Zwischen Römer 11,25 und 11,26 liegt im Text selbst keine angegebene Zeitspanne. Die Verse sind grammatisch direkt verbunden.
Zitat von Hans Peter Wepf am 30. September 2026, 10:13 Uhr
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Elberfelder (2023):
Verstockung (pōrōsis) ist Israel zum Teil (apo merous) widerfahren, bis (achri hou) die Vollzahl (plērōma) der Nationen hineingekommen sein wird; und so (kai houtōs) wird ganz Israel gerettet werden …
Was der Text selbst sagt
- V. 25 beschreibt einen begrenzten Zustand: Teilverstockung Israels bis die von Gott bestimmte Vollzahl aus den Nationen eingegangen ist.
- V. 26a knüpft mit kai houtōs an. Houtōs heißt primär „so / auf diese Weise“ (modal), nicht zwingend „danach erst nach langer Pause“. Es fasst den zuvor genannten Weg zusammen: Gerade durch diesen Ablauf (Teilverstockung + Eingang der Heidenvollzahl) kommt es zur Rettung ganz Israels.
- Das Zitat in V. 26b–27 (Jesaja 59,20f. + 27,9) bindet die Rettung an das Kommen des Retters aus Zion, der die Gottlosigkeiten von Jakob abwendet und die Sünden wegnimmt.
Der Text nennt keinen Zeitraum (weder Tage noch Jahre noch eine Lücke). Er nennt eine Reihenfolge und eine Art und Weise.
Die eigentliche Frage: Wann folgt V. 26 auf das Ende von V. 25?
Hier trennen sich die Auslegungen, weil der Text die Dauer nicht füllt:
- Enger Anschluss (viele exegetische Lesarten)
Sobald die Vollzahl der Nationen da ist, wird die Verstockung aufgehoben und Israel als Ganzes (nicht jeder einzelne Jude aller Zeiten, sondern das Volk in seiner dann lebenden Gesamtheit / der dann vorhandene Rest) zum Glauben gebracht. Houtōs beschreibt den Weg, nicht eine extra Epoche dazwischen. Manche sehen das fast zeitgleich oder als unmittelbare Folge.- Heilsgeschichtliche Lücke (dispensational / futuristisch, auch in Ihrer bisherigen Linie zu Römer 11)
Die „Vollzahl der Nationen“ wird oft mit dem Abschluss der Gemeindezeit gleichgesetzt (Entrückung). Danach folgt die 70. Jahrwoche Daniels (Drangsalszeit), in der Gott wieder speziell mit Israel handelt. Am Ende dieser Zeit, beim Kommen des Retters aus Zion (Wiederkunft), wird „ganz Israel“ gerettet. Die Zeit zwischen dem „bis“ von V. 25 und der Erfüllung von V. 26 wäre dann im Wesentlichen diese sieben Jahre plus der unmittelbare Übergang zur Erscheinung Christi.Beide Lesarten nehmen das „bis“ ernst. Der Unterschied liegt darin, ob man zwischen dem Eingang der Heidenvollzahl und der nationalen Umkehr Israels noch die Drangsalszeit einschiebt oder den Übergang als direkt versteht.
Was der Text klar nicht sagt
- Er nennt keine genaue Dauer.
- „Ganz Israel“ bedeutet nicht automatisch jeden ethnischen Juden aller Generationen, sondern das Volk in dem von Gott bestimmten endzeitlichen Sinn (im Kontext von Römer 9–11 der Rest, der dann als Nation umkehrt; vgl. auch Hesekiel 20; Sacharja 12–13).
- Die Rettung geschieht nicht unabhängig vom Glauben an den Retter aus Zion.
Die wichtige Frage bleibt also: Ist kai houtōs nur die Beschreibung des Weges (Verstockung → Heidenvollzahl → dann Israel), oder setzt man zwischen das Ende der Heidenfülle und die Rettung Israels noch die 70. Woche?
Der griechische Wortlaut lässt beides zu; er zwingt keine bestimmte Anzahl von Jahren.
Die Entscheidung hängt davon ab, wie man Römer 11 mit Daniel 9, Matthäus 24 und der Unterscheidung Gemeinde / Israel zusammenliest.www.bibelkreis.ch --- www.m316.ch
Die Frage, wie viel Zeit zwischen Römer 11,25 und Römer 11,26 liegt, entscheidet der Wortlaut von Römer 11 allein nicht.
