„Reich Gottes: mitten unter euch“ (Lukas 17,20–25)
– Einstieg
Die Pharisäer stellen Jesus eine scheinbar einfache Frage:
„Wann kommt das Reich Gottes?“
Sie denken politisch, sichtbar, machtvoll.
Doch Jesus antwortet völlig anders:
„Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte … denn siehe: das Reich Gottes ist mitten unter euch.“
– Was meint Jesus?
„Mitten unter euch“ bedeutet nicht: „inwendig in euch“ – denn Jesus spricht zu ungläubigen Pharisäern.
Gemeint ist: Das Reich ist da, weil der König da ist.
Wo Jesus steht, steht das Reich Gottes selbst.
Wer ihn sieht, sieht die Herrschaft Gottes in Person.
– Vier Dimensionen des Reiches
Jesus zeigt: Das Reich Gottes ist vielschichtig.
- Göttliche Herrschaft – Gott regiert souverän über alles.
- Gegenwärtig in Christus – mit Jesus ist das Reich auf die Erde gekommen.
- Innerlich erfahrbar – Gerechtigkeit, Friede, Freude im Heiligen Geist.
- Zukünftig sichtbar – wenn der Sohn des Menschen in Herrlichkeit erscheint, wie ein Blitz, der den ganzen Himmel erleuchtet.
– Jetzt verborgen, später offenbar
Im Jetzt ist das Reich verborgen – wie Senfkorn und Sauerteig in den Gleichnissen.
Es wächst unsichtbar im Glauben.
Aber eines Tages wird es sichtbar:
Der Sohn des Menschen kommt in Macht.
Dann wird niemand mehr fragen: „Hier?“ oder „Dort?“
Sein Kommen wird unübersehbar sein.
– Die Spannung der Jünger
Zu den Jüngern sagt Jesus:
Es werden Tage kommen, da werdet ihr euch wünschen, einen der Tage des Sohnes des Menschen zu sehen – und ihr werdet ihn nicht sehen.
Zwischen Gegenwart und Zukunft liegt eine Zeit der Erwartung, der Treue, des Ausharrens.
– Die persönliche Konsequenz
Wer Jesus annimmt, tritt jetzt in sein Reich ein.
Nicht sichtbar, nicht politisch, sondern geistlich.
Aber wer ihn verwirft – wie die Pharisäer – verpasst das Reich, obwohl es direkt vor ihnen steht.
Schlusssatz
Das Reich Gottes ist da, wo der König anerkannt wird – und es wird sichtbar, wenn der König erscheint.
| Elberfelder 1905 Reich Gottess Beran Call Dave Hunt Das Reich Gottes R.B. Rudolf Brockhaus | |
| Lukas | |
| Lu 17,20 Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, daß man es beobachten könnte<W. kommt nicht unter Beobachtung>; | |
| Lu 17,21 noch wird man sagen: Siehe hier! oder: Siehe dort! denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. | |
| Lu 17,22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen der Tage des Sohnes des Menschen zu sehen, und ihr werdet ihn nicht sehen. | |
| Lu 17,23 Und man wird zu euch sagen: Siehe hier! oder: Siehe dort! Gehet nicht hin, folget auch nicht. | |
| Lu 17,24 Denn gleichwie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, also wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tage. | |
| Lu 17,25 Zuvor aber muß er vieles leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. |
a) Umfeld von Lukas 17
b) Bedeutung von Reich Gottes in den Evanglien
c) was umfasst „Reich Gottes“?
