Römer 11.12
Zitat von Hans Peter Wepf am 11. August 2026, 7:35 Uhr
Ist der Begriff „mallon“ zu Römer 11,12 ein Superlativ oder Komparativadverb?
Eine einfache oder starke Steigung?
Römer 11,12 (Elberfelder 2023:
„Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wieviel mehr ihre Vollzahl!“ Römer 11,12 ist ein Schlüsselvers im Argument des Paulus – präzise, dicht, theologisch hochgeladen. Der Vers lautet (gekürzt, nicht vollständig zitiert): Struktur des Verses
- παράπτωμα (paraptōma) – „Fall, Fehltritt, Verlust“ → Israels Verstockung und Ablehnung des Messias.
- ἥττημα (hēttēma) – „Niederlage, Verlust“ → die negative Konsequenz dieses Falls.
- πλήρωμα (plērōma) – „Fülle, Vollzahl, Erfüllung“ → die zukünftige Wiederherstellung Israels.
- μᾶλλον (mallon) – „vielmehr, umso mehr, erst recht“ → der rhetorische Drehpunkt des Verses.
Paulus argumentiert: Wenn schon der Fall Israels Heil für die Nationen brachte, wie viel mehr wird ihre Wiederherstellung Heil und Fülle bringen. Theologische Bedeutung
- Heilsgeschichtliche Spannung Israel ist nicht verworfen; sein gegenwärtiger Fall ist ein Zwischenschritt.
- Missionarische Dynamik Der Reichtum der Nationen ist nicht Endpunkt, sondern Mittel zum Ziel.
- Eschatologische Hoffnung Die „Fülle Israels“ ist ein heilsgeschichtlicher Wendepunkt.
- Paulinische Logik der Steigerung Paulus arbeitet mit einem „vom Kleineren zum Größeren“-Argument. Exegetische Kurzform (präzise, deutsch-griechisch)
- παράπτωμα (paraptōma) / ἥττημα (hēttēma) → Verlust, Fall, Niederlage
- πλήρωμα (plērōma) → Fülle, Vollzahl, Erfüllung
- μᾶλλον (mallon) → vielmehr, erst recht, umso mehr
- Argument: Fall → Reichtum der Welt → vielmehr Fülle Israels
„Wenn aber ihr παράπτωμα der Welt Reichtum ist … wieviel mehr (μᾶλλον) ihr πλήρωμα.“**
Damit setzt Paulus eine Kontrast- und Steigerungslogik:
Vom Fall Israels → zum Reichtum der Welt → und vielmehr zur Fülle Israels.Kurzer Kontext (Römer 11,11–15)
Paulus fragt in Vers 11, ob Israel gestrauchelt sei, damit es endgültig falle. Die Antwort lautet: „Das sei ferne!“
Vielmehr ist durch ihren Fall (παράπτωμα paráptōma) den Nationen das Heil zuteil geworden – und zwar mit dem Zweck, Israel zur Eifersucht zu reizen.
Vers 12 steigert diesen Gedanken a fortiori: Wenn schon der Fehltritt und der Verlust Israels der Welt und den Nationen Reichtum gebracht haben, wie viel grösser wird dann der Segen sein, wenn Israel in seiner Vollzahl (πλήρωμα plḗrōma) wiederhergestellt wird.
Vers 15 führt denselben Gedanken noch einmal parallel fort: Wenn die Verwerfung Versöhnung der Welt ist, was wird dann die Annahme anderes sein als Leben aus den Toten?
Der Abschnitt steht im grösseren Zusammenhang der Kapitel 9–11, in denen Paulus Gottes treue Erwählung Israels verteidigt, den gegenwärtigen Ungehorsam der Mehrheit erklärt und die zukünftige Rettung „ganz Israels“ (11,26) ankündigt.
Wort-für-Wort-Analyse der griechischen Begriffe
1. τὸ παράπτωμα αὐτῶν – „ihr Fall / Fehltritt / Vergehen“
- παράπτωμα (paráptōma) kommt von παραπίπτω (parapíptō) = danebenfallen, fehltreten, abirren.