Er sagt: Verstockung (pōrōsis) ist Israel zum Teil (apo merous) widerfahren,
bis (achri hou) die Vollzahl (plērōma) der Nationen hineingekommen sein wird;
und so (kai houtōs) wird ganz Israel gerettet werden.
„Bis“ setzt eine Grenze.
„Und so“ beschreibt den Weg.
Eine Jahreszahl steht nicht da.
Deshalb muss man Römer 11 mit Daniel 9, Matthäus 24 und der Unterscheidung Gemeinde / Israel zusammenlesen.1. Was Römer 11 selbst festlegt
Paulus redet vom ethnischen Israel, nicht von einem umgedeuteten „geistlichen Israel“.
In Kapitel 9–11 bleiben Israel und die Nationen unterschieden.
Es gibt einen Rest nach Gnadenwahl, und es gibt die Mehrheit unter Teilverstockung.
Diese Verstockung ist begrenzt.
Ihr Ende ist an den Eingang der Vollzahl aus den Nationen gebunden.
Danach folgt die Rettung „ganz Israels“, belegt mit Jesaja 59,20f. und 27,9:
Der Retter kommt aus Zion, wendet die Gottlosigkeiten von Jakob ab und nimmt die Sünden weg.
Das ist nationale Umkehr, nicht die allmähliche Bekehrung einzelner Juden über die Jahrhunderte hinweg,
die es immer gegeben hat.
Der Text nennt die Reihenfolge.
Er füllt die Zwischenzeit nicht.2. Daniel 9: die siebzig Jahrwochen und die Lücke nach der 69.
Daniel 9,24–27
gibt Israel und der heiligen Stadt siebzig Jahrwochen.
Nach 69 Wochen wird der Gesalbte ausgerottet und hat nichts.
Dann kommt das Volk des kommenden Fürsten und zerstört Stadt und Heiligtum.
Die letzte, die 70. Woche, steht für sich: Der Fürst bestätigt einen Bund eine Woche lang;
in der Mitte der Woche hört er Schlachtopfer und Speisopfer auf;
auf dem Flügel der Gräuel kommt Verwüstung, bis die festbeschlossene Vernichtung sich über den Verwüster ergiesst.Zwischen dem Ende der 69. Woche (Kreuz und Verwerfung des Messias, Zerstörung 70 n. Chr.)
und dem Beginn der 70. Woche liegt in der Schrift eine nicht bezifferte Pause.
In dieser Pause geschieht genau das, was Römer 11,25 beschreibt:
Israel als Nation unter Teilverstockung,
während Gott aus den Nationen ein Volk für seinen Namen nimmt.
Die 70. Woche ist wieder ausdrücklich Zeit für Israel und Jerusalem, nicht für die Gemeinde.
Wer Daniel 9 so liest, hat zwischen „Vollzahl der Nationen ist hineingekommen“ und „ganz Israel wird gerettet“
einen fest umgrenzten Abschnitt:
die letzte Jahrwoche, in der Gott wieder direkt mit Jakob handelt, bis der Retter aus Zion erscheint.3. Matthäus 24: die Zeiten der Nationen und das Kommen des Menschensohns
Matthäus 24 redet zu Jüngern im jüdischen Horizont:
Heiligtum, Juda, Flucht in die Berge, Gräuel der Verwüstung, große Drangsal,
wie sie seit Anfang der Welt nicht gewesen ist, und danach das Zeichen des Menschensohns.
Jerusalem wird von Nationen zertreten werden,
bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind (Lukas 21,24).
Das trifft sich mit Römer 11,25:
Die Verstockung und die Zertretung dauern, bis ein von Gott gesetztes Maß der Nationen erreicht ist.Dann kommt der Menschensohn auf den Wolken.
Dann trauern alle Stämme des Landes.
Dann wird Israel den ansehen, den sie durchstochen haben (Sacharja 12).
Matthäus 24 füllt also denselben Übergang:
Ende der Heidenzeit, Drangsal um Jerusalem, Erscheinen des Retters, Umkehr Jakobs.
Auch hier steht keine Uhr zwischen Vers 25 und 26 von Römer 11,
aber der Ablauf ist derselbe:
erst Erfüllung der Nationenzeit, dann das Gericht und die Rettung Israels beim Kommen des Herrn.4. Gemeinde und Israel bleiben unterschieden
Die Gemeinde, der Leib Christi, ist in den Paulusbriefen ein zuvor verborgenes Geheimnis (Epheser 3).
Sie besteht aus Juden und Nationen in einem Leib, ohne dass die Nationen zu Israel werden oder Israel
in der Gemeinde aufgeht.
