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Psalm 58 Imprekations- oder Rachepsalmen

 

Psalmen aus der Teams Bibelstunde Psalm 58 Uebersicht
Psalmen YT  


Psalm 58
ist einer der sogenannten Imprekations- oder Rachepsalmen.
Er fällt uns Christen oft schwer, weil er so drastisch klingt.
Doch er ist kein Aufruf zu persönlicher Rache, sondern ein Hilfeschrei an den gerechten Gott,
der allein das Recht durchsetzt.
David (oder der Psalmist) klagt ungerechte Richter und Gewalttäter an und übergibt die Vergeltung ganz Gott.

Aufbau und Grundlinie

  • V. 1–3: Anklage der ungerechten Richter.
  • V. 4–6: Beschreibung ihrer tiefen Verdorbenheit (von Geburt an).
  • V. 7–10: Bitte um Gottes Gericht (in starken Bildern).
  • V. 11–12: Freude des Gerechten und Erkenntnis, dass es einen Gott gibt, der auf Erden richtet.

Der Psalm endet nicht im Hass, sondern in der Gewissheit der göttlichen Gerechtigkeit (V. 12). Das ist der Schlüssel für uns Christen: Wir dürfen den Schmerz über Ungerechtigkeit vor Gott bringen und die Rache ihm überlassen (vgl. Röm 12,19; 5. Mose 32,35; Hebr 10,30).

Die schwierigen Verse im Detail

Vers 4 (in deiner Zählung oft als „3“ empfunden) – „von Mutterschoß an“

Hebräisch (mit deutschen Buchstaben):
Soru reschaʿim merachem; taʿu mibeten dovre chasav.
זֹרוּ רְשָׁעִים מֵרָחֶם תָּעוּ מִבֶּטֶן דֹּבְרֵי כָזָב

Übersetzung (Elberfelder-Nähe):
„Abgewichen sind die Gesetzlosen von Mutterschoß an, es irren von Mutterleib an die Lügenredner.“

Bedeutung:
Hier geht es nicht um eine individuelle „Vorbestimmung zum Bösen“, sondern um die tiefe, angeborene Verdorbenheit der sündigen Natur. Die Gottlosen sind nicht erst durch schlechte Erziehung böse geworden – die Wurzel sitzt tiefer. Sie sind von Anfang an „entfremdet“ (saru = abgewichen, abtrünnig) und „irren“ (taʿu).

Querverweise:

  • Psalm 51,7: „Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.“ (David bekennt dasselbe von sich selbst.)
  • 1. Mose 8,21: „… das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an.“
  • Hiob 14,4: „Wie könnte ein Reiner von einem Unreinen kommen? Nicht einer!“
  • Jesaja 48,8: „… denn ich wusste, dass du treulos handeln würdest, und ‚Abtrünniger‘ hat man dich genannt von Mutterleib an.“
  • Römer 3,10–18 (besonders V. 13) nimmt die Schlangenbilder aus diesem Psalm auf und zeigt die allgemeine menschliche Verdorbenheit.

Der Vers beschreibt die Erbschuld / Erbsünde in ihrer praktischen Auswirkung bei denen, die sich bewusst der Lüge und Gewalt hingeben. Er sagt nicht, dass jeder Mensch unrettbar verloren ist – die Gnade Gottes kann ja gerade aus diesem Zustand herausreißen (vgl. Gal 1,15 – Paulus wurde „von Mutterleib an“ ausgesondert).

Für uns Christen ist das eine ernüchternde Wahrheit: Ohne Neugeburt bleiben wir in dieser Bahn. Es ist kein fatalistischer Fluch, sondern eine Diagnose der menschlichen Natur.

Vers 9 (in deiner Zählung oft als „8“) – Schnecke und Fehlgeburt

Hebräisch:
Kemo schablul temes jahaloch; nefel eschet bal-chasu schamesch.
כְּמוֹ שַׁבְּלוּל תֶּמֶס יַהֲלֹךְ נֵפֶל אֵשֶׁת בַּל־חָזוּ שָׁמֶשׁ

Übersetzung:
„Lass sie sein gleich der Schnecke, die zerschmelzend dahingeht, gleich der Fehlgeburt eines Weibes, welche die Sonne nie erblickt hat.“

Bedeutung der Bilder:

  1. Die Schnecke (schablul):
    Die alte Beobachtung war, dass die Schnecke beim Kriechen eine Schleimspur hinterlässt und sich dadurch „selbst auflöst“. Das Bild meint: Die Gottlosen sollen in ihrer eigenen Bosheit und Kraft verzehrt werden und spurlos verschwinden – wirkungslos und kraftlos werden.
  2. Die Fehlgeburt / Totgeburt (nefel eschet):
    Ein Kind, das nie das Licht der Welt erblickt hat. Es ist ein Bild für völlige Wirkungslosigkeit und Nicht-Existenz im eigentlichen Sinn. Die Gottlosen sollen so sein, als wären sie nie wirklich „zum Leben gekommen“ – ihr Einfluss und ihr Name sollen vergehen, bevor sie etwas Bleibendes bewirken.