- Es bezeichnet hier nicht den endgültigen Untergang, sondern den konkreten Fehltritt des Unglaubens gegenüber dem Messias (vgl. den Parallelausdruck in V. 11).
- Im Gegensatz zum endgültigen „Fallen“ (πίπτω píptō in V. 11) bleibt παράπτωμα (paráptōma) ein vorläufiger, umkehrbarer Fehlschritt.
2. πλοῦτος κόσμου – „Reichtum der Welt“
- πλοῦτος (ploûtos) meint hier nicht materiellen Wohlstand, sondern den heilsgeschichtlichen Reichtum: die Rettung, die den Nationen durch Israels Ablehnung zuteilwurde.
- κόσμος (kósmos) steht hier (wie oft bei Paulus) für die heidnische Menschheit im Unterschied zu Israel.
3. τὸ ἥττημα αὐτῶν – „ihr Verlust / ihre Niederlage / ihr Mindersein“
- ἥττημα (hḗttēma) ist ein seltenes Wort (nur hier und 1Kor 6,7 im NT; LXX Jes 31,8).
- Es stammt von ἡττάομαι (hēttáomai) = unterliegen, besiegt werden, geringer sein.
- Die Bedeutung schwankt zwischen „Niederlage/Defekt“ und „numerischer Verminderung“ (der gläubige Rest ist klein).
- Im Parallelismus zu παράπτωμα (paráptōma) und im Gegensatz zu πλήρωμα (plḗrōma) ist der Gedanke der „Verringerung“ bzw. des „Minderseins“ Israels als Gottesvolk stark.
4. πλοῦτος ἐθνῶν – „Reichtum der Nationen“
- Parallel zu „Reichtum der Welt“. Die Nationen (ἔθνη éthnē) empfangen denselben heilsgeschichtlichen Reichtum.
5. τὸ πλήρωμα αὐτῶν – „ihre Vollzahl / Fülle / Erfüllung“
- πλήρωμα (plḗrōma) bedeutet das, was etwas vollmacht oder ausfüllt.
- Hier steht es in klarem Gegensatz zu ἥττημα (hḗttēma) und bezeichnet die zukünftige Vollständigkeit Israels – nicht nur einen Rest, sondern die Fülle des Volkes (vgl. 11,25–26: „ganz Israel“ und das πλήρωμα τῶν ἐθνῶν plḗrōma tôn ethnôn).
- Es ist nicht primär moralische Vollkommenheit, sondern heilsgeschichtliche und numerische Vollendung: die Wiederannahme des Volkes in seiner Gesamtheit.
Literarische und theologische Beobachtungen
Der Vers ist ein klassisches a-fortiori-Argument (vom Kleineren zum Größeren): Wenn schon das Negative (Fall und Verlust) so viel Positives für die Welt hervorbringt, um wieviel mehr wird das Positive (die Vollzahl) bewirken!
Paulus hält damit zwei Wahrheiten in Spannung:
- Israels gegenwärtiger Unglaube ist real und heilsgeschichtlich bedeutsam (er öffnet den Nationen die Tür).
- Dieser Zustand ist nicht endgültig. Gottes Treue zielt auf die Wiederherstellung Israels, die einen noch größeren Segen für die Welt mit sich bringen wird.
Die dreifache Wiederholung von αὐτῶν (autôn = „ihr/ihre“) macht deutlich, dass es um Israel als Ganzes geht, nicht um einzelne Juden. Der Fokus bleibt national und heilsgeschichtlich.
Damit ist Römer 11,12 ein zentraler Baustein in der paulinischen Hoffnung: Der gegenwärtige „Reichtum der Nationen“ ist real, aber er ist noch nicht der Höhepunkt. Der Höhepunkt kommt mit der Fülle Israels.