Römer 11 selbst warnt die Gläubigen aus den Nationen:
Seid nicht hochmütig. Ihr seid eingepfropft.
Die natürlichen Zweige können wieder eingepfropft werden.
Gottes Gaben und Berufung an Israel sind unbereubar.Wenn man diese Unterscheidung festhält,
kann die „Vollzahl der Nationen“ nicht einfach „alle Erwählten bis zum Jüngsten Tag“ bedeuten,
in der Israel nur noch als Rest innerhalb der Gemeinde vorkommt.
Dann ist die Gemeindezeit der Abschnitt, in dem die Teilverstockung andauert.
Ihr Abschluss (nach 1. Thessalonicher 4 und 1. Korinther 15 das Weggenommenwerden derer,
die in Christus sind) gibt den Blick frei auf die 70. Woche und auf die Rettung ganz Israels beim Kommen des Retters aus Zion.
Wer Gemeinde und Israel in eins setzt,
braucht zwischen Römer 11,25 und 11,26 keine eigene Zeit.
Wer sie unterscheidet, hat genau dort den Platz für Daniel 9 und Matthäus 24.5. Die Zusammenfassung in einem Satz
Römer 11 gibt die Reihenfolge:
Teilverstockung Israels bis zur Vollzahl der Nationen
– und so Rettung ganz Israels durch den Retter aus Zion.
Daniel 9 gibt die fehlende Zeitstruktur:
nach der 69. Woche eine Pause, dann die 70. Woche für Israel.
Matthäus 24 gibt den Ablauf dieser letzten Zeit:
Drangsal um Jerusalem, Ende der Zeiten der Nationen, Kommen des Menschensohns, Trauer und Umkehr der Stämme.
Die Unterscheidung Gemeinde / Israel sagt, wem welche Zeit gehört:
der Gemeinde die Pause der Teilverstockung,
Israel die letzte Woche und die Erscheinung des Retters.Deshalb liegt zwischen Römer 11,25 und 11,26 im Wortlaut keine Zahl
– wohl aber, wenn man die drei Linien zusammenliest,
die von Gott gesetzte letzte Jahrwoche und das unmittelbare Kommen Christi für Jakob.
Das ist keine Erfindung über den Text hinaus, sondern das Einlesen der Stellen,
die Paulus selbst mit „wie geschrieben steht“ und mit dem Geheimnis der Heilswege Gottes voraussetzt.
Die Lücke In Daniel 9
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Die Lücke in Daniel 9 ist keine Zahl, die Gabriel nennt. Sie entsteht daraus, dass der Text nach der 69. Jahrwoche Ereignisse setzt, die nicht in die 70. Woche gehören, und die sechs Ziele von Daniel 9,24 bis heute an Israel und Jerusalem nicht erfüllt sind.
Der Text (Elberfelder, sinngemäß)
Über dein Volk und über deine heilige Stadt sind 70 Wochen (schabuim, Siebener) bestimmt: den Frevel zu beenden, der Sünde ein Ende zu machen, die Ungerechtigkeit zu sühnen, ewige Gerechtigkeit zu bringen, Gesicht und Propheten zu versiegeln und ein Allerheiligstes zu salben (9,24).
Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Gesalbten, den Fürsten (maschiach nagid), sind 7 Wochen und 62 Wochen (9,25). Nach den 62 Wochen wird der Gesalbte ausgerottet (jikaret) und hat nichts. Das Volk des kommenden Fürsten zerstört Stadt und Heiligtum. Sein Ende kommt mit einer Überflutung; bis zum Ende Krieg und festbeschlossene Verwüstungen (9,26). Er bestätigt einen Bund den Vielen eine Woche lang; in der Mitte der Woche lässt er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören. Auf dem Flügel der Gräuel ein Verwüster, bis die festbeschlossene Vernichtung sich über den Verwüster ergießt (9,27).
Was der Text trennt
Die 69 Wochen (7 + 62) laufen bis zum Gesalbten, dem Fürsten. Danach steht nicht „in der 70. Woche“, sondern nach den 62 Wochen (we’achare): der Gesalbte wird ausgerottet. Dann folgt ein weiteres Ereignis, das ebenfalls nicht in die eine Woche von Vers 27 gepresst wird: das Volk eines kommenden Fürsten zerstört Stadt und Heiligtum. Das geschah 70 n. Chr., Jahrzehnte nach dem Kreuz. Erst Vers 27 beschreibt die eine, die 70. Woche: Bund mit den Vielen, Mitte der Woche, Aufhören von Schlacht- und Speisopfer, Gräuel, Ende des Verwüsters.