d) Zeitliche Aspekte von; „Reich Gottes“
e) und natürlich zu: Reich Gottes mitten unter euch helfen:
eine fünfteilige Gliederung
Unterschiede zwischen der Versammlung und dem Reich Gottes
| Kriterium | Reich Gottes | Versammlung |
| Erwähnung | In AT und NT | Nur im NT, da Geheimnis |
| Ursprung | Von Grundlegung der Welt an (Mt 13,55) | Vor der Grundlegung der Welt (Eph 1,3) |
| Ziel | Für die Schöpfung, Ende: 1.Kor 15,24 | Für das Vaterhaus – ewig (Offb 21,1-8) |
| Umfang der Gläubigen | Alle wiedergeborenen Gläubigen zu allen Zeiten + „Scheinjünger“ (=“Unkraut“) + Menschen im 1000-j. Reich | Alle wiedergeborenen Gläubigen in der Zeit von der Ausgießung des Geistes bis zur Entrückung |
| Zugehörigkeit | Durch Bekenntnis (Röm 10,9) und durch neue Geburt (Joh 3,3.5) „Scheinjünger“: nur durch Bekenntnis (Taufe, Mitglied) | Durch neue Geburt und Innewohnen des Geistes Gottes (1. Kor 6,19) „Falsche Brüder“ (Gal 2,4): Durch „Schein“-Christsein |
| Annehmen | Man kann das Reich annehmen (Mk 10,15par) | In einem Geiste zu einem Leibe getauft (1. Kor 12,13) |
| Erben | Es gibt Erben des Reiches (Mt 25,34; 1.Kor 6,9f.;15,50; Gal 5,21; Eph 5,5; Jak 2,5) | Es gibt keine Erben der Versammlung |
| Kinder | Kinder des Reiches (Mt 8,12; 13,38) | Es gibt keine Kinder der Versammlung |
| Beziehung zu Christus | Er ist aller Herr (Apg 10,36), und König (u.a. Ps 2) | Er ist das Haupt des Leibes (Kol 1,18) |
| Erwartung | Erscheinung des Herrn in Herrlichkeit – 1000-jähriges Reich | Kommen des Herrn zur Entrückung ins Vaterhaus (1.Thess 4,17) |
| Umgang mit Bösem | „Unkraut“ wächst zusammen mit „Weizen“ (Mt 13,30), bis zur Ankunft des Herrn Gefragt: Persönliche Treue auf dem Acker der Welt | „Hinaustun“ des Bösen (1.Kor 5,13), schon zur Abwesenheit des Herrn Gefragt: Absonderung vom Bösen im Hause Gottes |
| Ämter/Dienste | Keine Ämter oder Dienste | Apostel, Älteste, Diener, Lehrer, Propheten, Evangelisten, Hirten |
| Evangelium | Evangelium des Reiches (Mt 4,23; 9,35; 24,14; Apg 8,12) | Evangelium der Gnade Gottes/von Christus |
| Gemeinschaft der Gläubigen | Nicht stark ausgeprägt, allenfalls Mt 19,28 | Eines der Hauptkennzeichen der Versammlung |
| Derzeitige Form | Das Königreich ist nicht aufgerichtet, da der König nicht auf der Erde ist (Hebr 2,8) | Die Versammlung existiert, obwohl Jesus nicht auf der Erde ist => Himmlische Berufung (Hebr 3,1) |
| Umfang der Macht | Irdische (Mt 19,28, Dan 7,27) und himmlische Macht („Macht und Herrlichkeit“) | Keine irdische Macht, aber zukünftige himmlische Macht? |
a) Umfeld von Lukas 17
In Lukas 17 befinden wir uns in einer längeren Lehrsektion des Herrn auf dem Weg nach Jerusalem (ab Lk 9,51). Der Herr spricht hier in Wechselrede zu den Jüngern und den Pharisäern.
- V. 11–19: Heilung der zehn Aussätzigen, nur der Samariter kehrt dankbar zurück – Hinweis auf das kommende Heil für die Nationen und die Undankbarkeit Israels.
- V. 20–37: Belehrung über das Reich Gottes und die Erscheinung des Sohnes des Menschen. Die Pharisäer fragen nach dem „Wann“ des Reiches.
Der Herr weist sie zurecht und betont, dass es nicht durch äußere Beobachtung sichtbar wird. Danach spricht er zu den Jüngern über die künftige Offenbarung des Sohnes des Menschen (Blitz, Gericht, Noah/Lot).