1. Präzise Analyse mit Wurzeln (Römer 11,12)
Text (Elberfelder nahe): „Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wieviel mehr ihre Vollzahl!“
Griechischer Text: εἰ δὲ τὸ παράπτωμα (paráptōma) αὐτῶν πλοῦτος (ploûtos) κόσμου (kósmou) καὶ τὸ ἥττημα (hḗttēma) αὐτῶν πλοῦτος (ploûtos) ἐθνῶν (ethnôn), πόσῳ μᾶλλον (pósōi mâllon) τὸ πλήρωμα (plḗrōma) αὐτῶν.
Wortwurzeln und Bedeutung:
- παράπτωμα (paráptōma) von παραπίπτω (parapíptō) = danebenfallen, fehltreten, abirren. Nicht der endgültige Sturz, sondern der konkrete Fehltritt des Unglaubens. Vorläufig und umkehrbar.
- ἥττημα (hḗttēma) von ἡττάομαι (hēttáomai) = unterliegen, besiegt werden, geringer sein. Seltenes Wort (nur hier und 1Kor 6,7). Bedeutet Niederlage, Defekt oder numerische Verminderung – Israels „Mindersein“ als Gottesvolk durch den Unglauben der Mehrheit.
- πλοῦτος (ploûtos) Reichtum – hier heilsgeschichtlich: die Rettung und der Segen, der den Nationen zuteilwurde.
- πλήρωμα (plḗrōma) von πληρόω (plēróō) = erfüllen, vollmachen. Das, was etwas voll macht. Hier die zukünftige Vollzahl / Fülle Israels im Gegensatz zum ἥττημα (hḗttēma).
Der Vers ist ein klassisches a fortiori-Argument: Wenn schon das Negative so viel Positives bewirkt, um wieviel mehr das Positive.
2. Literarische Darstellung (durchgängig formuliert)
In Römer 11,11 hatte Paulus die Frage gestellt, ob Israels Straucheln zum endgültigen Fall bestimmt sei. Die Antwort war klar: Das sei ferne! Vielmehr ist durch ihren Fehltritt den Nationen das Heil erschlossen worden – und zwar so, dass Israel dadurch zur Eifersucht gereizt werden soll.
Nun steigert er den Gedanken in Vers 12 mit einer tiefen heilsgeschichtlichen Logik:
Wenn schon ihr Fall – dieses danebengetretene, fehlgegangene Verhalten – der Welt Reichtum gebracht hat, und wenn schon ihr Verlust, ihr Mindersein, den Nationen zum Segen geworden ist, wieviel größer wird dann erst die Fülle sein, wenn Israel in seiner Vollzahl wiederhergestellt wird!Paulus stellt hier zwei Größen einander gegenüber: das gegenwärtige ἥττημα (hḗttēma) – das Unterliegen, die Verringerung, das Defizit – und das kommende πλήρωμα (plḗrōma) – die Fülle, die Vollständigkeit, das Erfülltsein des Volkes.
Was jetzt schon durch den Fehltritt an Segen in die Welt hinausfließt, ist nur ein Vorschatten. Die eigentliche Fülle des Segens wird sich erst dann entfalten, wenn Gott sein Volk in seiner Ganzheit wieder annimmt. Dann wird aus dem, was jetzt noch Verlust und Niederlage ist, eine unvergleichlich reichere Gabe für die gesamte Schöpfung werden.
So bleibt der Blick zugleich nüchtern auf die gegenwärtige Realität und hoffnungsvoll auf die zukünftige Vollendung gerichtet. Israels Fall ist real – aber er ist nicht das letzte Wort. Das letzte Wort heißt: Vollzahl.
Q.: Ist der Begriff „mallon“ zu Römer 11,12 ein Superlativ oder Komparativadverb? Eine einfache oder starke Steigung?
μᾶλλον (mâllon) in Römer 11,12 ist ein Komparativadverb („mehr“), keine Superlativform.
