Wie heissen  die drei Eingangstore des Tempels auf hebräisch und ungefähr übersetzt ins Deutsche? 00295

Q. Von Jörg Bier Kurazell

Quellen  
Tempel  der Bibel
Tempel der Drangsalszeit
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Einleitender Kommentar

Die biblischen Beschreibungen der Stiftshütte und des Tempels zeigen in äußerer Form tiefe geistliche Wahrheiten.
Schon die Tore verweisen auf die verschiedenen Zugänge zu Gottes Gegenwart, und die drei Vorhänge der Stiftshütte machen deutlich,
wie der Weg von außen bis ins Allerheiligste gegliedert war.
Im Neuen Testament wird offenbart, dass dieser Weg durch den zerrissenen Vorhang beim Tod Jesu endgültig frei wurde.


. Die drei Eingangstore des Tempels – Hebräisch und Übersetzung

In den biblischen Beschreibungen (z. B. Hesekiel 40–43; 1. Könige 6–7) werden die Tore in der Regel nach den Himmelsrichtungen benannt. Auf Hebräisch lauten sie:

  • שַׁעַר הַצָּפוֹן (Schaʿar ha-Zafon) → „Tor des Nordens“
  • שַׁעַר הַדָּרוֹם (Schaʿar ha-Darom) → „Tor des Südens“
  • שַׁעַר הַקָּדִים (Schaʿar ha-Qedem) oder auch שַׁעַר הַמִּזְרָח (Schaʿar ha-Mizrach) → „Tor des Ostens“

Im Tempel Hesekiels werden diese drei Hauptzugänge besonders hervorgehoben
(vgl. Hes 40,6; 40,20; 40,24). Später spricht man im Judentum zusätzlich von Nikanor-TorSchöne Pforte etc., aber die biblischen Grundbezeichnungen sind nach den Himmelsrichtungen.


2. Prophetisch-geistlicher Unterschied der Heiligtümer

  • Stiftshütte (2. Mose 25–40):
    Ein transportables Heiligtum in der Wüste. Sie betont die Wohnung Gottes inmitten des Volkes auf der Pilgerschaft. Alles ist leicht zerlegbar und zeigt die vorläufige, noch nicht vollendete Gemeinschaft.
  • Tempel Salomos (1. Könige 6–8):
    Ein fester, herrlicher Bau auf dem Zion. Er offenbart die Herrlichkeit und Ruhe Gottes in Verbindung mit dem Königtum. Gold, Pracht und Herrlichkeit überwiegen – ein Bild des Reiches in seiner ersten Herrlichkeit.
  • Tempel Serubbabels (Esra 3–6, später ausgebaut unter Herodes):
    Von außen ärmlicher, aber dennoch gültiger Wohnort Gottes. Prophetisch spricht er von der Treue Gottes in kleinen Anfängen und von der Schwäche der Zurückgekehrten, aber zugleich von Gottes Anerkennung. (vgl. Haggai 2,9: „Die Herrlichkeit dieses letzten Hauses wird größer sein…“ – durch die Gegenwart des Messias selbst.)
  • Tempel Hesekiels (Hes 40–48):
    Ein noch zukünftiger, messianischer Tempel im Tausendjährigen Reich. Er zeigt Gottes bleibende Ruhe und Herrlichkeit in Israel nach den Gerichten.
    Mit gewaltigen Maßen, klarer Ordnung, strömendem Wasser und einem besonderen Opferdienst ist er ein prophetisches Bild der Wiederherstellung Israels und der Segnung der Nationen.

3. Bezug im Hebräerbrief – Stiftshütte oder Tempel?

Der Hebräerbrief nimmt durchgehend Bezug auf die Stiftshütte, nicht auf den Tempel. Gründe:

  • Der Verfasser zitiert ausführlich aus 2. Mose und 3. Mose (z. B. Hebr 8,5: „Mose wurde eine göttliche Weisung gegeben, als er im Begriff war, die Hütte zu errichten…“) – nicht aus den Königsbüchern.
  • Der Schwerpunkt liegt auf dem Vorbildcharakter: das Irdische als „Schatten und Abbild“ der himmlischen Wirklichkeit (Hebr 9,1–12).
  • Es geht um die Opfer, den Hohenpriester, das Allerheiligste – alles aus dem Kontext der Wüsten-Stiftshütte entnommen.

Wichtige Stellen:

  • Hebr 8,2–5 – Christus als Diener des „wahren Heiligtums“ im Gegensatz zur irdischen Hütte.
  • Hebr 9,1–12 – Beschreibung des Aufbaus und Dienstes der Stiftshütte.
  • Hebr 9,21–23 – Reinigung der Hütte und Gefäße durch Blut.
  • Hebr 10,19–22 – „Freimütigkeit zum Eintritt in das Heiligtum“ im Gegensatz zu den Vorbildern.

Der Tempel wird nicht ausdrücklich thematisiert; aber zur Zeit des Schreibens (vor 70 n. Chr.) stand noch der Herodianische Tempel.
Dennoch nimmt der Autor bewusst die mosaische Stiftshütte als Vorbild, weil sie die ursprüngliche, von Gott selbst gegebene Offenbarung ist.

Übersicht: Heiligtümer und ihr geistlicher Unterschied

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