Drei Dinge stehen also zwischen dem Ende der 69. Woche und dem Inhalt der 70. Woche: die Ausrottung des Gesalbten, die Zerstörung von Stadt und Heiligtum, und eine Zeit von Krieg und festbeschlossenen Verwüstungen. Der Text zählt diese Zeit nicht als Teil der 70 Siebener. Er lässt sie offen.
Warum die sechs Ziele die Lücke stützen
Daniel 9,24 gilt „über dein Volk und über deine heilige Stadt“ — Israel und Jerusalem, nicht über die Nationen und nicht über die Gemeinde. Sechs Ziele müssen innerhalb der 70 Wochen erfüllt werden. Sühnung ist am Kreuz geschehen. Aber Frevel beendet, Sünde zu Ende, ewige Gerechtigkeit über Jakob gebracht, Gesicht und Prophet versiegelt, ein Allerheiligstes gesalbt: das ist an Israel und an der Stadt nicht eingetroffen. Hesekiel 40–48 und Sacharja 12–14 setzen genau diese Vollendung an das Ende, nicht an das erste Kommen. Solange diese Ziele offen sind, ist die 70. Woche nicht abgelaufen.
Wer „er“ in Vers 27 ist
Das nächste männliche Bezugswort vor „er bestätigt einen Bund“ ist der kommende Fürst, dessen Volk Stadt und Heiligtum zerstört (9,26), nicht der ausgerottete Gesalbte. Der Gesalbte „hat nichts“. Der Fürst handelt. In der Mitte der Woche hebt er Opfer auf und bringt den Gräuel der Verwüstung — dieselbe Linie wie Matthäus 24,15 und 2. Thessalonicher 2,4. Wer den Gekreuzigten zum Subjekt von 9,27 macht, muss das Aufhören der Opfer als bloße Folge des Kreuzes deuten und den Gräuel auf 70 n. Chr. schieben. Der Wortlaut trennt den ausgerotteten Gesalbten vom handelnden Fürsten.
Was die Lücke ist — und was sie nicht ist
Sie ist die nicht gezählte Zeit zwischen dem Abschluss der 69 Wochen (Kommen und Ausrottung des Gesalbten) und dem Beginn der letzten Woche (Bund des kommenden Fürsten mit den Vielen). In diese Zeit fällt die Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. und die seither andauernde Teilverstockung Israels, bis die Vollzahl der Nationen hineingekommen ist (Römer 11,25). Die Schrift beziffert diese Pause nicht. Sie beschreibt sie: Jerusalem von Nationen zertreten, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind (Lukas 21,24); Verstockung zum Teil, bis die plērōma der Nationen eingegangen ist.
Sie ist nicht eine willkürliche Einfügung, damit irgendwo sieben Jahre Drangsal Platz haben. Die sieben Jahre stehen in 9,27. Die Lücke steht davor, weil der Text die Ausrottung und die Zerstörung nach den 69 Wochen setzt und die eine Woche erst mit dem Bund des kommenden Fürsten beginnen lässt.
Die Gegenlesart, kurz
Wer keine Lücke annimmt, legt die 70. Woche in die Jahre des Wirkens Jesu und die ersten Jahre danach:
der Messias bestätigt den Bund, in der Mitte der Woche hebt das Kreuz die Opfer auf, die Zerstörung 70 n. Chr. ist das Ende.
Dagegen steht:
„nach den 62 Wochen“ für die Ausrottung, nicht „in der Mitte der 70.“;
die Zerstörung Jahrzehnte später; die sechs Ziele von 9,24 an Israel und der Stadt unerfüllt;
der Gräuel der Verwüstung in Matthäus 24 noch zukünftig, als Jesus spricht.
Diese Lesart muss die Woche symbolisch dehnen oder die Ziele auf die Gemeinde umdeuten.
Daniel sagt: über dein Volk und über deine heilige Stadt.Verbindung zu Römer 11,25–26
Die Lücke nach der 69. Woche ist die Zeit, in der Gott aus den Nationen die Vollzahl nimmt und Israel zum Teil verstockt bleibt.
Wenn diese Vollzahl hineingekommen ist, beginnt das, was Daniel 9,27 noch offenlässt:
die letzte Woche, der Bund, die Mitte, der Gräuel, und am Ende der Retter aus Zion, der die Gottlosigkeiten von Jakob abwendet (Römer 11,26; Jesaja 59,20).
Die Lücke ist also nicht die Zeit zwischen Römer 11,25 und 11,26.