Querverweise:

  • Hiob 3,16: „… oder wie eine verborgene Fehlgeburt, wie Kinder, die das Licht nicht geschaut haben.“
  • Prediger 6,3–5: Ein Totgeborenes ist besser daran als jemand, der viel erlebt, aber keine Freude und kein Begräbnis hat.
  • Psalm 37,35–36: Der Frevler prangt wie ein grünender Baum – und ist plötzlich nicht mehr da.
  • Psalm 69,29: „Ausgelöscht werden sie aus dem Buch des Lebens…“

Diese Verse sind Analogiezauber / Bildreden im Stil der damaligen Zeit. David bittet nicht um grausame Folter, sondern darum, dass die Macht und der Einfluss der Gottlosen so wirkungslos werden wie eine sich auflösende Schnecke und eine nie geborene Fehlgeburt. Es ist der Wunsch nach radikaler Entmachtung des Bösen.

Wie gehen wir als Christen damit um?

  1. Wir beten diese Verse nicht als persönliche Rachewünsche.
    Jesus hat uns gelehrt: „Liebt eure Feinde“ (Mt 5,44). Die Rachepsalmen lehren uns, den Zorn und den Schmerz über Ungerechtigkeit vor Gott zu bringen und ihm die Vergeltung zu überlassen.
  2. Sie zeigen uns die heilige Gerechtigkeit Gottes.
    Gott hasst das Unrecht. Er wird einmal richten – entweder am Kreuz (wo Jesus die Strafe trug) oder im Endgericht.
  3. Sie trösten die Unterdrückten.
    Wer unter ungerechten Richtern, Lügnern und Gewalttätern leidet, darf wissen: Gott sieht es und wird es richten (V. 12).
  4. Sie führen zum Kreuz.
    Die radikalste „Rache“ Gottes an der Sünde hat Jesus am Kreuz getragen. Dort wurde der Fluch über uns alle ausgegossen – und durch den Glauben werden wir von der Verdorbenheit „von Mutterschoß an“ erlöst.

Der Psalm ist schwer, weil er die Wirklichkeit der Sünde und des Gerichts nicht beschönigt. Gerade deshalb ist er heilsam: Er nimmt uns die Illusion, der Mensch sei von Natur aus gut, und treibt uns zur Gnade Gottes. 

Psalm 58 – Vers-für-Vers-Auslegung mit Parallelstellen und neutestamentlichem Bezug

Hier kommt die vollständige, gründliche Durchsicht. Ich gehe Vers für Vers vor, gebe jeweils die hebräische Grundform in deutschen Buchstaben, die Elberfelder-nahe Wiedergabe, eine knappe Erklärung und wichtige Querverweise. Am Schluss folgt der Zusammenhang mit dem Neuen Testament (besonders Römer 3 und Offenbarung).

Überschrift (V. 1)

Hebräisch: Lamnatseach al-taschchet ledavid miktam
לַמְנַצֵּחַ אַל־תַּשְׁחֵת לְדָוִד מִכְתָּם

Übersetzung: Dem Vorsänger. „Verdirb nicht!“ Von David, ein Miktam (Gedicht / goldenes Stück).

Erklärung: Die Überschrift „Al-taschchet“ (Verdirb nicht) verbindet diesen Psalm mit Psalm 57 und 59. Möglicherweise eine Melodieangabe oder ein Hinweis auf 1. Samuel 26,9, wo David sagt: „Verdirb ihn nicht!“ (Saul). Es ist ein „Miktam“ – ein besonders wertvolles, vielleicht „eingegrabenes“ Gedicht.