Grammatische Einordnung
- Positiv: μάλα (mála) = „sehr / sehr viel“
- Komparativ: μᾶλλον (mâllon) = „mehr / vielmehr / in höherem Maße“
- Superlativ: μάλιστα (málista) = „am meisten / besonders / vor allem“
μᾶλλον (mâllon) ist der neutrale Komparativ von μάλα (mála) und wird als Adverb gebraucht. Es drückt einen Vergleich bzw. eine Steigerung aus („mehr als …“), nicht den höchsten Grad.
In Römer 11,12
Der Text lautet (Nestle-Aland u. a.):
εἰ δὲ τὸ παράπτωμα (paráptōma) αὐτῶν πλοῦτος (ploûtos) κόσμου (kósmou) καὶ τὸ ἥττημα (hḗttēma) αὐτῶν πλοῦτος (ploûtos) ἐθνῶν (ethnôn), πόσῳ μᾶλλον (pósōi mâllon) τὸ πλήρωμα (plḗrōma) αὐτῶν.
„πόσῳ μᾶλλον“ (pósōi mâllon) bedeutet wörtlich „um wie viel mehr“ bzw. „um wie viel eher / desto mehr“. Es handelt sich um eine typische a-fortiori-Konstruktion (vom Geringeren zum Größeren): Wenn schon der Fall/Verlust Israels Reichtum für die Völker bedeutet, um wie viel mehr dann ihre Fülle.
Einfache oder starke Steigerung?
Es ist die normale Komparativstufe („mehr“), keine Superlativ- oder Elativform.
Die Verbindung mit πόσῳ (pósōi = „um wie viel“) und dem Kontext macht die Steigerung allerdings nachdrücklich und logisch stark (argumentum a fortiori). Manchmal wird μᾶλλον (mâllon) durch πολλά / πολλῷ zusätzlich verstärkt („viel mehr“), hier geschieht die Verstärkung durch πόσῳ (pósōi).Kurz:
Komparativadverb (einfache Steigerung im Sinne von „mehr“), die im Zusammenhang jedoch eine deutliche und gewichtige Steigerung ausdrückt.
IN CHRISTO!
HANS PETER WEPF
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Ist der Begriff „mallon“ zu Römer 11,12 ein Superlativ oder Komparativadverb?
Eine einfache oder starke Steigung?
Römer 11,12 (Elberfelder 2023:
„Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wieviel mehr ihre Vollzahl!“ Römer 11,12 ist ein Schlüsselvers im Argument des Paulus – präzise, dicht, theologisch hochgeladen. Der Vers lautet (gekürzt, nicht vollständig zitiert): Struktur des Verses
- παράπτωμα (paraptōma) – „Fall, Fehltritt, Verlust“ → Israels Verstockung und Ablehnung des Messias.
- ἥττημα (hēttēma) – „Niederlage, Verlust“ → die negative Konsequenz dieses Falls.
- πλήρωμα (plērōma) – „Fülle, Vollzahl, Erfüllung“ → die zukünftige Wiederherstellung Israels.
- μᾶλλον (mallon) – „vielmehr, umso mehr, erst recht“ → der rhetorische Drehpunkt des Verses.
Paulus argumentiert: Wenn schon der Fall Israels Heil für die Nationen brachte, wie viel mehr wird ihre Wiederherstellung Heil und Fülle bringen. Theologische Bedeutung
- Heilsgeschichtliche Spannung Israel ist nicht verworfen; sein gegenwärtiger Fall ist ein Zwischenschritt.
- Missionarische Dynamik Der Reichtum der Nationen ist nicht Endpunkt, sondern Mittel zum Ziel.
- Eschatologische Hoffnung Die „Fülle Israels“ ist ein heilsgeschichtlicher Wendepunkt.
