Maulbeerfeigen (Sykomoren) sind die Früchte des Baumes Ficus sycomorus (auch Adamsfeige, Eselsfeige oder Sykomore genannt).
Zitat von Hans Peter Wepf am 31. Juli 2026, 6:28 Uhr
Was sind sie?
Es handelt sich um eine Feigenart aus der Familie der Maulbeergewächse. Die Blätter ähneln denen des Maulbeerbaums, daher der Name. Im Unterschied zur gewöhnlichen Feige (Ficus carica) wachsen die Früchte büschelweise direkt am Stamm und an den Hauptästen.
Die Früchte sind kleiner, weniger süß und von etwas holzigem Geschmack. In biblischer Zeit dienten sie vor allem als Nahrung für ärmere Menschen. Der Baum ist immergrün, wird 10–20 Meter hoch und trägt mehrmals im Jahr Früchte.
Amos und die Maulbeerfeigen (Amos 7,14)
Amos sagt zu Amazja:
„Ich bin kein Prophet und kein Prophetensohn, sondern ein Viehhirte und ein Maulbeerfeigenritzer (bzw. -züchter / -leser).“
Das hebräische Wort boles (nur hier belegt) wird meist mit „ritzen“ oder „anritzen“ übersetzt.
Die Früchte mussten 3–4 Tage vor der Ernte mit dem Nagel oder einem Werkzeug eingeritzt werden. Dadurch:
- reiften sie schneller (durch Freisetzung von Ethylen),
- wurden sie süßer und saftiger,
- und Gallen durch Wespenbefall konnten verhindert werden.
Ohne dieses Ritzen waren die Früchte oft ungenießbar.
Wo wurden und werden sie geerntet?
In biblischer Zeit wuchsen Maulbeerfeigenbäume vor allem in wärmeren, tiefer gelegenen Gebieten:
- in der Schefela (der westlichen Niederung / Küstenebene zwischen dem judäischen Bergland und dem Mittelmeer),
- im Jordantal,
- und in Oasen nahe dem Toten Meer.
Amos stammte aus Tekoa (südlich von Bethlehem, im kühlen Bergland). Die Bäume selbst standen also nicht direkt bei ihm, sondern in den wärmeren Regionen in der Nähe. Er arbeitete dort vermutlich saisonal als Ritzer bzw. Erntehelfer.
Heute findet man den Baum noch in Israel (besonders Küstengebiet und Jordan-Tal), Ägypten, Teilen Afrikas und dem Nahen Osten.
Gallen (botanisch) sind krankhafte Wucherungen oder Auswüchse an Pflanzen, die durch Reizstoffe von Insekten, Milben, Pilzen oder Bakterien entstehen.
Im Zusammenhang mit den Maulbeerfeigen
Bei der Sykomore (Ficus sycomorus) dringen spezielle Feigenwespen (z. B. Sycophaga sycomori) in die jungen Früchte ein und legen Eier ab. Die Larven verursachen im Inneren der Frucht Gallen – kleine, harte, gallenartige Bildungen.
Diese Gallen machen die Frucht:
- ungeniessbar oder bitter,
- holzig und unansehnlich.
Deshalb wurden die Maulbeerfeigen in der Antike angeritzt (wie Amos es tat). Durch das Ritzen:
- reifte die Frucht schneller,
- die Wespenlarven konnten sich nicht richtig entwickeln bzw. die Gallenbildung wurde stark vermindert,
- und die Frucht wurde genießbar.
Kurz gesagt: Gallen = krankhafte Wucherungen, die durch Schädlinge (hier Wespen) in der Frucht entstehen und sie verderben.
Gallen sind krankhafte Wucherungen an Pflanzen, die durch Insekten (hier Feigenwespen) entstehen.
Bei den Maulbeerfeigen legen Wespen Eier in die jungen Früchte. Die Larven verursachen Gallen, die die Frucht ungeniessbar und holzig machen.
Deshalb wurden die Früchte angeritzt – so reiften sie schneller und die Gallenbildung wurde verhindert.
Was ist die Belehrung, dass Amos vom Schafehüten und Maulbeeren ritzen weggenommen wurde, und was ist die geistliche Belehrung des Maulbeerfeigen ritzen?