Vers 2

Hebräisch: Ha-umnam elem tsedek tedaberun; mescharim tischpetu bene adam
הַאֻמְנָם אֵלֶם צֶדֶק תְּדַבֵּרוּן מֵישָׁרִים תִּשְׁפְּטוּ בְּנֵי אָדָם

Übersetzung: Redet ihr wirklich Gerechtigkeit, ihr Richter (oder: durch Verstummen)? Richtet ihr in Geradheit, ihr Menschenkinder?

Erklärung: David stellt die ungerechten Richter (oder Mächtigen) bloß. Die Frage ist rhetorisch und anklagend. Der hebräische Text ist etwas unklar („elem“ kann „Verstummen“ oder „Götter/Richter“ bedeuten). Der Sinn ist klar: Ihr redet von Gerechtigkeit, handelt aber das Gegenteil.

Parallelstellen:

  • Psalm 82,2: „Wie lange wollt ihr ungerecht richten und die Gottlosen ansehen?“
    1. Mose 16,18–19: Gebot für gerechte Richter.
  • Jesaja 1,23; Micha 3,1–3.9–11.

Vers 3

Hebräisch: Af-belev olot tifalun; baarets chamas jedechem tefallesun
אַף־בְּלֵב עוֹלֹת תִּפְעָלוּן בָּאָרֶץ חֲמַס יְדֵיכֶם תְּפַלֵּסוּן

Übersetzung: Ja, im Herzen übt ihr Ungerechtigkeiten; die Gewalttat eurer Hände wägt ihr ab im Land.

Erklärung: Das Herz (Zentrum des Denkens und Wollens) ist voller Unrecht. Was im Herzen geplant wird, wird mit den Händen ausgeführt und „abgewogen“ – als ob man Unrecht wie Ware dosiert und austeilt. Öffentliche, systematische Unterdrückung.

Parallelstellen:

  • Psalm 94,20: „Kann der Thron des Verderbens mit dir Gemeinschaft haben, der Unheil schafft unter dem Schein des Rechts?“
  • Matthäus 15,19: „Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken…“
  • Jeremia 17,9.

Vers 4 (der schwierige „Mutterschoß“-Vers)

Hebräisch: Soru reschaʿim merachem; taʿu mibeten dovre chasav
זֹרוּ רְשָׁעִים מֵרָחֶם תָּעוּ מִבֶּטֶן דֹּבְרֵי כָזָב

Übersetzung: Abgewichen sind die Gesetzlosen von Mutterschoß an, es irren von Mutterleib an die Lügenredner.

Erklärung: Hier wird die Wurzel der Bosheit aufgedeckt. Es ist keine bloße Erziehungssünde, sondern die angeborene Verdorbenheit der gefallenen Natur. „Soru“ = abgewichen, entfremdet, abtrünnig. „Taʿu“ = irren, vom Weg abkommen. Die Lüge sitzt so tief, dass sie von Anfang an da ist.

Das ist keine Lehre von einer doppelten Prädestination („Gott hat sie zum Bösen geschaffen“). Es ist die realistische Beschreibung der Erbsünde in ihrer vollen Entfaltung bei denen, die sich der Lüge und Gewalt hingeben. David selbst bekennt dasselbe von sich (Psalm 51,7).

Wichtige Parallelstellen:

  • Psalm 51,7: „Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.“
    1. Mose 8,21: „… das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an.“
  • Hiob 14,4; 15,14–16.
  • Jesaja 48,8: „… ‚Abtrünniger‘ hat man dich genannt von Mutterleib an.“
  • Johannes 8,44: Der Teufel ist „Lügner und der Vater der Lüge“ – die Gottlosen tragen sein Gepräge.
  • Epheser 2,1–3: „… von Natur Kinder des Zorns…“

Vers 5–6 (Schlangenbild)

Hebräisch V. 5: Chamat-lamo kidmut chamat-nachasch; kemo-peten cheresch jaʾtem osno
חֲמַת־לָמוֹ כִּדְמוּת חֲמַת־נָחָשׁ כְּמוֹ־פֶתֶן חֵרֵשׁ יַאְטֵם אָזְנוֹ

Übersetzung: Gift haben sie gleich Schlangengift, wie eine taube Otter, die ihr Ohr verschließt,

Hebräisch V. 6: Ascher lo-jischma lekol melachaschim; chover chavarim mechukkam
אֲשֶׁר לֹא־יִשְׁמַע לְקוֹל מְלַחֲשִׁים חוֹבֵר חֲבָרִים מְחֻכָּם

Übersetzung: die nicht hört auf die Stimme der Beschwörer, des Zauberers, der der Zaubersprüche kundig ist.

