Die Elberfelder 1905 liest Almosen. Die Ausgabe 2023 liest an dieser Stelle oft Gerechtigkeit, nach der anderen Handschrift. Der Lohn, misthos (μισθός), ist bei dem Vater in den Himmeln, oder er ist nicht, wenn die Sicht der Menschen der Zweck war. Kapitel 5,16 wollte das Licht vor den Menschen, damit der Vater verherrlicht werde. Hier ist die Grenze: nicht um von ihnen gesehen zu werden. Der Vater ist euer Vater. Die Anrede gilt den Jüngern des Königs.Vers 2
Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Strassen, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.
Die Heuchler, hoi hypokritai (οἱ ὑποκριταί), posaunen in den Synagogen und auf den Strassen. Die Synagoge ist die Synagoge Israels. Die Ehre von Menschen ist ihr Lohn, apechousin ton misthon auton (ἀπέχουσιν τὸν μισθὸν αὐτῶν): sie haben ihn empfangen, es ist nichts mehr ausstehend. Wahrlich, ich sage euch. Der König spricht das über die Frömmigkeit zur Schau, nicht über das Almosen an sich. Geben bleibt. Die Posaune fällt.Vers 3
Du aber, wenn du Almosen gibst, so lass deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut.
Die Linke soll nicht wissen, was die Rechte tut. Das Verbergen geht bis in das eigene Wahrnehmen. Nicht einmal die andere Hand soll die Ehre des Gebens tragen. Das ist das Gegenteil der Posaune.Vers 4
Damit dein Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
En to kryto (ἐν τῷ κρυπτῷ), im Verborgenen. Der Vater sieht im Verborgenen und wird vergelten, apodosei (ἀποδώσει). Vergelten ist hier Lohn, nicht Strafe. Der Vater ist der, der im Verborgenen ist und sieht. Die Öffentlichkeit der Synagoge ist nicht der Ort dieses Lohnes.Vers 5
Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn die lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Strassen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.
Dieselbe Ordnung am Gebet. Stehend in den Synagogen und an den Ecken, um gesehen zu werden. Sie lieben es, philousin (φιλοῦσιν). Der Lohn ist dahin, weil die Sicht der Menschen der Zweck war. Das Gebet Israels wird nicht abgeschafft. Die Bühne wird abgeschafft.Vers 6
Du aber, wenn du betest, so geh in deine Kammer und, nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
Eis to tameion (εἰς τὸ ταμεῖον), in die Kammer. Die Tür geschlossen. Der Vater im Verborgenen. Vergelten wie in Vers 4. Das ist nicht das Verbot des gemeinsamen Gebets Israels. Es ist das Verbot des Gebets, das auf die Ecke der Strasse angewiesen ist. Der Jünger hat einen Vater, der ohne Zuschauer hört.Vers 7
Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, dass sie um ihres vielen Redens willen werden erhört werden.
Battalogesete (βατταλογήσητε), plappern, viel und leer reden. Wie die von den Nationen, hosper hoi ethnikoi (ὥσπερ οἱ ἐθνικοί). Sie meinen, die Menge der Worte erwirke das Hören. Der König stellt die Nationen als Warnung vor seine Jünger. Er macht die Nationen nicht zu Betern dieses Gebets und nicht zur Gemeinde.Vers 8
Seid ihnen nun nicht gleich; denn euer Vater weiss, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet.
Me oun homoiothete autois (μὴ οὖν ὁμοιωθῆτε αὐτοῖς). Nicht gleich werden. Der Vater weiss es zuvor, oiden ho pater hymon (οἶδεν ὁ πατὴρ ὑμῶν). Das Bittgebet wird damit nicht überflüssig. Vers 9 sagt: betet ihr nun also. Das Wissen des Vaters nimmt das leere Vielreden weg, nicht die Bitte.Vers 9
Betet ihr nun also: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme.
Houtos oun proseuchesthe hymeis (οὕτως οὖν προσεύχεσθε ὑμεῖς), betet ihr nun also. Unser Vater, Pater hemon (Πάτερ ἡμῶν), der in den Himmeln ist. Die Jünger beten gemeinsam als die, die diesen Vater haben. Geheiligt werde dein Name, hagiastheto to onoma sou (ἁγιασθήτω τὸ ὄνομά σου). Hesekiel 36,23: ich werde meinen grossen Namen heiligen, der entweiht worden ist unter den Nationen, und die Nationen werden erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen heilige. Die Heiligung des Namens hängt an dem, was Gott an Israel tut. Dein Reich komme, eltheto he basileia sou (ἐλθέτω ἡ βασιλεία σου). Das Reich soll kommen. Es ist noch nicht aufgerichtet. Es ist das Reich, das nahe gekommen ist und um dessen Ankunft die Jünger bitten. Die Gemeinde ist dieses Reich nicht.Vers 10
Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden.
Genetheto to thelema sou, hos en ourano kai epi ges (γενηθήτω τὸ θέλημά σου, ὡς ἐν οὐρανῷ καὶ ἐπὶ γῆς). Wie im Himmel, so auf Erden. Das ist die Bitte um die Aufrichtung des Willens Gottes auf der Erde, nicht nur im Herzen des Beters. Der Himmel ist schon der Ort, da sein Wille geschieht. Die Erde soll ihm gleich werden. Das ist Reichshoffnung. Die Erde, ge (γῆ), ist hier der Ort, auf dem das Reich kommen soll, das Land und die Welt unter dem König, nicht ein Bild für die Gemeinde.Vers 11
Unser nötiges Brot gib uns heute.