Amos wurde von Gott aus dem einfachen Alltagsberuf als Schafhirte und Maulbeerfeigen-Ritzer (bzw. -Züchter) herausgerufen und zum Propheten gemacht – nicht aus einer Prophetenfamilie oder -schule. Das steht in Amos 7,14-15 (Elberfelder 2023 sinngemäß):
„Ich bin kein Prophet und kein Prophetensohn, sondern ein Viehhirte bin ich und ein Maulbeerfeigenzüchter [bzw. einer, der Maulbeerfeigen ritzt]. Aber Jahwe holte mich hinter dem Kleinvieh weg, und der HERR sprach zu mir: Geh hin, weissage meinem Volk Israel!“Der unmittelbare Kontext und die Belehrung
Amazja, der Priester von Bethel (dem königlichen Heiligtum des Nordreichs), wollte Amos zum Schweigen bringen und ihn nach Juda zurückschicken, weil seine Gerichtsbotschaft gegen Israel und das Haus Jerobeam unerträglich war. Amazja unterstellte ihm im Grunde, er sei ein Berufsseher, der von der Weissagung lebe („iss dort dein Brot“).
Amos weist das zurück:
- Er war kein Berufsprophet und gehörte keiner Prophetenzunft oder -schule an („kein Prophetensohn“ = kein Mitglied einer Prophetengruppe).
- Er verdiente seinen Lebensunterhalt ehrlich als Hirte und durch die Pflege/Veredelung von Maulbeerfeigen (Sykomoren, Ficus sycomorus).
- Gott selbst hat ihn „hinter dem Kleinvieh weggenommen“ – ähnlich wie Mose und David von der Herde geholt wurden – und ihm den Auftrag gegeben.
Geistliche Belehrung daraus:
Gott beruft, wen Er will, unabhängig von Herkunft, Ausbildung, Stand oder menschlicher Qualifikation. Der Dienst kommt nicht aus eigener Initiative oder als Broterwerb, sondern aus göttlicher Berufung und Gehorsam. Amos konnte frei und unabhängig reden, weil er nicht vom religiösen Establishment abhängig war. Das unterstreicht die Souveränität Gottes und die Autorität des Wortes, das er zu bringen hatte – gegen Widerstand von Priestern und Königen. Es erinnert daran, dass Gott oft einfache, treue Menschen aus dem Alltag herausruft (vgl. auch die Jünger im Neuen Testament).Was bedeutet das „Maulbeerfeigen ritzen“?
Die Maulbeerfeige (Sykomore) wächst in den tieferen Lagen Israels und war Nahrung der ärmeren Bevölkerung und Futter für Tiere. Die Früchte sind von Natur aus eher herb/bitter und reifen schlecht, wenn man sie unberührt lässt. Man ritzte oder schnitt sie in einem frühen Stadium (mit einem Messer oder Nagel), damit:
- Flüssigkeit austritt,
- Äthylengas freigesetzt wird (was die Reifung beschleunigt),
- Insekten/Gallen verhindert werden,
- die Frucht süßer und genießbar wird.
Ohne dieses Eingreifen blieb die Frucht unbrauchbar. Amos beschreibt damit eine mühsame, handwerkliche Arbeit – keine gehobene Tätigkeit.
Mögliche geistliche Belehrung des Ritzens
(ohne den Text zu überallegorisieren):
Es zeigt vor allem die Niedrigkeit und den alltäglichen Charakter von Amos’ Herkunft – Gott holt jemanden aus der einfachen, ehrlichen Arbeit. Einige Ausleger sehen darin ein Bild für den prophetischen Dienst selbst: Das scharfe, „verletzende“ Wort der Gerichtsbotschaft (wie das Ritzen) kann nötig sein, damit das Volk „reif“ wird, umkehrt und echte Frucht bringt, statt bitter und ungeniessbar zu bleiben. Wer das Wort Gottes an sich heranlässt (statt es abzuweisen wie Amazja), kann dadurch zum Guten verändert werden. Das Ritzen ist also ein notwendiges, sorgfältiges Eingreifen, das der Frucht dient.Zusammengefasst:
Die Stelle lehrt Gottes freie Berufung einfacher Menschen und den Gehorsam gegenüber Seinem Auftrag – auch gegen religiösen und politischen Widerstand. Das Maulbeerfeigen-Ritzen unterstreicht die Demut des Ausgangspunkts und kann als Bild für das heilsame, wenn auch schmerzliche Wirken des göttlichen Wortes dienen.Der Dienst des Amos
war der eines Propheten, den Gott aus dem einfachen Leben eines Schafhirten und Maulbeerfeigen-Ritzers in Tekoa (Juda) herausrief.