Erklärung: Die Bosheit ist tödlich wie Schlangengift. Die „taube Otter“ verschließt bewusst das Ohr, damit keine Beschwörung (kein Appell an Gewissen oder Recht) wirkt. Sie sind unbelehrbar und unempfänglich für Wahrheit und Mahnung.

Parallelstellen:

  • Psalm 140,4: „Sie schärfen ihre Zunge wie eine Schlange; Otterngift ist unter ihren Lippen.“
  • Römer 3,13: „Ihre Kehle ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handelten sie trügerisch. Otterngift ist unter ihren Lippen.“ (Paulus nimmt dieses Bild direkt auf.)
  • Jakobus 3,8: „Die Zunge aber kann kein Mensch bändigen; sie ist ein unruhiges Übel, voll tödlichen Giftes.“
  • Matthäus 23,33: „Ihr Schlangen, ihr Otternbrut!“

Vers 7

Hebräisch: Elohim haros-schinneimo befiimo; maltʿot kefirim netots JHWH
אֱלֹהִים הֲרָס־שִׁנֵּימוֹ בְּפִימוֹ מַלְתְּעוֹת כְּפִירִים נְתֹץ יְהוָה

Übersetzung: Zerschmettere, o Gott, ihre Zähne in ihrem Maul, brich aus das Gebiß der jungen Löwen, JHWH!

Erklärung: Bild der Entmachtung. Zähne und Gebiß sind die Waffen der Raubtiere. Gott soll ihre Fähigkeit, Schaden anzurichten, zerstören.

Parallelstellen:

  • Hiob 29,17; Psalm 3,8; 58,7 parallel zu Psalm 57,5 (Löwen).
  • Offenbarung 13 (das Tier mit seinen Zähnen) – Gott zerbricht schließlich alle solche Macht.

Vers 8

Hebräisch: Jimaʾasu kemo-majim jithallechu-lamo; jidroch chitsaw kemo jitmalalu
יִמָּאֲסוּ כְמוֹ־מַיִם יִתְהַלְּכוּ־לָמוֹ יִדְרֹךְ חִצָּו כְּמוֹ יִתְמַלָּלוּ

Übersetzung: Lass sie zergehen wie Wasser, die zerfließen! Legt er seine Pfeile an, so seien sie wie abgestumpft!

Erklärung: Wasser, das einfach wegläuft und nichts bewirkt. Pfeile, deren Spitzen stumpf sind – wirkungslos.


Vers 9 (Schnecke und Fehlgeburt)

Hebräisch: Kemo schablul temes jahaloch; nefel eschet bal-chasu schamesch
כְּמוֹ שַׁבְּלוּל תֶּמֶס יַהֲלֹךְ נֵפֶל אֵשֶׁת בַּל־חָזוּ שָׁמֶשׁ

Übersetzung: Lass sie sein gleich der Schnecke, die zerschmelzend dahingeht, gleich der Fehlgeburt eines Weibes, welche die Sonne nie erblickt hat!

Erklärung:

  • Schnecke (schablul): Sie hinterlässt eine Schleimspur und scheint sich dabei selbst aufzulösen. Bild für Selbstverzehrung und spurloses Verschwinden.
  • Fehlgeburt (nefel): Ein Leben, das nie das Licht erblickt hat – totale Wirkungslosigkeit und Nicht-Existenz im eigentlichen Sinn.

Parallelstellen:

  • Hiob 3,16: „… oder wie eine verborgene Fehlgeburt, wie Kinder, die das Licht nicht geschaut haben.“
  • Prediger 6,3–5.
  • Psalm 37,35–36: Der Frevler ist da – und plötzlich nicht mehr.

Vers 10

Hebräisch: Beterem javinu sirotechem atad; kemo-chai kemo-charon jiseʿarennu
בְּטֶרֶם יָבִינוּ סִּירוֹתֵכֶם אָטָד כְּמוֹ־חַי כְּמוֹ־חָרוֹן יִשְׂעָרֶנּוּ

Übersetzung: Bevor eure Töpfe den Dorn merken (d. h. bevor das Dornenfeuer die Töpfe erhitzt), möge er ihn, frisch oder brennend, hinwegstürmen!

Erklärung: Ein kurzes, intensives Dornenfeuer unter dem Kochtopf – es knistert laut, aber ist schnell vorbei und bewirkt wenig. Gott reißt das Feuer weg, bevor es richtig brennt. Bild für plötzliches, vorzeitiges Ende der Gottlosen.