Die Lücke ist die Gemeindezeit.
Zwischen 11,25 und 11,26 liegt die eine, noch ausstehende Woche.

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Elberfelder (2023):
Verstockung (pōrōsis) ist Israel zum Teil (apo merous) widerfahren, bis (achri hou) die Vollzahl (plērōma) der Nationen hineingekommen sein wird; und so (kai houtōs) wird ganz Israel gerettet werden …
Was der Text selbst sagt
- V. 25 beschreibt einen begrenzten Zustand: Teilverstockung Israels bis die von Gott bestimmte Vollzahl aus den Nationen eingegangen ist.
- V. 26a knüpft mit kai houtōs an. Houtōs heißt primär „so / auf diese Weise“ (modal), nicht zwingend „danach erst nach langer Pause“. Es fasst den zuvor genannten Weg zusammen: Gerade durch diesen Ablauf (Teilverstockung + Eingang der Heidenvollzahl) kommt es zur Rettung ganz Israels.
- Das Zitat in V. 26b–27 (Jesaja 59,20f. + 27,9) bindet die Rettung an das Kommen des Retters aus Zion, der die Gottlosigkeiten von Jakob abwendet und die Sünden wegnimmt.
Der Text nennt keinen Zeitraum (weder Tage noch Jahre noch eine Lücke). Er nennt eine Reihenfolge und eine Art und Weise.
Die eigentliche Frage: Wann folgt V. 26 auf das Ende von V. 25?
Hier trennen sich die Auslegungen, weil der Text die Dauer nicht füllt:
- Enger Anschluss (viele exegetische Lesarten)
Sobald die Vollzahl der Nationen da ist, wird die Verstockung aufgehoben und Israel als Ganzes (nicht jeder einzelne Jude aller Zeiten, sondern das Volk in seiner dann lebenden Gesamtheit / der dann vorhandene Rest) zum Glauben gebracht. Houtōs beschreibt den Weg, nicht eine extra Epoche dazwischen. Manche sehen das fast zeitgleich oder als unmittelbare Folge. - Heilsgeschichtliche Lücke (dispensational / futuristisch, auch in Ihrer bisherigen Linie zu Römer 11)
Die „Vollzahl der Nationen“ wird oft mit dem Abschluss der Gemeindezeit gleichgesetzt (Entrückung). Danach folgt die 70. Jahrwoche Daniels (Drangsalszeit), in der Gott wieder speziell mit Israel handelt. Am Ende dieser Zeit, beim Kommen des Retters aus Zion (Wiederkunft), wird „ganz Israel“ gerettet. Die Zeit zwischen dem „bis“ von V. 25 und der Erfüllung von V. 26 wäre dann im Wesentlichen diese sieben Jahre plus der unmittelbare Übergang zur Erscheinung Christi.
Beide Lesarten nehmen das „bis“ ernst. Der Unterschied liegt darin, ob man zwischen dem Eingang der Heidenvollzahl und der nationalen Umkehr Israels noch die Drangsalszeit einschiebt oder den Übergang als direkt versteht.
Was der Text klar nicht sagt
- Er nennt keine genaue Dauer.
- „Ganz Israel“ bedeutet nicht automatisch jeden ethnischen Juden aller Generationen, sondern das Volk in dem von Gott bestimmten endzeitlichen Sinn (im Kontext von Römer 9–11 der Rest, der dann als Nation umkehrt; vgl. auch Hesekiel 20; Sacharja 12–13).
- Die Rettung geschieht nicht unabhängig vom Glauben an den Retter aus Zion.
Die wichtige Frage bleibt also: Ist kai houtōs nur die Beschreibung des Weges (Verstockung → Heidenvollzahl → dann Israel), oder setzt man zwischen das Ende der Heidenfülle und die Rettung Israels noch die 70. Woche?
Der griechische Wortlaut lässt beides zu; er zwingt keine bestimmte Anzahl von Jahren.
Die Entscheidung hängt davon ab, wie man Römer 11 mit Daniel 9, Matthäus 24 und der Unterscheidung Gemeinde / Israel zusammenliest.
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Die Frage, wie viel Zeit zwischen Römer 11,25 und Römer 11,26 liegt, entscheidet der Wortlaut von Römer 11 allein nicht.
Er sagt: Verstockung (pōrōsis) ist Israel zum Teil (apo merous) widerfahren,
bis (achri hou) die Vollzahl (plērōma) der Nationen hineingekommen sein wird;
und so (kai houtōs) wird ganz Israel gerettet werden.