Ton arton hemon ton epiousion dos hemin semeron (τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον). Epiousion (ἐπιούσιον) ist das nötige, das für den Tag gehörige Brot. Heute, nicht die Scheune des morgenden Tages. Vers 25 bis 34 werden diese Bitte auslegen: der Vater weiss, was not tut. Das Brot ist das Brot der Jünger, die das Reich suchen, nicht ein besonderes Gemeindebrot.Vers 12
Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben.
Afes hemin ta opheilemata hemon (ἄφες ἡμῖν τὰ ὀφειλήματα ἡμῶν), vergib uns unsere Schulden. Hos kai hemeis (ὡς καὶ ἡμεῖς), wie auch wir vergeben. Die Vergebung, um die sie bitten, ist an ihr eigenes Vergeben gebunden. Lukas sagt Sünden. Matthäus sagt Schulden. Verse 14 und 15 lassen keinen Zweifel am Sinn. Das ist nicht Epheser 1,7. Es ist das Gebet des Königs an die Jünger der Bergpredigt.Vers 13
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Me eisenenkes hemas eis peirasmon (μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν), führe uns nicht in Versuchung. Sondern errette uns von dem Bösen, apo tou ponerou (ἀπὸ τοῦ πονηροῦ). Das Böse oder der Böse: das Wort trägt beides. Kapitel 4 hat den Versucher gezeigt. Die Bitte ist, nicht in die Probe geführt zu werden und aus der Hand des Bösen gerettet zu werden. Die Elberfelder 1905 schliesst: denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Die Ausgabe 2023 setzt diesen Lobpreis oft nicht in den Haupttext. Der Inhalt bleibt wahr, wo er gebetet wird: das Reich ist seines, nicht unseres und nicht das der Gemeinde. Amen schliesst die 1905.Vers 14
Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebet, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.
Paraptomata (παραπτώματα), Vergehungen. Wenn ihr vergebet, wird der Vater vergeben. Der Denn-Satz legt Vers 12 aus. Die Bedingung ist offen genannt. Wer sie in die Rechtfertigung aus Glauben ohne Werke umschreibt, schreibt sie um.Vers 15
Wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebet, so wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben.
Die Kehrseite. Nicht vergeben heisst: der Vater vergibt die Vergehungen nicht. Das ist Ernst der Bergpredigt. Matthäus 18,21 bis 35 wird dasselbe am Knecht zeichnen, der nicht erlassen hat. Die Ordnung gilt den Jüngern des Königs. Sie ist nicht der Stand der Gemeinde im Geliebten.Vers 16
Wenn ihr aber fastet, so sehet nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.
Das dritte Werk. Fasten, nesteuete (νηστεύητε). Düsteres Angesicht, damit man als Fastender erscheint. Jesaja 58 hat das Fasten schon getadelt, das nur zur Schau und zur Beugung des Halses da ist. Der Lohn ist dahin. Das Fasten selbst wird nicht verboten. Der König hat in Kapitel 4 gefastet. Die Jünger werden fasten, wenn der Bräutigam weggenommen ist, Matthäus 9,15. Hier wird die Verstellung verboten.Vers 17
Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht.
Salben und waschen: das gewöhnliche Angesicht, nicht das zur Schau verstellte. Der Fastende soll nicht aussehen wie ein Fastender. Das Fasten bleibt zwischen ihm und dem Vater.Vers 18
Damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinest, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
Dieselbe Vergeltung wie in Vers 4 und 6. Drei Werke, ein Vater, ein Verborgenes, ein Lohn. Die Heuchler haben den ihren dahin. Die Jünger haben den ihren bei dem Vater.Vers 19
Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstört, und wo Diebe durchgraben und stehlen.
Me thesaurizete (μὴ θησαυρίζετε). Schätze auf der Erde vergehen: Motte, Rost, Diebe. Durchgraben, dioryssousin (διορύσσουσιν), ist der Einbruch durch die Wand. Der Schatz der Erde ist kein sicherer Lohn.Vers 20
Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost zerstört, und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen.
Der Schatz im Himmel ist der Lohn, den der Vater vergilt, Vers 4. Matthäus 19,21 wird dem reichen Jüngling sagen: verkaufe und gib den Armen, so wirst du einen Schatz in den Himmeln haben. Das ist Reichslohn, nicht die Stiftung einer Gemeindekasse. Der Himmel ist hier der Ort, da der Vater vergilt, nicht ein Bild für die unsichtbare Kirche.Vers 21
Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.
Hopou gar estin ho thesauros sou, ekei estai kai he kardia sou (ὅπου γάρ ἐστιν ὁ θησαυρός σου, ἐκεῖ ἔσται καὶ ἡ καρδία σου). Das Herz folgt dem Schatz. Wer auf der Erde sammelt, hat das Herz auf der Erde. Wer beim Vater sammelt, hat das Herz beim Vater. Die vorzügliche Gerechtigkeit von Kapitel 5 beginnt am Ort des Herzens.Vers 22
Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
Ho lychnos tou somatos estin ho ophthalmos (ὁ λύχνος τοῦ σώματός ἐστιν ὁ ὀφθαλμός). Das einfältige Auge, haplous (ἁπλοῦς), ist das eine, ungeteilte Auge. Dann ist der Leib licht. Das Auge ist hier der Sinn, mit dem man den Schatz ansieht. Einfältig: nicht doppelt, nicht auf Gott und auf die Ehre zugleich.Vers 23
Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie gross die Finsternis!