- Paulinische Logik der Steigerung Paulus arbeitet mit einem „vom Kleineren zum Größeren“-Argument. Exegetische Kurzform (präzise, deutsch-griechisch)
- παράπτωμα (paraptōma) / ἥττημα (hēttēma) → Verlust, Fall, Niederlage
- πλήρωμα (plērōma) → Fülle, Vollzahl, Erfüllung
- μᾶλλον (mallon) → vielmehr, erst recht, umso mehr
- Argument: Fall → Reichtum der Welt → vielmehr Fülle Israels

„Wenn aber ihr παράπτωμα der Welt Reichtum ist … wieviel mehr (μᾶλλον) ihr πλήρωμα.“**
Damit setzt Paulus eine Kontrast- und Steigerungslogik:
Vom Fall Israels → zum Reichtum der Welt → und vielmehr zur Fülle Israels.
Kurzer Kontext (Römer 11,11–15)
Paulus fragt in Vers 11, ob Israel gestrauchelt sei, damit es endgültig falle. Die Antwort lautet: „Das sei ferne!“
Vielmehr ist durch ihren Fall (παράπτωμα paráptōma) den Nationen das Heil zuteil geworden – und zwar mit dem Zweck, Israel zur Eifersucht zu reizen.
Vers 12 steigert diesen Gedanken a fortiori: Wenn schon der Fehltritt und der Verlust Israels der Welt und den Nationen Reichtum gebracht haben, wie viel grösser wird dann der Segen sein, wenn Israel in seiner Vollzahl (πλήρωμα plḗrōma) wiederhergestellt wird.
Vers 15 führt denselben Gedanken noch einmal parallel fort: Wenn die Verwerfung Versöhnung der Welt ist, was wird dann die Annahme anderes sein als Leben aus den Toten?
Der Abschnitt steht im grösseren Zusammenhang der Kapitel 9–11, in denen Paulus Gottes treue Erwählung Israels verteidigt, den gegenwärtigen Ungehorsam der Mehrheit erklärt und die zukünftige Rettung „ganz Israels“ (11,26) ankündigt.
Wort-für-Wort-Analyse der griechischen Begriffe
1. τὸ παράπτωμα αὐτῶν – „ihr Fall / Fehltritt / Vergehen“
- παράπτωμα (paráptōma) kommt von παραπίπτω (parapíptō) = danebenfallen, fehltreten, abirren.
- Es bezeichnet hier nicht den endgültigen Untergang, sondern den konkreten Fehltritt des Unglaubens gegenüber dem Messias (vgl. den Parallelausdruck in V. 11).
- Im Gegensatz zum endgültigen „Fallen“ (πίπτω píptō in V. 11) bleibt παράπτωμα (paráptōma) ein vorläufiger, umkehrbarer Fehlschritt.
2. πλοῦτος κόσμου – „Reichtum der Welt“
- πλοῦτος (ploûtos) meint hier nicht materiellen Wohlstand, sondern den heilsgeschichtlichen Reichtum: die Rettung, die den Nationen durch Israels Ablehnung zuteilwurde.
- κόσμος (kósmos) steht hier (wie oft bei Paulus) für die heidnische Menschheit im Unterschied zu Israel.
3. τὸ ἥττημα αὐτῶν – „ihr Verlust / ihre Niederlage / ihr Mindersein“
- ἥττημα (hḗttēma) ist ein seltenes Wort (nur hier und 1Kor 6,7 im NT; LXX Jes 31,8).
- Es stammt von ἡττάομαι (hēttáomai) = unterliegen, besiegt werden, geringer sein.
- Die Bedeutung schwankt zwischen „Niederlage/Defekt“ und „numerischer Verminderung“ (der gläubige Rest ist klein).
- Im Parallelismus zu παράπτωμα (paráptōma) und im Gegensatz zu πλήρωμα (plḗrōma) ist der Gedanke der „Verringerung“ bzw. des „Minderseins“ Israels als Gottesvolk stark.
4. πλοῦτος ἐθνῶν – „Reichtum der Nationen“
- Parallel zu „Reichtum der Welt“. Die Nationen (ἔθνη éthnē) empfangen denselben heilsgeschichtlichen Reichtum.
5. τὸ πλήρωμα αὐτῶν – „ihre Vollzahl / Fülle / Erfüllung“
- πλήρωμα (plḗrōma) bedeutet das, was etwas vollmacht oder ausfüllt.