„Bis“ setzt eine Grenze.
„Und so“ beschreibt den Weg.
Eine Jahreszahl steht nicht da.
Deshalb muss man Römer 11 mit Daniel 9, Matthäus 24 und der Unterscheidung Gemeinde / Israel zusammenlesen.
1. Was Römer 11 selbst festlegt
Paulus redet vom ethnischen Israel, nicht von einem umgedeuteten „geistlichen Israel“.
In Kapitel 9–11 bleiben Israel und die Nationen unterschieden.
Es gibt einen Rest nach Gnadenwahl, und es gibt die Mehrheit unter Teilverstockung.
Diese Verstockung ist begrenzt.
Ihr Ende ist an den Eingang der Vollzahl aus den Nationen gebunden.
Danach folgt die Rettung „ganz Israels“, belegt mit Jesaja 59,20f. und 27,9:
Der Retter kommt aus Zion, wendet die Gottlosigkeiten von Jakob ab und nimmt die Sünden weg.
Das ist nationale Umkehr, nicht die allmähliche Bekehrung einzelner Juden über die Jahrhunderte hinweg,
die es immer gegeben hat.
Der Text nennt die Reihenfolge.
Er füllt die Zwischenzeit nicht.
2. Daniel 9: die siebzig Jahrwochen und die Lücke nach der 69.
Daniel 9,24–27
gibt Israel und der heiligen Stadt siebzig Jahrwochen.
Nach 69 Wochen wird der Gesalbte ausgerottet und hat nichts.
Dann kommt das Volk des kommenden Fürsten und zerstört Stadt und Heiligtum.
Die letzte, die 70. Woche, steht für sich: Der Fürst bestätigt einen Bund eine Woche lang;
in der Mitte der Woche hört er Schlachtopfer und Speisopfer auf;
auf dem Flügel der Gräuel kommt Verwüstung, bis die festbeschlossene Vernichtung sich über den Verwüster ergiesst.
Zwischen dem Ende der 69. Woche (Kreuz und Verwerfung des Messias, Zerstörung 70 n. Chr.)
und dem Beginn der 70. Woche liegt in der Schrift eine nicht bezifferte Pause.
In dieser Pause geschieht genau das, was Römer 11,25 beschreibt:
Israel als Nation unter Teilverstockung,
während Gott aus den Nationen ein Volk für seinen Namen nimmt.
Die 70. Woche ist wieder ausdrücklich Zeit für Israel und Jerusalem, nicht für die Gemeinde.
Wer Daniel 9 so liest, hat zwischen „Vollzahl der Nationen ist hineingekommen“ und „ganz Israel wird gerettet“
einen fest umgrenzten Abschnitt:
die letzte Jahrwoche, in der Gott wieder direkt mit Jakob handelt, bis der Retter aus Zion erscheint.
3. Matthäus 24: die Zeiten der Nationen und das Kommen des Menschensohns
Matthäus 24 redet zu Jüngern im jüdischen Horizont:
Heiligtum, Juda, Flucht in die Berge, Gräuel der Verwüstung, große Drangsal,
wie sie seit Anfang der Welt nicht gewesen ist, und danach das Zeichen des Menschensohns.
Jerusalem wird von Nationen zertreten werden,
bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind (Lukas 21,24).
Das trifft sich mit Römer 11,25:
Die Verstockung und die Zertretung dauern, bis ein von Gott gesetztes Maß der Nationen erreicht ist.
Dann kommt der Menschensohn auf den Wolken.
Dann trauern alle Stämme des Landes.
Dann wird Israel den ansehen, den sie durchstochen haben (Sacharja 12).
Matthäus 24 füllt also denselben Übergang:
Ende der Heidenzeit, Drangsal um Jerusalem, Erscheinen des Retters, Umkehr Jakobs.
Auch hier steht keine Uhr zwischen Vers 25 und 26 von Römer 11,
aber der Ablauf ist derselbe:
erst Erfüllung der Nationenzeit, dann das Gericht und die Rettung Israels beim Kommen des Herrn.
4. Gemeinde und Israel bleiben unterschieden
Die Gemeinde, der Leib Christi, ist in den Paulusbriefen ein zuvor verborgenes Geheimnis (Epheser 3).
Sie besteht aus Juden und Nationen in einem Leib, ohne dass die Nationen zu Israel werden oder Israel
in der Gemeinde aufgeht.
Römer 11 selbst warnt die Gläubigen aus den Nationen:
Seid nicht hochmütig. Ihr seid eingepfropft.
Die natürlichen Zweige können wieder eingepfropft werden.