Das böse Auge, poneros (πονηρός), ist die Missgunst und der geteilte Blick. Sprüche 28,22 kennt den Mann mit bösem Auge, der nach Reichtum hastet. Wenn das Licht in dir Finsternis ist, ist die Finsternis gross. Der Jünger, der das Licht des Königs empfangen hat und es zum bösen Auge macht, ist finsterer als der, der kein Licht hatte.Vers 24
Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhangen und den anderen verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon.
Dysi kyriois douleuein (δυσὶ κυρίοις δουλεύειν). Zwei Herren zugleich nicht. Gott oder der Mammon, mammona (μαμωνᾷ). Anhangen oder verachten. Der Dienst ist ungeteilt, wie die Huldigung in Kapitel 4,10 ungeteilt war. Der Jünger des Königs dient Gott. Der Mammon ist der andere Herr. Beides zusammen gibt es in dieser Rede nicht.Vers 25
Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise, und der Leib mehr als die Kleidung?
Dia touto (διὰ τοῦτο), deshalb: weil man nicht zwei Herren dient. Me merimnate (μὴ μεριμνᾶτε), seid nicht besorgt. Leben, psyche (ψυχή), und Leib. Das Leben ist mehr als die Speise, der Leib mehr als die Kleidung. Die Sorge kehrt die Ordnung um. Sie macht die Speise zum Herrn. Das ist die Sorge der Jünger, die das Reich suchen, nicht ein allgemeines Trostwort ohne den König.Vers 26
Sehet hin auf die Vögel des Himmels, dass sie nicht säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie?
Emblepsate eis ta peteina (ἐμβλέψατε εἰς τὰ πετεινά). Sie säen nicht, und der Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel vorzüglicher, mallon diapherete (μᾶλλον διαφέρετε). Die Jünger stehen über den Vögeln, weil sie den Vater haben, der das Reich gibt. Der Vergleich trägt nur, wo dieser Vater angeredet ist.Vers 27
Wer aber unter euch vermag mit Sorgen seiner Grösse eine Elle zuzusetzen?
Der Lebenslänge eine Elle zusetzen, pechyn hena (πῆχυν ἕνα). Die Sorge verlängert das Leben nicht. Sie ist ohnmächtig an dem, worüber sie sich sorgt. Der Vater, nicht die Sorge, hält das Mass.Vers 28
Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht.
Katamathete ta krina tou agrou (καταμάθετε τὰ κρίνα τοῦ ἀγροῦ). Die Lilien des Feldes mühen sich nicht und spinnen nicht. Der König zeigt auf das Feld Galiläas, nicht auf eine Werkstatt. Das Wachstum ist ohne die Sorge, die der Jünger sich macht.Vers 29
Ich sage euch aber, dass selbst nicht Salomon in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen.
Salomon in all seiner Herrlichkeit, 1. Könige 10. Der König Israels in seiner Pracht reicht an die Lilie nicht heran, die Gott kleidet. Der Vergleich ist absichtlich. Der Thron, den der Sohn Davids nicht aus der Hand des Versuchers nahm, ist auch nicht das Mass der Kleidung. Der Vater kleidet besser, als Salomon gekleidet war.Vers 30
Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, nicht vielmehr euch, Kleingläubige?
Das Gras in den Ofen, und doch gekleidet. Nicht vielmehr euch, ou pollo mallon hymas (οὐ πολλῷ μᾶλλον ὑμᾶς). Kleingläubige, oligopistoi (ὀλιγόπιστοι). Der Tadel gilt dem kleinen Glauben der Jünger, nicht dem Unglauben der Nationen. Sie haben den Vater und sorgen doch. Kleinglaube ist hier Unglaube gegen die Fürsorge dessen, der das Reich gibt.Vers 31
So seid nun nicht besorgt, indem ihr saget: Was sollen wir essen? oder: Was sollen wir trinken? oder: Was sollen wir anziehen?
Die drei Fragen der Sorge. Essen, trinken, anziehen. Der König verbietet nicht die Arbeit. Er verbietet die Sorge, die diese Fragen zum Herrn macht. Vers 11 hat das Brot für heute erbeten. Die Frage nach dem Morgen ist die Frage, die das Gebet nicht gestellt hat.Vers 32
Denn nach allem diesem trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiss, dass ihr dies alles bedürfet.
Panta gar tauta ta ethne epizetousin (πάντα γὰρ ταῦτα τὰ ἔθνη ἐπιζητοῦσιν). Nach allem diesem trachten die Nationen. Der Jünger soll diesen Sinn nicht haben. Der Vater weiss es. Vers 8 und Vers 32 sagen dasselbe. Die Nationen sind der Gegensatz zum Vaterwissen. Sie sind nicht die Gemeinde, die an die Stelle Israels getreten wäre.Vers 33
Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
Zeteite de proton ten basileian tou theou kai ten dikaiosynen autou (ζητεῖτε δὲ πρῶτον τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ καὶ τὴν δικαιοσύνην αὐτοῦ). Zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit. Die Elberfelder 1905 liest Reich Gottes. Manche Handschriften lesen nur das Reich. Der Sinn in dieser Rede ist derselbe: das Reich, das kommen soll, und die Gerechtigkeit, die Kapitel 5,20 zum Eingang gefordert hat. Hinzugefügt, prosthesetai (προστεθήσεται), wird das andere. Zuerst und hinzugefügt. Wer das Reich zur Gemeinde macht, sucht in diesem Vers etwas anderes als der König genannt hat.Vers 34
So seid nun nicht besorgt auf den morgenden Tag, denn der morgende Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.