- Hier steht es in klarem Gegensatz zu ἥττημα (hḗttēma) und bezeichnet die zukünftige Vollständigkeit Israels – nicht nur einen Rest, sondern die Fülle des Volkes (vgl. 11,25–26: „ganz Israel“ und das πλήρωμα τῶν ἐθνῶν plḗrōma tôn ethnôn).
- Es ist nicht primär moralische Vollkommenheit, sondern heilsgeschichtliche und numerische Vollendung: die Wiederannahme des Volkes in seiner Gesamtheit.
Literarische und theologische Beobachtungen
Der Vers ist ein klassisches a-fortiori-Argument (vom Kleineren zum Größeren): Wenn schon das Negative (Fall und Verlust) so viel Positives für die Welt hervorbringt, um wieviel mehr wird das Positive (die Vollzahl) bewirken!
Paulus hält damit zwei Wahrheiten in Spannung:
- Israels gegenwärtiger Unglaube ist real und heilsgeschichtlich bedeutsam (er öffnet den Nationen die Tür).
- Dieser Zustand ist nicht endgültig. Gottes Treue zielt auf die Wiederherstellung Israels, die einen noch größeren Segen für die Welt mit sich bringen wird.
Die dreifache Wiederholung von αὐτῶν (autôn = „ihr/ihre“) macht deutlich, dass es um Israel als Ganzes geht, nicht um einzelne Juden. Der Fokus bleibt national und heilsgeschichtlich.
Damit ist Römer 11,12 ein zentraler Baustein in der paulinischen Hoffnung: Der gegenwärtige „Reichtum der Nationen“ ist real, aber er ist noch nicht der Höhepunkt. Der Höhepunkt kommt mit der Fülle Israels.
1. Präzise Analyse mit Wurzeln (Römer 11,12)
Text (Elberfelder nahe): „Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wieviel mehr ihre Vollzahl!“
Griechischer Text: εἰ δὲ τὸ παράπτωμα (paráptōma) αὐτῶν πλοῦτος (ploûtos) κόσμου (kósmou) καὶ τὸ ἥττημα (hḗttēma) αὐτῶν πλοῦτος (ploûtos) ἐθνῶν (ethnôn), πόσῳ μᾶλλον (pósōi mâllon) τὸ πλήρωμα (plḗrōma) αὐτῶν.
Wortwurzeln und Bedeutung:
- παράπτωμα (paráptōma) von παραπίπτω (parapíptō) = danebenfallen, fehltreten, abirren. Nicht der endgültige Sturz, sondern der konkrete Fehltritt des Unglaubens. Vorläufig und umkehrbar.
- ἥττημα (hḗttēma) von ἡττάομαι (hēttáomai) = unterliegen, besiegt werden, geringer sein. Seltenes Wort (nur hier und 1Kor 6,7). Bedeutet Niederlage, Defekt oder numerische Verminderung – Israels „Mindersein“ als Gottesvolk durch den Unglauben der Mehrheit.
- πλοῦτος (ploûtos) Reichtum – hier heilsgeschichtlich: die Rettung und der Segen, der den Nationen zuteilwurde.
- πλήρωμα (plḗrōma) von πληρόω (plēróō) = erfüllen, vollmachen. Das, was etwas voll macht. Hier die zukünftige Vollzahl / Fülle Israels im Gegensatz zum ἥττημα (hḗttēma).
Der Vers ist ein klassisches a fortiori-Argument: Wenn schon das Negative so viel Positives bewirkt, um wieviel mehr das Positive.
2. Literarische Darstellung (durchgängig formuliert)
In Römer 11,11 hatte Paulus die Frage gestellt, ob Israels Straucheln zum endgültigen Fall bestimmt sei. Die Antwort war klar: Das sei ferne! Vielmehr ist durch ihren Fehltritt den Nationen das Heil erschlossen worden – und zwar so, dass Israel dadurch zur Eifersucht gereizt werden soll.