Das Umfeld zeigt also: Die Pharisäer denken politisch-zeitlich, der Herr antwortet geistlich-heilsgeschichtlich. Die Jünger brauchen dagegen Trost und Wegweisung für die kommende Zeit der Erwartung.
b) Bedeutung von „Reich Gottes“ in den Evangelien
Der Ausdruck „Reich Gottes“ (bzw. „Reich der Himmel“ bei Matthäus, mit leicht anderer Nuance) hat verschiedene Dimensionen:
- Herrschaft Gottes – grundsätzlich die göttliche Souveränität über alles (Ps 103,19).
- In Christus gegenwärtig – das Reich ist dort, wo der König ist; mit der Person Jesu ist es auf die Erde gekommen (Mt 12,28).
- Innere Seite – es betrifft Glauben, Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist (Röm 14,17).
- Künftige Offenbarung – die sichtbare Aufrichtung in Macht und Herrlichkeit beim Wiederkommen des Sohnes des Menschen (Mt 25,31–34; Offb 11,15).
Das Reich ist also schon jetzt in Christus gegenwärtig, aber seine sichtbare Entfaltung steht noch aus.
c) Was umfasst „Reich Gottes“?
- Persönlich: Das Reich umfasst die Unterwerfung des Menschen unter Gott (Bekehrung, neues Leben, Gehorsam).
- Gemeinschaftlich: Es zeigt sich in der Versammlung (Gemeinde) als dem Bereich, in dem Christus anerkannt wird.
- Schöpfung: Letztlich wird es die ganze Schöpfung betreffen, wenn Christus als König herrscht (1. Kor 15,24–28).
- Gegenwart + Zukunft: Es ist ein dynamischer Begriff: „schon jetzt“ (unsichtbar im Glauben) und „noch nicht“ (sichtbar in Herrlichkeit).
d) Zeitliche Aspekte des Reiches Gottes
- Vorbereitung: Propheten kündigten es an (Jes 9, Dan 2, Joel 3).
- Anfang: Mit Christus als König ist es „nah herbeigekommen“ (Mk 1,15).
- Jetzt: In verborgener Form, geistlich (Gleichnisse in Mt 13: Senfkorn, Sauerteig).
- Zukunft: Sichtbar, wenn Christus in Macht und Herrlichkeit erscheint (Lk 21,31).
- Ewigkeit: Übergabe des Reiches an den Vater, „damit Gott alles in allem sei“ (1. Kor 15,28).
Das Reich hat also einen geschichtlichen Ablauf: nah – gegenwärtig – kommend – ewig.
e) „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lk 17,21)
Hier liegt der Schlüssel:
- Nicht „inwendig in euch“ (wie manche übersetzen) – das würde auch für die ungläubigen Pharisäer gelten, was nicht stimmt.
- Sondern: „mitten unter euch“ – im Sinn von: Das Reich ist da, weil der König da ist!
- Christus selbst ist die Offenbarung des Reiches. Wer ihn sieht und glaubt, ist schon in das Reich eingegangen (Joh 3,3–5).
- Die Pharisäer aber verkannten ihn. Darum werden sie auch das Kommen des Reiches in Herrlichkeit verpassen, wenn sie nicht Buße tun.
Der Herr betont: Man kann das Reich nicht mit „äußerem Schauen“ erkennen. Es ist keine politische Größe, sondern eine geistliche Realität, die sich später sichtbar offenbaren wird.
✅ Zusammenfassung
- Der Herr lenkt den Blick weg von äußeren Berechnungen hin zur Gegenwart seiner Person.
- Das Reich ist gegenwärtig im König und wird zukünftig in Herrlichkeit offenbar werden.
- Für uns heute heißt das: Wer Christus annimmt, gehört schon jetzt zu seinem Reich, auch wenn die Welt ihn noch verwirft.