Der morgende Tag sorgt für sich selbst. Jeder Tag hat an seinem Übel genug, arketon te hemera he kakia autes (ἀρκετὸν τῇ ἡμέρᾳ ἡ κακία αὐτῆς). Das Heute von Vers 11 ist das Mass. Das Übel des Tages genügt. Die Sorge um den morgenen Tag stiehlt den Tag, an dem das Reich zu suchen ist.Schluss des Kapitels
Matthäus 6 lässt den König die drei Werke ins Verborgene stellen und das Gebet des Reiches lehren. Der Name soll geheiligt werden. Das Reich soll kommen. Der Wille soll auf Erden geschehen wie im Himmel. Die Schulden werden erlassen, wie die Jünger erlassen. Der Lohn ist beim Vater, nicht auf der Strassenecke. Der Schatz folgt dem Herzen, das Auge dem Schatz, der Dienst dem einen Herrn. Die Nationen trachten. Die Jünger sollen zuerst das Reich und seine Gerechtigkeit suchen. Nichts davon gründet die Gemeinde. Das Reich, um das gebetet wird, ist das Reich, das nahe ist und noch kommen soll. Kapitel 7 wird die Rede schliessen: das Richten, das Bitten, das enge Tor und das Haus auf dem Felsen.Zum Weiterlesen im nächsten Kapitel: Matthäus 7, das enge Tor und das Haus auf dem Felsen.

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Matthäus 6
Der Vater im Verborgenen und das Reich, das zu suchen ist
Vers für Vers nach der Elberfelder 1905, mit den Abweichungen der Elberfelder 2023
Heilsgeschichtliche Leitlinie
Kapitel 5 hat den König auf den Berg gesetzt und die Ordnung des nahen Reiches geredet: Land, Gesetz, Altar, Gerechtigkeit über die der Pharisäer. Kapitel 6 führt dieselbe Rede in das Verborgene. Almosen, Gebet und Fasten sollen nicht vor den Menschen glänzen. Das Gebet, das er lehrt, bittet: dein Reich komme. Die Sorge weicht, weil zuerst das Reich und seine Gerechtigkeit zu suchen sind. Die Angeredeten sind die Jünger des Königs in Israel. Die Synagoge steht noch. Die Nationen sind der Gegensatz. Die Gemeinde ist nicht die Beterin dieses Kapitels und nicht das Reich, um das gebetet wird.
Zehn Punkte zur Einführung
1. Anschluss an Kapitel 5
Die Rede ist nicht zu Ende. Kapitel 7,28 wird sie erst schliessen. Was in Kapitel 5 vor den Menschen leuchten sollte, damit der Vater verherrlicht wird, soll in Kapitel 6 nicht getan werden, um von den Menschen gesehen zu werden. Beides bleibt. Der Vater in den Himmeln ist derselbe. Der Lohn, den Kapitel 5 genannt hat, wird hier verweigert, wo die Ehre schon von Menschen genommen ist.
2. Almosen, Gebet, Fasten: drei Werke, ein Mass
Dreimal dieselbe Ordnung. Die Heuchler tun es, um gesehen zu werden, und haben ihren Lohn dahin. Der Jünger tut es im Verborgenen, und der Vater, der im Verborgenen sieht, vergilt. Synagogen und Strassenecken sind die Bühne der Heuchler. Die Kammer ist der Ort des Jüngers. Das sind Werke der Frömmigkeit Israels, nicht die Hausordnung der Gemeinde.
3. Die Elberfelder 1905 liest in Vers 1 Almosen
Die Ausgabe 2023 liest oft Gerechtigkeit: habt acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt. Im Griechischen steht in einem Teil der Handschriften eleemosynen (ἐλεημοσύνην), Almosen, in anderen dikaiosynen (δικαιοσύνην), Gerechtigkeit. Die 1905 folgt der Lesart Almosen. Der Sinn der Rede trägt beides: das Tun der Gerechtigkeit, das sich im Almosen zeigt, soll nicht zur Schau stehen. Vers 2 redet dann ausdrücklich vom Almosen.
4. Nicht plappern wie die von den Nationen
Die Nationen, hoi ethnikoi (οἱ ἐθνικοί), meinen, um des vielen Redens willen erhört zu werden. Der Jünger soll ihnen nicht gleich sein. Der Vater weiss, was not tut, ehe man bittet. Die Nationen sind hier das abschreckende Beispiel, nicht die Gemeinde und nicht die Empfänger des Evangeliums des Paulus. Der König unterscheidet sein Volk von den Nationen im Beten.
5. Dein Reich komme
Das Gebet von Vers 9 bis 13 ist das Gebet der Jünger des nahen Reiches. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden. Das Reich, das kommen soll, ist das Reich, das Kapitel 3 und 4 nahe genannt haben, das Reich des Sohnes Davids, nicht die Gemeinde. Die Gemeinde bittet nicht um ihre eigene Ankunft. Sie ist kein Reich, das noch kommen muss. Israel bittet, dass der Name geheiligt und das verheissene Reich aufgerichtet werde. Hesekiel 36,23 steht hinter der Heiligung des Namens: die Nationen sollen erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich an euch vor ihren Augen geheiligt werde.