Er wirkte vor allem im Nordreich Israel unter König Jerobeam II. (ca. 760–750 v. Chr.), einer Zeit äusserer Blüte und inneren Verfalls.Amos war kein Berufsprophet und gehörte keiner Prophetenzunft an. Gott nahm ihn hinter der Herde weg und sandte ihn, um Israel das Wort des Herrn zu verkündigen.
Seine Botschaft richtete sich gegen soziale Ungerechtigkeit: die Unterdrückung der Armen, Ausbeutung, Bestechung und den Luxus der Reichen. Er geisselte den leeren, heuchlerischen Kult an den Heiligtümern von Bethel und Gilgal, wo man Opfer brachte, aber Gerechtigkeit und Treue missachtete.
Amos verkündete das Gericht Gottes über Israel und die umliegenden Völker. Er sah Visionen von Heuschrecken, Feuer, dem Senkblei und einem Korb mit reifem Obst – Zeichen dafür, dass Israel reif zum Gericht war.
Besonders scharf trat er dem Priester Amazja in Bethel entgegen, der ihn zum Schweigen bringen wollte. Amos betonte, dass seine Sendung von Gott selbst kam und nicht von Menschen.
Er predigte den „Tag Jahwes“ nicht als Tag des Heils für Israel, sondern als Tag der Finsternis und des Gerichts. Dennoch endet das Buch mit einer Verheissung der Wiederherstellung: Gott wird die zerfallene Hütte Davids aufrichten und sein Volk wieder segnen.
Der Dienst des Amos war also ein kurzer, mutiger, unerbittlicher Ruf zur Umkehr, der soziale Gerechtigkeit, echte Gottesfurcht und die Souveränität Gottes herausstellte – und zugleich die Treue Gottes zu seinen Verheissungen bewahrte.

Was sind sie?

Es handelt sich um eine Feigenart aus der Familie der Maulbeergewächse. Die Blätter ähneln denen des Maulbeerbaums, daher der Name. Im Unterschied zur gewöhnlichen Feige (Ficus carica) wachsen die Früchte büschelweise direkt am Stamm und an den Hauptästen.
Die Früchte sind kleiner, weniger süß und von etwas holzigem Geschmack. In biblischer Zeit dienten sie vor allem als Nahrung für ärmere Menschen. Der Baum ist immergrün, wird 10–20 Meter hoch und trägt mehrmals im Jahr Früchte.
Amos und die Maulbeerfeigen (Amos 7,14)
Amos sagt zu Amazja:
„Ich bin kein Prophet und kein Prophetensohn, sondern ein Viehhirte und ein Maulbeerfeigenritzer (bzw. -züchter / -leser).“
Das hebräische Wort boles (nur hier belegt) wird meist mit „ritzen“ oder „anritzen“ übersetzt.
Die Früchte mussten 3–4 Tage vor der Ernte mit dem Nagel oder einem Werkzeug eingeritzt werden. Dadurch:
- reiften sie schneller (durch Freisetzung von Ethylen),
- wurden sie süßer und saftiger,
- und Gallen durch Wespenbefall konnten verhindert werden.
Ohne dieses Ritzen waren die Früchte oft ungenießbar.
Wo wurden und werden sie geerntet?
In biblischer Zeit wuchsen Maulbeerfeigenbäume vor allem in wärmeren, tiefer gelegenen Gebieten:
- in der Schefela (der westlichen Niederung / Küstenebene zwischen dem judäischen Bergland und dem Mittelmeer),
- im Jordantal,
- und in Oasen nahe dem Toten Meer.
Amos stammte aus Tekoa (südlich von Bethlehem, im kühlen Bergland). Die Bäume selbst standen also nicht direkt bei ihm, sondern in den wärmeren Regionen in der Nähe. Er arbeitete dort vermutlich saisonal als Ritzer bzw. Erntehelfer.