Nun steigert er den Gedanken in Vers 12 mit einer tiefen heilsgeschichtlichen Logik:
Wenn schon ihr Fall – dieses danebengetretene, fehlgegangene Verhalten – der Welt Reichtum gebracht hat, und wenn schon ihr Verlust, ihr Mindersein, den Nationen zum Segen geworden ist, wieviel größer wird dann erst die Fülle sein, wenn Israel in seiner Vollzahl wiederhergestellt wird!
Paulus stellt hier zwei Größen einander gegenüber: das gegenwärtige ἥττημα (hḗttēma) – das Unterliegen, die Verringerung, das Defizit – und das kommende πλήρωμα (plḗrōma) – die Fülle, die Vollständigkeit, das Erfülltsein des Volkes.
Was jetzt schon durch den Fehltritt an Segen in die Welt hinausfließt, ist nur ein Vorschatten. Die eigentliche Fülle des Segens wird sich erst dann entfalten, wenn Gott sein Volk in seiner Ganzheit wieder annimmt. Dann wird aus dem, was jetzt noch Verlust und Niederlage ist, eine unvergleichlich reichere Gabe für die gesamte Schöpfung werden.
So bleibt der Blick zugleich nüchtern auf die gegenwärtige Realität und hoffnungsvoll auf die zukünftige Vollendung gerichtet. Israels Fall ist real – aber er ist nicht das letzte Wort. Das letzte Wort heißt: Vollzahl.
Q.: Ist der Begriff „mallon“ zu Römer 11,12 ein Superlativ oder Komparativadverb? Eine einfache oder starke Steigung?
μᾶλλον (mâllon) in Römer 11,12 ist ein Komparativadverb („mehr“), keine Superlativform.
Grammatische Einordnung
- Positiv: μάλα (mála) = „sehr / sehr viel“
- Komparativ: μᾶλλον (mâllon) = „mehr / vielmehr / in höherem Maße“
- Superlativ: μάλιστα (málista) = „am meisten / besonders / vor allem“
μᾶλλον (mâllon) ist der neutrale Komparativ von μάλα (mála) und wird als Adverb gebraucht. Es drückt einen Vergleich bzw. eine Steigerung aus („mehr als …“), nicht den höchsten Grad.
In Römer 11,12
Der Text lautet (Nestle-Aland u. a.):
εἰ δὲ τὸ παράπτωμα (paráptōma) αὐτῶν πλοῦτος (ploûtos) κόσμου (kósmou) καὶ τὸ ἥττημα (hḗttēma) αὐτῶν πλοῦτος (ploûtos) ἐθνῶν (ethnôn), πόσῳ μᾶλλον (pósōi mâllon) τὸ πλήρωμα (plḗrōma) αὐτῶν.
„πόσῳ μᾶλλον“ (pósōi mâllon) bedeutet wörtlich „um wie viel mehr“ bzw. „um wie viel eher / desto mehr“. Es handelt sich um eine typische a-fortiori-Konstruktion (vom Geringeren zum Größeren): Wenn schon der Fall/Verlust Israels Reichtum für die Völker bedeutet, um wie viel mehr dann ihre Fülle.
Einfache oder starke Steigerung?
Es ist die normale Komparativstufe („mehr“), keine Superlativ- oder Elativform.
Die Verbindung mit πόσῳ (pósōi = „um wie viel“) und dem Kontext macht die Steigerung allerdings nachdrücklich und logisch stark (argumentum a fortiori). Manchmal wird μᾶλλον (mâllon) durch πολλά / πολλῷ zusätzlich verstärkt („viel mehr“), hier geschieht die Verstärkung durch πόσῳ (pósōi).
Kurz:
Komparativadverb (einfache Steigerung im Sinne von „mehr“), die im Zusammenhang jedoch eine deutliche und gewichtige Steigerung ausdrückt.
IN CHRISTO!
HANS PETER WEPF
BIBELKREIS.CH
YT: MEIN KANAL