6. Schulden und Vergebung
Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unsern Schuldnern vergeben. Verse 14 und 15 machen den Satz zur Bedingung: wenn ihr den Menschen nicht vergebet, wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben. Das ist Ordnung der Bergpredigt, nicht die Rechtfertigung des Gottlosen aus Glauben ohne Werke. Paulus bezeugt der Gemeinde eine Vergebung in dem Geliebten, Epheser 1,7, die nicht an das eigene Vergeben als Bedingung des Standes geknüpft ist. Matthäus 6 knüpft sie daran. Wer beides in einen Satz legt, lässt den König sagen, was er hier nicht sagt, oder Paulus, was er nicht sagt.
7. Die Schlussworte von Vers 13
Die Elberfelder 1905 liest: denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Ein Teil der neueren Ausgaben setzt diesen Lobpreis in die Anmerkung, weil er in den ältesten Handschriften fehlt und in der gottesdienstlichen Verwendung gewachsen ist. Der Satz ist schriftgemäss in seinem Inhalt: das Reich ist seines. Er ist in der 1905 Teil des Gebetes. Man soll ihn nicht zur Gründung der Gemeinde umdeuten. Das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit gehören dem Vater, zu dem die Jünger beten.
8. Schatz, Auge, Mammon
Der Schatz im Himmel ist der Lohn, den der Vater vergilt, nicht ein Kirchenvermögen. Das einfältige Auge macht den Leib licht. Das böse Auge, die Missgunst, macht ihn finster. Zwei Herren: Gott und der Mammon. Mammonas (μαμωνᾶς) ist das Gut, dem man dient. Der Jünger des Königs kann nicht beiden dienen. Das ist Reichsgehorsam, nicht die Stiftung einer christlichen Wirtschaft.
9. Die Nationen trachten, der Vater weiss
Nach allem diesem trachten die Nationen. Euer himmlischer Vater weiss, dass ihr dies alles bedürft. Wieder der Gegensatz. Israel unter dem König soll nicht den Sinn der Nationen annehmen. Zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit. Dann wird das andere hinzugefügt. Die Gerechtigkeit ist die von Kapitel 5,20, die vorzüglichere, nicht zuerst die zugerechnete Gerechtigkeit des Römerbriefes. Hinzugefügt wird, was der Vater weiss. Die Sorge um den morgenden Tag ist Unglaube gegen diesen Vater.
10. Ziel für Hörer und Leser
Wer das Kapitel hört, soll das Gebet des Reiches beten hören und es nicht zum Gemeindegebet umtaufen. Der Name soll geheiligt, das Reich kommen, der Wille auf Erden geschehen. Die Vergebung ist an das Vergeben gebunden. Der Lohn ist beim Vater, der im Verborgenen sieht. Die Nationen sind das Beispiel, dem man nicht gleich werden soll. Kapitel 7 wird die Rede mit Richten, Bitten, dem engen Tor und dem Haus auf dem Felsen schliessen.
Vers für Vers
Vers 1
Habet acht, dass ihr euer Almosen nicht gebet vor den Menschen, um von ihnen gesehen zu werden; wenn aber nicht, so habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.
Prosechete (προσέχετε), habt acht. Die Elberfelder 1905 liest Almosen. Die Ausgabe 2023 liest an dieser Stelle oft Gerechtigkeit, nach der anderen Handschrift. Der Lohn, misthos (μισθός), ist bei dem Vater in den Himmeln, oder er ist nicht, wenn die Sicht der Menschen der Zweck war. Kapitel 5,16 wollte das Licht vor den Menschen, damit der Vater verherrlicht werde. Hier ist die Grenze: nicht um von ihnen gesehen zu werden. Der Vater ist euer Vater. Die Anrede gilt den Jüngern des Königs.
Vers 2
Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Strassen, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.
Die Heuchler, hoi hypokritai (οἱ ὑποκριταί), posaunen in den Synagogen und auf den Strassen. Die Synagoge ist die Synagoge Israels. Die Ehre von Menschen ist ihr Lohn, apechousin ton misthon auton (ἀπέχουσιν τὸν μισθὸν αὐτῶν): sie haben ihn empfangen, es ist nichts mehr ausstehend. Wahrlich, ich sage euch. Der König spricht das über die Frömmigkeit zur Schau, nicht über das Almosen an sich. Geben bleibt. Die Posaune fällt.
Vers 3
Du aber, wenn du Almosen gibst, so lass deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut.
Die Linke soll nicht wissen, was die Rechte tut. Das Verbergen geht bis in das eigene Wahrnehmen. Nicht einmal die andere Hand soll die Ehre des Gebens tragen. Das ist das Gegenteil der Posaune.
Vers 4
Damit dein Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
En to kryto (ἐν τῷ κρυπτῷ), im Verborgenen. Der Vater sieht im Verborgenen und wird vergelten, apodosei (ἀποδώσει). Vergelten ist hier Lohn, nicht Strafe. Der Vater ist der, der im Verborgenen ist und sieht. Die Öffentlichkeit der Synagoge ist nicht der Ort dieses Lohnes.
Vers 5
Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn die lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Strassen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.
