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Psalm 22.1 Mein Gott, mein Gott

Der Herr Jesus spricht hier nicht aus persönlichem Zweifel oder Unsicherheit heraus,
sondern zitiert bewusst den Anfang dieses messianischen Psalms.
Psalm 22 beschreibt genau das, was an ihm geschieht:
die Verspottung, das Zerreissen der Kleider, die durchbohrten Hände und Füsse, den Durst usw. (vgl. Ps 22,7–19).
Am Ende des Psalms kommt die Rettung und die Verherrlichung Gottes (Ps 22,23–32).
Jesus setzt also den ganzen Psalm in Kraft – nicht nur den ersten Vers.
Was geschah am Kreuz?
Am Kreuz trug Jesus die Sünde der Welt
(2. Korinther 5,21; Jesaja 53,6.10; 1. Petrus 2,24).
In diesem Augenblick geschah etwas Reales und Furchtbares:
• Die Gemeinschaft mit dem Vater, die er von Ewigkeit her hatte, wurde nie unterbrochen.
• Gott handelte gerichtlich an ihm als dem Stellvertreter der Sünder.
• Das ist der eigentliche Inhalt des „Verlassens“ – nicht ein Zweifel Jesu an Gottes Existenz oder Gegenwart, sondern die gerichtliche Gottverlassenheit des Sündenträgers.
Das ist der tiefste Punkt seiner Erniedrigung (Philipper 2,8).
Es ist kein Ausdruck menschlichen Zweifels, sondern der Ausdruck der Realität der Stellvertretung.
„Weil er ganz Mensch war“?
Die Bibel bezeugt, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist
(Johannes 1,1.14; Römer 9,5; 1. Timotheus 2,5; Hebräer 2,14–17).
Als Mensch hat er Hunger, Durst, Müdigkeit, Schmerz und Versuchung erfahren –
aber ohne Sünde (Hebräer 4,15; 1. Petrus 2,22).
Zweifel an Gott oder an Gottes Gegenwart ist jedoch Sünde
(vgl. Jakobus 1,6–8; Römer 14,23). Der Herr Jesus hat nie gesündigt.
Deshalb kann man seine Worte am Kreuz nicht als Ausdruck menschlichen Zweifels deuten. Er hat die Schrift erfüllt und die Realität der Gottverlassenheit als Sündenträger ausgesprochen.
Kurz zusammengefasst
• Es ist ein bewusstes Psalmzitat,
     kein spontaner Zweifel.

• Es beschreibt die reale, gerichtliche Gottverlassenheit des Sündenträgers.
• Es ist kein Beweis dafür, dass Jesus als Mensch an Gottes Gegenwart gezweifelt hätte.
• Im Gegenteil:
Gerade hier zeigt sich die Tiefe seiner gehorsamen Hingabe und die Wahrheit seiner Stellvertretung.
Die Worte sind also kein Ausdruck von Zweifel,
sondern der Höhepunkt seiner Erniedrigung und zugleich die Erfüllung der Schrift.

Martin K. hat auf diesen Beitrag reagiert.
Martin K.



IN CHRISTO!
HANS PETER WEPF
BIBELKREIS.CH
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