Heute findet man den Baum noch in Israel (besonders Küstengebiet und Jordan-Tal), Ägypten, Teilen Afrikas und dem Nahen Osten.
Gallen (botanisch) sind krankhafte Wucherungen oder Auswüchse an Pflanzen, die durch Reizstoffe von Insekten, Milben, Pilzen oder Bakterien entstehen.
Im Zusammenhang mit den Maulbeerfeigen
Bei der Sykomore (Ficus sycomorus) dringen spezielle Feigenwespen (z. B. Sycophaga sycomori) in die jungen Früchte ein und legen Eier ab. Die Larven verursachen im Inneren der Frucht Gallen – kleine, harte, gallenartige Bildungen.
Diese Gallen machen die Frucht:
- ungeniessbar oder bitter,
- holzig und unansehnlich.
Deshalb wurden die Maulbeerfeigen in der Antike angeritzt (wie Amos es tat). Durch das Ritzen:
- reifte die Frucht schneller,
- die Wespenlarven konnten sich nicht richtig entwickeln bzw. die Gallenbildung wurde stark vermindert,
- und die Frucht wurde genießbar.
Kurz gesagt: Gallen = krankhafte Wucherungen, die durch Schädlinge (hier Wespen) in der Frucht entstehen und sie verderben.
Gallen sind krankhafte Wucherungen an Pflanzen, die durch Insekten (hier Feigenwespen) entstehen.
Bei den Maulbeerfeigen legen Wespen Eier in die jungen Früchte. Die Larven verursachen Gallen, die die Frucht ungeniessbar und holzig machen.
Deshalb wurden die Früchte angeritzt – so reiften sie schneller und die Gallenbildung wurde verhindert.
Was ist die Belehrung, dass Amos vom Schafehüten und Maulbeeren ritzen weggenommen wurde, und was ist die geistliche Belehrung des Maulbeerfeigen ritzen?
Amos wurde von Gott aus dem einfachen Alltagsberuf als Schafhirte und Maulbeerfeigen-Ritzer (bzw. -Züchter) herausgerufen und zum Propheten gemacht – nicht aus einer Prophetenfamilie oder -schule. Das steht in Amos 7,14-15 (Elberfelder 2023 sinngemäß):
„Ich bin kein Prophet und kein Prophetensohn, sondern ein Viehhirte bin ich und ein Maulbeerfeigenzüchter [bzw. einer, der Maulbeerfeigen ritzt]. Aber Jahwe holte mich hinter dem Kleinvieh weg, und der HERR sprach zu mir: Geh hin, weissage meinem Volk Israel!“
Der unmittelbare Kontext und die Belehrung
Amazja, der Priester von Bethel (dem königlichen Heiligtum des Nordreichs), wollte Amos zum Schweigen bringen und ihn nach Juda zurückschicken, weil seine Gerichtsbotschaft gegen Israel und das Haus Jerobeam unerträglich war. Amazja unterstellte ihm im Grunde, er sei ein Berufsseher, der von der Weissagung lebe („iss dort dein Brot“).
Amos weist das zurück:
- Er war kein Berufsprophet und gehörte keiner Prophetenzunft oder -schule an („kein Prophetensohn“ = kein Mitglied einer Prophetengruppe).
- Er verdiente seinen Lebensunterhalt ehrlich als Hirte und durch die Pflege/Veredelung von Maulbeerfeigen (Sykomoren, Ficus sycomorus).
- Gott selbst hat ihn „hinter dem Kleinvieh weggenommen“ – ähnlich wie Mose und David von der Herde geholt wurden – und ihm den Auftrag gegeben.
Geistliche Belehrung daraus:
Gott beruft, wen Er will, unabhängig von Herkunft, Ausbildung, Stand oder menschlicher Qualifikation. Der Dienst kommt nicht aus eigener Initiative oder als Broterwerb, sondern aus göttlicher Berufung und Gehorsam. Amos konnte frei und unabhängig reden, weil er nicht vom religiösen Establishment abhängig war. Das unterstreicht die Souveränität Gottes und die Autorität des Wortes, das er zu bringen hatte – gegen Widerstand von Priestern und Königen. Es erinnert daran, dass Gott oft einfache, treue Menschen aus dem Alltag herausruft (vgl. auch die Jünger im Neuen Testament).