Dieselbe Ordnung am Gebet. Stehend in den Synagogen und an den Ecken, um gesehen zu werden. Sie lieben es, philousin (φιλοῦσιν). Der Lohn ist dahin, weil die Sicht der Menschen der Zweck war. Das Gebet Israels wird nicht abgeschafft. Die Bühne wird abgeschafft.
Vers 6
Du aber, wenn du betest, so geh in deine Kammer und, nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
Eis to tameion (εἰς τὸ ταμεῖον), in die Kammer. Die Tür geschlossen. Der Vater im Verborgenen. Vergelten wie in Vers 4. Das ist nicht das Verbot des gemeinsamen Gebets Israels. Es ist das Verbot des Gebets, das auf die Ecke der Strasse angewiesen ist. Der Jünger hat einen Vater, der ohne Zuschauer hört.
Vers 7
Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, dass sie um ihres vielen Redens willen werden erhört werden.
Battalogesete (βατταλογήσητε), plappern, viel und leer reden. Wie die von den Nationen, hosper hoi ethnikoi (ὥσπερ οἱ ἐθνικοί). Sie meinen, die Menge der Worte erwirke das Hören. Der König stellt die Nationen als Warnung vor seine Jünger. Er macht die Nationen nicht zu Betern dieses Gebets und nicht zur Gemeinde.
Vers 8
Seid ihnen nun nicht gleich; denn euer Vater weiss, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet.
Me oun homoiothete autois (μὴ οὖν ὁμοιωθῆτε αὐτοῖς). Nicht gleich werden. Der Vater weiss es zuvor, oiden ho pater hymon (οἶδεν ὁ πατὴρ ὑμῶν). Das Bittgebet wird damit nicht überflüssig. Vers 9 sagt: betet ihr nun also. Das Wissen des Vaters nimmt das leere Vielreden weg, nicht die Bitte.
Vers 9
Betet ihr nun also: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme.
Houtos oun proseuchesthe hymeis (οὕτως οὖν προσεύχεσθε ὑμεῖς), betet ihr nun also. Unser Vater, Pater hemon (Πάτερ ἡμῶν), der in den Himmeln ist. Die Jünger beten gemeinsam als die, die diesen Vater haben. Geheiligt werde dein Name, hagiastheto to onoma sou (ἁγιασθήτω τὸ ὄνομά σου). Hesekiel 36,23: ich werde meinen grossen Namen heiligen, der entweiht worden ist unter den Nationen, und die Nationen werden erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen heilige. Die Heiligung des Namens hängt an dem, was Gott an Israel tut. Dein Reich komme, eltheto he basileia sou (ἐλθέτω ἡ βασιλεία σου). Das Reich soll kommen. Es ist noch nicht aufgerichtet. Es ist das Reich, das nahe gekommen ist und um dessen Ankunft die Jünger bitten. Die Gemeinde ist dieses Reich nicht.
Vers 10
Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden.
Genetheto to thelema sou, hos en ourano kai epi ges (γενηθήτω τὸ θέλημά σου, ὡς ἐν οὐρανῷ καὶ ἐπὶ γῆς). Wie im Himmel, so auf Erden. Das ist die Bitte um die Aufrichtung des Willens Gottes auf der Erde, nicht nur im Herzen des Beters. Der Himmel ist schon der Ort, da sein Wille geschieht. Die Erde soll ihm gleich werden. Das ist Reichshoffnung. Die Erde, ge (γῆ), ist hier der Ort, auf dem das Reich kommen soll, das Land und die Welt unter dem König, nicht ein Bild für die Gemeinde.
Vers 11
Unser nötiges Brot gib uns heute.
Ton arton hemon ton epiousion dos hemin semeron (τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον). Epiousion (ἐπιούσιον) ist das nötige, das für den Tag gehörige Brot. Heute, nicht die Scheune des morgenden Tages. Vers 25 bis 34 werden diese Bitte auslegen: der Vater weiss, was not tut. Das Brot ist das Brot der Jünger, die das Reich suchen, nicht ein besonderes Gemeindebrot.
Vers 12
Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben.
Afes hemin ta opheilemata hemon (ἄφες ἡμῖν τὰ ὀφειλήματα ἡμῶν), vergib uns unsere Schulden. Hos kai hemeis (ὡς καὶ ἡμεῖς), wie auch wir vergeben. Die Vergebung, um die sie bitten, ist an ihr eigenes Vergeben gebunden. Lukas sagt Sünden. Matthäus sagt Schulden. Verse 14 und 15 lassen keinen Zweifel am Sinn. Das ist nicht Epheser 1,7. Es ist das Gebet des Königs an die Jünger der Bergpredigt.
Vers 13
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Me eisenenkes hemas eis peirasmon (μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν), führe uns nicht in Versuchung. Sondern errette uns von dem Bösen, apo tou ponerou (ἀπὸ τοῦ πονηροῦ). Das Böse oder der Böse: das Wort trägt beides. Kapitel 4 hat den Versucher gezeigt. Die Bitte ist, nicht in die Probe geführt zu werden und aus der Hand des Bösen gerettet zu werden. Die Elberfelder 1905 schliesst: denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Die Ausgabe 2023 setzt diesen Lobpreis oft nicht in den Haupttext. Der Inhalt bleibt wahr, wo er gebetet wird: das Reich ist seines, nicht unseres und nicht das der Gemeinde. Amen schliesst die 1905.