1) Lesetext Lukas 17,20–25 – Umfeld, Bedeutung und „mitten unter euch“ a) Umfeld von Lukas 17- Einordnung: Auf dem Weg nach Jerusalem (ab Lk 9,51) lehrt der Herr Jesus in Begegnungen mit Jüngern und Pharisäern.
- Unmittelbarer Kontext: Nach der Heilung der zehn Aussätzigen (Lk 17,11–19) fragen Pharisäer: „Wann kommt das Reich Gottes?“ (V. 20).
Der Herr korrigiert ihre „äußere“ Erwartung: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte …
denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (V. 20–21).
Danach belehrt er die Jünger über die künftige Offenbarung des Sohnes des Menschen in Herrlichkeit und Gericht (V. 22–37; Bild des Blitzes, Beispiele Noah/Lot). - Kernspannung: Gegenwart des Reiches in der Person des Königs und zukünftige sichtbare Erscheinung in Macht.
- Göttliche Herrschaft: Gott regiert souverän (Ps 103,19).
- In Christus gegenwärtig: Wo der König ist, ist sein Reich (vgl. Mt 12,28).
- Innere Seite: Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist (Röm 14,17).
- Künftige Offenbarung: Sichtbar bei der Wiederkunft (Mt 25,31–34; Offb 11,15).
→ Schon jetzt real im Glauben (verborgen), noch nicht sichtbar entfaltet (offenbar).
- Persönlich: Unterordnung unter Gott (Bekehrung, neues Leben, Gehorsam).
- Gemeinschaftlich: Bereich, in dem Christus anerkannt wird (Zeugnis der Gemeinde).
- Kosmisch: Umfasst letztlich die ganze Schöpfung unter Christi Königsherrschaft (1Kor 15,24–28).
- Angekündigt: Propheten (Jes 9; Dan 2 u. a.).
- Anbruch: „Nahe herbeigekommen“ in Jesu Dienst (Mk 1,15).
- Gegenwart: Verborgen in Gleichnissen (Mt 13: Senfkorn, Sauerteig).
- Zukunft: Sichtbar bei Erscheinung des Sohnes des Menschen (Lk 21,31; Lk 17,24).
- Ewigkeit: Übergabe an den Vater, „damit Gott alles in allem sei“ (1Kor 15,28).
- Weder „hier!“ noch „dort!“ – keine äußerlich berechenbare politische Größe.
- Mitten unter euch: Der König selbst stand vor ihnen; in seiner Person war das Reich da.
- Die Pharisäer, die ihn verwarfen, übersahen darum das Reich.
- Für den Glaubenden gilt: Jetzt Anteil am Reich (Joh 3,3–5), später Teil an der Herrlichkeit seiner Erscheinung (Kol 1,13; 2Tim 4,1).
- Bibelstellen-Verlinkungen (z. B. auf https://www.bibleserver.com oder eine andere Seite deiner Wahl – hier nehme ich exemplarisch bibleserver.com in Elberfelder 1905).
- Kurze Gegenüberstellung „Reich Gottes“ vs. „Reich der Himmel“ (nur Matthäus benutzt „Reich der Himmel“, sonst immer „Reich Gottes“).
- Reich Gottes = allgemeiner Begriff, betont die Herrschaft Gottes in Christus, umfasst gegenwärtige wie zukünftige Aspekte.
- Reich der Himmel = Ausdruck nur bei Matthäus (ca. 32-mal), betont die himmlische Quelle und den Charakter des Reiches, wie es in den Evangelien offenbart wird.
- Inhaltlich sind beide weitgehend deckungsgleich, nur mit verschiedener Blickrichtung:
- „Reich Gottes“: Wer herrscht (Gott selbst, in Christus).
- „Reich der Himmel“: Woher es kommt (aus dem Himmel, nicht von Menschen).
- Beispiele:
- Mt 4,17: „Kehrt um, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“
- Mk 1,15: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium! Das Reich Gottes ist nahe gekommen.“
→ Zwei Ausdrücke, eine Realität, aber mit unterschiedlichem Schwerpunkt.