Parallelstelle: Prediger 7,6: „… wie das Knistern der Dornen unter dem Topf, so ist das Lachen des Narren.“


Vers 11–12 (Schluss)

Hebräisch V. 11: Jismach tsaddik ki-chasah nakam; peʿamaw jirchats bedam hareschaʿ
יִשְׂמַח צַדִּיק כִּי־חָזָה נָקָם פְּעָמָיו יִרְחַץ בְּדַם הָרָשָׁע

Übersetzung: Freuen wird sich der Gerechte, wenn er die Rache anschaut; er wird seine Füße baden im Blute des Gesetzlosen.

Hebräisch V. 12: Wejomer adam ak-peri latsaddik; ak jesch-elohim schophetim baarets
וְיֹאמַר אָדָם אַךְ־פְּרִי לַצַּדִּיק אַךְ יֵשׁ־אֱלֹהִים שֹׁפְטִים בָּאָרֶץ

Übersetzung: Und der Mensch wird sagen: Fürwahr, es gibt Lohn (Frucht) für den Gerechten; fürwahr, es gibt einen Gott, der auf Erden richtet.

Erklärung: Die Freude ist keine sadistische Schadenfreude, sondern die Erleichterung und der Jubel darüber, dass die Gerechtigkeit Gottes siegt und das Unrecht ein Ende hat. Das „Füße baden im Blut“ ist ein altorientalisches Siegesbild (vgl. Psalm 68,24).

Parallelstellen:

  • Offenbarung 18,20: „Freue dich über sie, du Himmel, und ihr Heiligen und ihr Apostel und ihr Propheten! Denn Gott hat euer Urteil an ihr vollzogen.“
  • Offenbarung 19,1–3: Das große Halleluja über das Gericht an Babylon.
    1. Mose 32,43; Psalm 58,11 parallel zu Jesaja 63,1–6 (der Keltertreter).

Der Psalm im Neuen Testament

1. Römer 3 – die allgemeine Verdorbenheit
Paulus zitiert in Römer 3,10–18 eine Kette von Psalmstellen, um zu beweisen, dass „da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer“. Besonders Vers 13 greift das Otterngift-Motiv aus Psalm 58,5 und Psalm 140,4 auf. Psalm 58 liefert damit einen wichtigen Baustein für die paulinische Lehre von der universalen Sündhaftigkeit des Menschen. Die Diagnose „von Mutterschoß an“ wird im NT zur Voraussetzung der Heilsbotschaft: Nur die Neugeburt aus Wasser und Geist kann diese Verdorbenheit überwinden (Johannes 3,3–6; Titus 3,5).

2. Offenbarung – das endgültige Gericht und die Freude der Gerechten
Die Imprekationen des Psalms finden ihre endgültige Erfüllung im Gericht Gottes über die endzeitlichen Mächte (Babylon, das Tier, den falschen Propheten).

  • Die Freude der Gerechten über die Rache Gottes (Psalm 58,11) klingt in Offenbarung 18,20 und 19,1–3 wieder.
  • Der Gott, „der auf Erden richtet“ (V. 12), ist der Richter, der in Offenbarung 19–20 erscheint.
  • Die Entmachtung der „Löwen“ und „Schlangen“ findet ihre Erfüllung, wenn der Teufel und seine Werkzeuge endgültig gebunden und vernichtet werden.

3. Christliche Haltung zu den Rachepsalmen
Jesus hat die persönliche Rache verboten (Matthäus 5,38–48). Gleichzeitig betet er selbst in den Psalmen und überlässt dem Vater die Vergeltung. Der Christ darf den Schmerz über Unrecht vor Gott bringen (wie David), die Rache aber Gott überlassen (Römer 12,19). Am Kreuz hat Gott die radikalste „Rache“ an der Sünde vollzogen – an seinem eigenen Sohn. Dort wurde der Fluch getragen, den Psalm 58 beschreibt.


Zusammenfassung
Psalm 58 ist ein schwerer, aber heiliger Text. Er nimmt die Realität der Sünde und des Unrechts ernst und treibt uns zu dem Gott, der allein gerecht richtet. Die Verse vom „Mutterschoß“ und der „Fehlgeburt“ zeigen uns, wie tief die Verdorbenheit sitzt – und wie groß die Gnade ist, die uns daraus herausreißt.

Joerg Bier hat auf diesen Beitrag reagiert.
Joerg Bier



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HANS PETER WEPF
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