Vers 14
Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebet, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.
Paraptomata (παραπτώματα), Vergehungen. Wenn ihr vergebet, wird der Vater vergeben. Der Denn-Satz legt Vers 12 aus. Die Bedingung ist offen genannt. Wer sie in die Rechtfertigung aus Glauben ohne Werke umschreibt, schreibt sie um.
Vers 15
Wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebet, so wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben.
Die Kehrseite. Nicht vergeben heisst: der Vater vergibt die Vergehungen nicht. Das ist Ernst der Bergpredigt. Matthäus 18,21 bis 35 wird dasselbe am Knecht zeichnen, der nicht erlassen hat. Die Ordnung gilt den Jüngern des Königs. Sie ist nicht der Stand der Gemeinde im Geliebten.
Vers 16
Wenn ihr aber fastet, so sehet nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.
Das dritte Werk. Fasten, nesteuete (νηστεύητε). Düsteres Angesicht, damit man als Fastender erscheint. Jesaja 58 hat das Fasten schon getadelt, das nur zur Schau und zur Beugung des Halses da ist. Der Lohn ist dahin. Das Fasten selbst wird nicht verboten. Der König hat in Kapitel 4 gefastet. Die Jünger werden fasten, wenn der Bräutigam weggenommen ist, Matthäus 9,15. Hier wird die Verstellung verboten.
Vers 17
Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht.
Salben und waschen: das gewöhnliche Angesicht, nicht das zur Schau verstellte. Der Fastende soll nicht aussehen wie ein Fastender. Das Fasten bleibt zwischen ihm und dem Vater.
Vers 18
Damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinest, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
Dieselbe Vergeltung wie in Vers 4 und 6. Drei Werke, ein Vater, ein Verborgenes, ein Lohn. Die Heuchler haben den ihren dahin. Die Jünger haben den ihren bei dem Vater.
Vers 19
Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstört, und wo Diebe durchgraben und stehlen.
Me thesaurizete (μὴ θησαυρίζετε). Schätze auf der Erde vergehen: Motte, Rost, Diebe. Durchgraben, dioryssousin (διορύσσουσιν), ist der Einbruch durch die Wand. Der Schatz der Erde ist kein sicherer Lohn.
Vers 20
Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost zerstört, und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen.
Der Schatz im Himmel ist der Lohn, den der Vater vergilt, Vers 4. Matthäus 19,21 wird dem reichen Jüngling sagen: verkaufe und gib den Armen, so wirst du einen Schatz in den Himmeln haben. Das ist Reichslohn, nicht die Stiftung einer Gemeindekasse. Der Himmel ist hier der Ort, da der Vater vergilt, nicht ein Bild für die unsichtbare Kirche.
Vers 21
Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.
Hopou gar estin ho thesauros sou, ekei estai kai he kardia sou (ὅπου γάρ ἐστιν ὁ θησαυρός σου, ἐκεῖ ἔσται καὶ ἡ καρδία σου). Das Herz folgt dem Schatz. Wer auf der Erde sammelt, hat das Herz auf der Erde. Wer beim Vater sammelt, hat das Herz beim Vater. Die vorzügliche Gerechtigkeit von Kapitel 5 beginnt am Ort des Herzens.
Vers 22
Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
Ho lychnos tou somatos estin ho ophthalmos (ὁ λύχνος τοῦ σώματός ἐστιν ὁ ὀφθαλμός). Das einfältige Auge, haplous (ἁπλοῦς), ist das eine, ungeteilte Auge. Dann ist der Leib licht. Das Auge ist hier der Sinn, mit dem man den Schatz ansieht. Einfältig: nicht doppelt, nicht auf Gott und auf die Ehre zugleich.
Vers 23
Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie gross die Finsternis!
Das böse Auge, poneros (πονηρός), ist die Missgunst und der geteilte Blick. Sprüche 28,22 kennt den Mann mit bösem Auge, der nach Reichtum hastet. Wenn das Licht in dir Finsternis ist, ist die Finsternis gross. Der Jünger, der das Licht des Königs empfangen hat und es zum bösen Auge macht, ist finsterer als der, der kein Licht hatte.
Vers 24
Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhangen und den anderen verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon.
Dysi kyriois douleuein (δυσὶ κυρίοις δουλεύειν). Zwei Herren zugleich nicht. Gott oder der Mammon, mammona (μαμωνᾷ). Anhangen oder verachten. Der Dienst ist ungeteilt, wie die Huldigung in Kapitel 4,10 ungeteilt war. Der Jünger des Königs dient Gott. Der Mammon ist der andere Herr. Beides zusammen gibt es in dieser Rede nicht.
Vers 25
Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise, und der Leib mehr als die Kleidung?
Dia touto (διὰ τοῦτο), deshalb: weil man nicht zwei Herren dient. Me merimnate (μὴ μεριμνᾶτε), seid nicht besorgt. Leben, psyche (ψυχή), und Leib. Das Leben ist mehr als die Speise, der Leib mehr als die Kleidung. Die Sorge kehrt die Ordnung um. Sie macht die Speise zum Herrn. Das ist die Sorge der Jünger, die das Reich suchen, nicht ein allgemeines Trostwort ohne den König.
Vers 26
Sehet hin auf die Vögel des Himmels, dass sie nicht säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie?