Gottes Gaben und Berufung an Israel sind unbereubar.
Wenn man diese Unterscheidung festhält,
kann die „Vollzahl der Nationen“ nicht einfach „alle Erwählten bis zum Jüngsten Tag“ bedeuten,
in der Israel nur noch als Rest innerhalb der Gemeinde vorkommt.
Dann ist die Gemeindezeit der Abschnitt, in dem die Teilverstockung andauert.
Ihr Abschluss (nach 1. Thessalonicher 4 und 1. Korinther 15 das Weggenommenwerden derer,
die in Christus sind) gibt den Blick frei auf die 70. Woche und auf die Rettung ganz Israels beim Kommen des Retters aus Zion.
Wer Gemeinde und Israel in eins setzt,
braucht zwischen Römer 11,25 und 11,26 keine eigene Zeit.
Wer sie unterscheidet, hat genau dort den Platz für Daniel 9 und Matthäus 24.
5. Die Zusammenfassung in einem Satz
Römer 11 gibt die Reihenfolge:
Teilverstockung Israels bis zur Vollzahl der Nationen
– und so Rettung ganz Israels durch den Retter aus Zion.
Daniel 9 gibt die fehlende Zeitstruktur:
nach der 69. Woche eine Pause, dann die 70. Woche für Israel.
Matthäus 24 gibt den Ablauf dieser letzten Zeit:
Drangsal um Jerusalem, Ende der Zeiten der Nationen, Kommen des Menschensohns, Trauer und Umkehr der Stämme.
Die Unterscheidung Gemeinde / Israel sagt, wem welche Zeit gehört:
der Gemeinde die Pause der Teilverstockung,
Israel die letzte Woche und die Erscheinung des Retters.
Deshalb liegt zwischen Römer 11,25 und 11,26 im Wortlaut keine Zahl
– wohl aber, wenn man die drei Linien zusammenliest,
die von Gott gesetzte letzte Jahrwoche und das unmittelbare Kommen Christi für Jakob.
Das ist keine Erfindung über den Text hinaus, sondern das Einlesen der Stellen,
die Paulus selbst mit „wie geschrieben steht“ und mit dem Geheimnis der Heilswege Gottes voraussetzt.
Die Lücke In Daniel 9
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Die Lücke in Daniel 9 ist keine Zahl, die Gabriel nennt. Sie entsteht daraus, dass der Text nach der 69. Jahrwoche Ereignisse setzt, die nicht in die 70. Woche gehören, und die sechs Ziele von Daniel 9,24 bis heute an Israel und Jerusalem nicht erfüllt sind.
Der Text (Elberfelder, sinngemäß)
Über dein Volk und über deine heilige Stadt sind 70 Wochen (schabuim, Siebener) bestimmt: den Frevel zu beenden, der Sünde ein Ende zu machen, die Ungerechtigkeit zu sühnen, ewige Gerechtigkeit zu bringen, Gesicht und Propheten zu versiegeln und ein Allerheiligstes zu salben (9,24).
Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Gesalbten, den Fürsten (maschiach nagid), sind 7 Wochen und 62 Wochen (9,25). Nach den 62 Wochen wird der Gesalbte ausgerottet (jikaret) und hat nichts. Das Volk des kommenden Fürsten zerstört Stadt und Heiligtum. Sein Ende kommt mit einer Überflutung; bis zum Ende Krieg und festbeschlossene Verwüstungen (9,26). Er bestätigt einen Bund den Vielen eine Woche lang; in der Mitte der Woche lässt er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören. Auf dem Flügel der Gräuel ein Verwüster, bis die festbeschlossene Vernichtung sich über den Verwüster ergießt (9,27).
Was der Text trennt
Die 69 Wochen (7 + 62) laufen bis zum Gesalbten, dem Fürsten. Danach steht nicht „in der 70. Woche“, sondern nach den 62 Wochen (we’achare): der Gesalbte wird ausgerottet. Dann folgt ein weiteres Ereignis, das ebenfalls nicht in die eine Woche von Vers 27 gepresst wird: das Volk eines kommenden Fürsten zerstört Stadt und Heiligtum. Das geschah 70 n. Chr., Jahrzehnte nach dem Kreuz. Erst Vers 27 beschreibt die eine, die 70. Woche: Bund mit den Vielen, Mitte der Woche, Aufhören von Schlacht- und Speisopfer, Gräuel, Ende des Verwüsters.