Was bedeutet das „Maulbeerfeigen ritzen“?
Die Maulbeerfeige (Sykomore) wächst in den tieferen Lagen Israels und war Nahrung der ärmeren Bevölkerung und Futter für Tiere. Die Früchte sind von Natur aus eher herb/bitter und reifen schlecht, wenn man sie unberührt lässt. Man ritzte oder schnitt sie in einem frühen Stadium (mit einem Messer oder Nagel), damit:
- Flüssigkeit austritt,
- Äthylengas freigesetzt wird (was die Reifung beschleunigt),
- Insekten/Gallen verhindert werden,
- die Frucht süßer und genießbar wird.
Ohne dieses Eingreifen blieb die Frucht unbrauchbar. Amos beschreibt damit eine mühsame, handwerkliche Arbeit – keine gehobene Tätigkeit.
Mögliche geistliche Belehrung des Ritzens
(ohne den Text zu überallegorisieren):
Es zeigt vor allem die Niedrigkeit und den alltäglichen Charakter von Amos’ Herkunft – Gott holt jemanden aus der einfachen, ehrlichen Arbeit. Einige Ausleger sehen darin ein Bild für den prophetischen Dienst selbst: Das scharfe, „verletzende“ Wort der Gerichtsbotschaft (wie das Ritzen) kann nötig sein, damit das Volk „reif“ wird, umkehrt und echte Frucht bringt, statt bitter und ungeniessbar zu bleiben. Wer das Wort Gottes an sich heranlässt (statt es abzuweisen wie Amazja), kann dadurch zum Guten verändert werden. Das Ritzen ist also ein notwendiges, sorgfältiges Eingreifen, das der Frucht dient.
Zusammengefasst:
Die Stelle lehrt Gottes freie Berufung einfacher Menschen und den Gehorsam gegenüber Seinem Auftrag – auch gegen religiösen und politischen Widerstand. Das Maulbeerfeigen-Ritzen unterstreicht die Demut des Ausgangspunkts und kann als Bild für das heilsame, wenn auch schmerzliche Wirken des göttlichen Wortes dienen.
Der Dienst des Amos
war der eines Propheten, den Gott aus dem einfachen Leben eines Schafhirten und Maulbeerfeigen-Ritzers in Tekoa (Juda) herausrief.
Er wirkte vor allem im Nordreich Israel unter König Jerobeam II. (ca. 760–750 v. Chr.), einer Zeit äusserer Blüte und inneren Verfalls.
Amos war kein Berufsprophet und gehörte keiner Prophetenzunft an. Gott nahm ihn hinter der Herde weg und sandte ihn, um Israel das Wort des Herrn zu verkündigen.
Seine Botschaft richtete sich gegen soziale Ungerechtigkeit: die Unterdrückung der Armen, Ausbeutung, Bestechung und den Luxus der Reichen. Er geisselte den leeren, heuchlerischen Kult an den Heiligtümern von Bethel und Gilgal, wo man Opfer brachte, aber Gerechtigkeit und Treue missachtete.
Amos verkündete das Gericht Gottes über Israel und die umliegenden Völker. Er sah Visionen von Heuschrecken, Feuer, dem Senkblei und einem Korb mit reifem Obst – Zeichen dafür, dass Israel reif zum Gericht war.
Besonders scharf trat er dem Priester Amazja in Bethel entgegen, der ihn zum Schweigen bringen wollte. Amos betonte, dass seine Sendung von Gott selbst kam und nicht von Menschen.
Er predigte den „Tag Jahwes“ nicht als Tag des Heils für Israel, sondern als Tag der Finsternis und des Gerichts. Dennoch endet das Buch mit einer Verheissung der Wiederherstellung: Gott wird die zerfallene Hütte Davids aufrichten und sein Volk wieder segnen.
Der Dienst des Amos war also ein kurzer, mutiger, unerbittlicher Ruf zur Umkehr, der soziale Gerechtigkeit, echte Gottesfurcht und die Souveränität Gottes herausstellte – und zugleich die Treue Gottes zu seinen Verheissungen bewahrte.