Emblepsate eis ta peteina (ἐμβλέψατε εἰς τὰ πετεινά). Sie säen nicht, und der Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel vorzüglicher, mallon diapherete (μᾶλλον διαφέρετε). Die Jünger stehen über den Vögeln, weil sie den Vater haben, der das Reich gibt. Der Vergleich trägt nur, wo dieser Vater angeredet ist.
Vers 27
Wer aber unter euch vermag mit Sorgen seiner Grösse eine Elle zuzusetzen?
Der Lebenslänge eine Elle zusetzen, pechyn hena (πῆχυν ἕνα). Die Sorge verlängert das Leben nicht. Sie ist ohnmächtig an dem, worüber sie sich sorgt. Der Vater, nicht die Sorge, hält das Mass.
Vers 28
Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht.
Katamathete ta krina tou agrou (καταμάθετε τὰ κρίνα τοῦ ἀγροῦ). Die Lilien des Feldes mühen sich nicht und spinnen nicht. Der König zeigt auf das Feld Galiläas, nicht auf eine Werkstatt. Das Wachstum ist ohne die Sorge, die der Jünger sich macht.
Vers 29
Ich sage euch aber, dass selbst nicht Salomon in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen.
Salomon in all seiner Herrlichkeit, 1. Könige 10. Der König Israels in seiner Pracht reicht an die Lilie nicht heran, die Gott kleidet. Der Vergleich ist absichtlich. Der Thron, den der Sohn Davids nicht aus der Hand des Versuchers nahm, ist auch nicht das Mass der Kleidung. Der Vater kleidet besser, als Salomon gekleidet war.
Vers 30
Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, nicht vielmehr euch, Kleingläubige?
Das Gras in den Ofen, und doch gekleidet. Nicht vielmehr euch, ou pollo mallon hymas (οὐ πολλῷ μᾶλλον ὑμᾶς). Kleingläubige, oligopistoi (ὀλιγόπιστοι). Der Tadel gilt dem kleinen Glauben der Jünger, nicht dem Unglauben der Nationen. Sie haben den Vater und sorgen doch. Kleinglaube ist hier Unglaube gegen die Fürsorge dessen, der das Reich gibt.
Vers 31
So seid nun nicht besorgt, indem ihr saget: Was sollen wir essen? oder: Was sollen wir trinken? oder: Was sollen wir anziehen?
Die drei Fragen der Sorge. Essen, trinken, anziehen. Der König verbietet nicht die Arbeit. Er verbietet die Sorge, die diese Fragen zum Herrn macht. Vers 11 hat das Brot für heute erbeten. Die Frage nach dem Morgen ist die Frage, die das Gebet nicht gestellt hat.
Vers 32
Denn nach allem diesem trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiss, dass ihr dies alles bedürfet.
Panta gar tauta ta ethne epizetousin (πάντα γὰρ ταῦτα τὰ ἔθνη ἐπιζητοῦσιν). Nach allem diesem trachten die Nationen. Der Jünger soll diesen Sinn nicht haben. Der Vater weiss es. Vers 8 und Vers 32 sagen dasselbe. Die Nationen sind der Gegensatz zum Vaterwissen. Sie sind nicht die Gemeinde, die an die Stelle Israels getreten wäre.
Vers 33
Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
Zeteite de proton ten basileian tou theou kai ten dikaiosynen autou (ζητεῖτε δὲ πρῶτον τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ καὶ τὴν δικαιοσύνην αὐτοῦ). Zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit. Die Elberfelder 1905 liest Reich Gottes. Manche Handschriften lesen nur das Reich. Der Sinn in dieser Rede ist derselbe: das Reich, das kommen soll, und die Gerechtigkeit, die Kapitel 5,20 zum Eingang gefordert hat. Hinzugefügt, prosthesetai (προστεθήσεται), wird das andere. Zuerst und hinzugefügt. Wer das Reich zur Gemeinde macht, sucht in diesem Vers etwas anderes als der König genannt hat.
Vers 34
So seid nun nicht besorgt auf den morgenden Tag, denn der morgende Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.
Der morgende Tag sorgt für sich selbst. Jeder Tag hat an seinem Übel genug, arketon te hemera he kakia autes (ἀρκετὸν τῇ ἡμέρᾳ ἡ κακία αὐτῆς). Das Heute von Vers 11 ist das Mass. Das Übel des Tages genügt. Die Sorge um den morgenen Tag stiehlt den Tag, an dem das Reich zu suchen ist.
Schluss des Kapitels
Matthäus 6 lässt den König die drei Werke ins Verborgene stellen und das Gebet des Reiches lehren. Der Name soll geheiligt werden. Das Reich soll kommen. Der Wille soll auf Erden geschehen wie im Himmel. Die Schulden werden erlassen, wie die Jünger erlassen. Der Lohn ist beim Vater, nicht auf der Strassenecke. Der Schatz folgt dem Herzen, das Auge dem Schatz, der Dienst dem einen Herrn. Die Nationen trachten. Die Jünger sollen zuerst das Reich und seine Gerechtigkeit suchen. Nichts davon gründet die Gemeinde. Das Reich, um das gebetet wird, ist das Reich, das nahe ist und noch kommen soll. Kapitel 7 wird die Rede schliessen: das Richten, das Bitten, das enge Tor und das Haus auf dem Felsen.
Zum Weiterlesen im nächsten Kapitel: Matthäus 7, das enge Tor und das Haus auf dem Felsen.