Drei Dinge stehen also zwischen dem Ende der 69. Woche und dem Inhalt der 70. Woche: die Ausrottung des Gesalbten, die Zerstörung von Stadt und Heiligtum, und eine Zeit von Krieg und festbeschlossenen Verwüstungen. Der Text zählt diese Zeit nicht als Teil der 70 Siebener. Er lässt sie offen.
Warum die sechs Ziele die Lücke stützen
Daniel 9,24 gilt „über dein Volk und über deine heilige Stadt“ — Israel und Jerusalem, nicht über die Nationen und nicht über die Gemeinde. Sechs Ziele müssen innerhalb der 70 Wochen erfüllt werden. Sühnung ist am Kreuz geschehen. Aber Frevel beendet, Sünde zu Ende, ewige Gerechtigkeit über Jakob gebracht, Gesicht und Prophet versiegelt, ein Allerheiligstes gesalbt: das ist an Israel und an der Stadt nicht eingetroffen. Hesekiel 40–48 und Sacharja 12–14 setzen genau diese Vollendung an das Ende, nicht an das erste Kommen. Solange diese Ziele offen sind, ist die 70. Woche nicht abgelaufen.
Wer „er“ in Vers 27 ist
Das nächste männliche Bezugswort vor „er bestätigt einen Bund“ ist der kommende Fürst, dessen Volk Stadt und Heiligtum zerstört (9,26), nicht der ausgerottete Gesalbte. Der Gesalbte „hat nichts“. Der Fürst handelt. In der Mitte der Woche hebt er Opfer auf und bringt den Gräuel der Verwüstung — dieselbe Linie wie Matthäus 24,15 und 2. Thessalonicher 2,4. Wer den Gekreuzigten zum Subjekt von 9,27 macht, muss das Aufhören der Opfer als bloße Folge des Kreuzes deuten und den Gräuel auf 70 n. Chr. schieben. Der Wortlaut trennt den ausgerotteten Gesalbten vom handelnden Fürsten.
Was die Lücke ist — und was sie nicht ist
Sie ist die nicht gezählte Zeit zwischen dem Abschluss der 69 Wochen (Kommen und Ausrottung des Gesalbten) und dem Beginn der letzten Woche (Bund des kommenden Fürsten mit den Vielen). In diese Zeit fällt die Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. und die seither andauernde Teilverstockung Israels, bis die Vollzahl der Nationen hineingekommen ist (Römer 11,25). Die Schrift beziffert diese Pause nicht. Sie beschreibt sie: Jerusalem von Nationen zertreten, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind (Lukas 21,24); Verstockung zum Teil, bis die plērōma der Nationen eingegangen ist.
Sie ist nicht eine willkürliche Einfügung, damit irgendwo sieben Jahre Drangsal Platz haben. Die sieben Jahre stehen in 9,27. Die Lücke steht davor, weil der Text die Ausrottung und die Zerstörung nach den 69 Wochen setzt und die eine Woche erst mit dem Bund des kommenden Fürsten beginnen lässt.
Die Gegenlesart, kurz
Wer keine Lücke annimmt, legt die 70. Woche in die Jahre des Wirkens Jesu und die ersten Jahre danach:
der Messias bestätigt den Bund, in der Mitte der Woche hebt das Kreuz die Opfer auf, die Zerstörung 70 n. Chr. ist das Ende.
Dagegen steht:
„nach den 62 Wochen“ für die Ausrottung, nicht „in der Mitte der 70.“;
die Zerstörung Jahrzehnte später; die sechs Ziele von 9,24 an Israel und der Stadt unerfüllt;
der Gräuel der Verwüstung in Matthäus 24 noch zukünftig, als Jesus spricht.
Diese Lesart muss die Woche symbolisch dehnen oder die Ziele auf die Gemeinde umdeuten.
Daniel sagt: über dein Volk und über deine heilige Stadt.
Verbindung zu Römer 11,25–26
Die Lücke nach der 69. Woche ist die Zeit, in der Gott aus den Nationen die Vollzahl nimmt und Israel zum Teil verstockt bleibt.
Wenn diese Vollzahl hineingekommen ist, beginnt das, was Daniel 9,27 noch offenlässt:
die letzte Woche, der Bund, die Mitte, der Gräuel, und am Ende der Retter aus Zion, der die Gottlosigkeiten von Jakob abwendet (Römer 11,26; Jesaja 59,20).
Die Lücke ist also nicht die Zeit zwischen Römer 11,25 und 11,26.
Die Lücke ist die Gemeindezeit.
Zwischen 11,25 und 11,26 liegt die eine, noch ausstehende Woche.